Markus Falb, Gründer von Magando, betritt mit seinem Unternehmen einen neuen Online-Marktplatz. (Bild: zvg)
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Markus Falb, Gründer von Magando, betritt mit seinem Unternehmen einen neuen Online-Marktplatz. (Bild: zvg)

Was hat Kosmetik mit Sirup zu tun?

6min Lesezeit

Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft öffnet ein neuer digitaler Markt seine Tore: «Siroop» heisst der von Swisscom und Coop lancierte Online-Marktplatz, der nun seinen Pilotbetrieb startet. Branchenkenner sind skeptisch. Das hält einen Zuger Händler allerdings nicht davon ab, von Anfang an mit dabei zu sein.

Weihnachtszeit ist Shoppingzeit. Wer sich mit der Kälte und Nässe draussen schwer tut, erledigt seine Festtagseinkäufe bequem von zuhause aus. Onlineshopping heisst das Zauberwort. Ob Amazon, Zalando, Brack, Galaxus oder wie sie sonst alle heissen – der Markt hat das Bedürfnis längst erkannt und bietet mittlerweile ein wahres Shoppingparadies für digitale Kunden.

Auf diesen Zug springt nun auch Coop auf. Zusammen mit der Swisscom hat der Detailhändler den Online-Marktplatz «Siroop» aufgebaut. Die Beta-Version der Plattform ist seit Dienstag (24. November 2015) online. Was auffällt: Im Gegensatz zu Galaxus, dem Äquivalent der Migros, sind auf Siroop nicht nur Waren aus der Coop-Produktpalette zu finden, sondern auch solche von lokalen Händlern. Denn Siroop soll kein reiner Onlineshop sein, sondern auch lokale Geschäfte einbinden. Als einziges Zentralschweizer Unternehmen ist das Zuger Kosmetikgeschäft «Magando» dabei (siehe Box).

«Wir versprechen uns davon einen zusätzlichen grossen Absatzkanal im Schweizer Markt.»

Markus Falb, Gründer und Inhaber Magando

Von Anfang an dabei

Der Gründer und Inhaber von Magando, Markus Falb, war von Anfang an Feuer und Flamme für den neuen Online-Marktplatz: «Wir wurden vor einiger Zeit von Siroop angefragt, und für uns stand es ausser Frage, dass wir bei diesem Grossprojekt von Beginn an mit dabei sein möchten», sagt er. Angetan sei man insbesondere von der Relevanz und Reichweite des Projekts. Entsprechend verspricht sich Falb davon einen zusätzlichen grossen Absatzkanal im Schweizer Markt. Konkrete Zahlen will er allerdings nicht nennen. «Da die Pilotphase erst eben gestartet ist, lässt sich dazu noch keine Aussage machen», sagt Falb.

«Innere Schönheit»

Die Idee, die hinter Magando (philippinisch: innere Schönheit) steckt, ist simpel: Unter einer Adresse sollen möglichst alle Marken rund um Beauty, Parfüms und Pflege angeboten werden. Offenbar sei es ein Bedürfnis von Männern und Frauen, dass sie ihre bevorzugten Kosmetikprodukte nicht mehr in verschiedenen Läden zusammenkaufen müssen. Das Sortiment von Magando umfasst über 70’000 Markenartikel von gut 1’000 Brands. Damit ist Magando in Hünenberg der grösste Beauty-Onlineshop der Schweiz.

Magando wurde am 1. November 2014 von Markus Felb gegründet. Zurzeit beschäftigt Magando 20 Mitarbeiter, das Umsatzziel für 2015 beträgt vier Millionen Franken, und ab 2016 soll das Unternehmen Profit abwerfen.

Die Coop-Tochter «Import-Parfumerie» ist ebenfalls auf Siroop vertreten. Was hält man bei Magando davon, dass Coop Konkurrenz gegenüber eigenen Konzerntöchtern auf der neuen Plattform zulässt? «Wir begrüssen diese Haltung sehr», sagt Falb. «Wir sind überzeugt, dass die Offenheit entscheidend sein wird für den Erfolg von Siroop.» Ausserdem könne sich sein Unternehmen aufgrund der Sortimentsgrösse problemlos von der Import-Parfumerie differenzieren.

«Zeitpunkt ist absolut richtig»

Auch wenn die Beta-Version der Plattform gerade erst seit kurzem online ist, erntet das Projekt bereits Kritik. «Ich finde es sehr mutig, dass Siroop mit einer derart unfertigen Beta-Version jetzt schon startet», sagt etwa Branchenkenner Marcel Dobler gegenüber der Zeitung «Der Bund». Für den früheren Chef von Digitec Galaxus ist der Markteintritt schlicht zu früh gewählt. Daher sei die Produktedatenqualität mangelhaft, die Optik lasse zu wünschen übrig und die Kundenführung sei nicht optimal. Auch das Porto von fünf Franken für die A-Post-Zustellung fände Dobler nicht zeitgemäss: «Das ist im Marktvergleich sehr teuer», sagt er.

«Wann ein Projekt an den Start geht, ist immer eine Gratwanderung.»

Markus Falb, Geschäftsführer Magando

Dem kann Falb nicht zustimmen: «Der Zeitpunkt des Markteintritts ist unseres Erachtens absolut richtig.» Wann ein Projekt an den Start gehe, sei immer eine Gratwanderung. Warte man zu lange, da auch die letzten Finessen noch sitzen sollen, habe man allenfalls das Nachsehen, erläutert der Zuger und fügt an: «Ein früher Start mit einer soliden Grundstruktur ist aus unserer Erfahrung eine bessere Wahl.» Zugegeben, der Mann spricht aus Erfahrung. Schliesslich hat Falb 2002 den Onlineshop MrLens ins Leben gerufen, der mittlerweile der grösste Schweizer Online-Kontaktlinsenverkäufer ist.

Markus Falb, Geschäftsführer von Magando.
Markus Falb, Geschäftsführer von Magando. (Bild: zvg)
Was die Porto-Gebühren betrifft, hält sich Falb allerdings vornehm zurück, deutet aber an, dass diese nicht in Stein gemeisselt seien: «Wie sich das Gebührenmodell und weitere Konditionen entwickeln werden, wird sich weisen.»

Die Zukunft wirds zeigen

Was die Zukunft ebenfalls zeigen werde, sei, ob weitere Zuger Händler künftig auf der Plattform vertreten sein werden. Als offizieller Partner von Siroop ist Magando zwar kein Entscheidungsträger für weitere Partner. Aber, so sagt Falb, man sei sich aufgrund der angestrebten Vertriebsstruktur sicher, dass es zukünftig flächendeckend Händler auf Siroop geben wird.

Für kleine Händler dürfte es aber schwierig werden. Die Testphase von Siroop läuft bis zum Frühjahr 2016. Ab dann müssen die Händler Vertriebsgebühren bezahlen. Je nach Produktekategorie werden sich diese auf sechs bis zehn Prozent des Warenwerts belaufen.

Ob sich Siroop als Online-Marktplatz etablieren wird, bleibt letztlich abzuwarten. Noch befindet man sich ohnehin in der Testphase. Im ersten oder zweiten Quartal 2016 soll dann der schweizweite Start erfolgen. Für den (vorerst) einzigen Händler aus Zug ist klar: «Die Geschwindigkeit, mit der die Anzahl Partner und die Anzahl Kunden von der Plattform überzeugt werden können, ist matchentscheidend.»

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