Eine schwebende Bahnkabine: die Installation der Gütschbahn an diesem Dienstagmorgen. (Bild: jakob ineichen)
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Eine schwebende Bahnkabine: die Installation der Gütschbahn an diesem Dienstagmorgen. (Bild: jakob ineichen)

Die neue Gütschbahn fliegt durch die Luft

7min Lesezeit

Die Kabinen des neuen Schräglifts wurden diesen Dienstagmorgen angeliefert. zentral+ war live dabei und konnte einen Augenschein nehmen. In zwei bis drei Wochen soll das Gütschbähnli fahren.

«Das ist für uns nicht alltäglich», sagt Thomas Müller, Projektleiter der Inauen-Schätti AG. Er steht auf dem Vorplatz der Bergstation beim Château Gütsch und schaut nach oben. Müller ist für die Installation der neuen Gütschbahn zuständig und etwas nervös, wie er zugibt. In einer spektakulären Aktion werden heute die zwei Kabinen des neuen Schräglifts geliefert – sie werden mit einem Kran über die Mauern der Bergstation des Schlosshotels gehievt.

Anspruchsvolles Manöver

Die Kabinen sind je 1'140 Kilogramm schwer und wurden mit zwei Lastwagen hierher gebracht. Die Krux hier oben: die knappen Platzverhältnisse. «Es ist ziemlich eng», sagt Müller. «Aber wir haben es mit dem Kranunternehmen gut durchgeplant. Es sollte klappen.» Die Aktion muss so durchgeführt werden, weil die SBB verständlicherweise keine Baubewilligungen erteilt für Arbeiten, die in der Nähe von Verkehrstrassees stattfinden. Die Talstation befindet sich direkt neben einer Bahn-Hauptverkehrsachse.

(Bild: jakob ineichen)

So wurden die Kabinen hier hoch gefahren, durch den Gütschwald an die Bergstation. Im Boden der Talstation ist bereits der Antrieb installiert. «Die Technik ist seit längerer Zeit fertiggestellt und eingelagert», sagt Müller. Nun beginnt der Kran, die Kabine anzuheben. Die fünf Mitarbeiter sind hoch konzentriert.

Es folgen vier Minuten Stille, gleichmässige Motorengeräusche, nur ein paar Funksprüche, sonst nichts. Der Kranführer verfolgt das Geschehen in seiner Kabine per Videoübertragung. Die Kabine schwebt exakt über die Mauer und senkt sich Meter für Meter auf die Geleise. Es scheint zu klappen. 

«Jetzt nimmt alles Formen an»

Auch Gesa Eichler, Geschäftsführerin der Château Gütsch Immobilen AG, ist aufgeregt. «Jetzt nimmt alles Formen an, was man vorher nur auf Bauplänen gesehen hat. Das ist sehr spannend», sagt sie. In zwei bis drei Wochen, also Anfang bis Mitte September, sei die Bahn fertig gebaut. «Die Anlage muss zuerst noch getestet und behördlich geprüft werden.» 

Die Bergstation bleibt in der jetzigen Form bestehen. In der Talstation wird demnächst noch der neue Boden verlegt. Zudem bekommen Tal- wie auch Bergstation neue elektrische Schiebetore. Insgesamt kostet die Anlage 3,2 Millionen Franken. Bis allerdings dieses Geld zusammengekommen war, war es ein langer Weg.

(Bild: jakob ineichen)

Langes Hin und Her um Finanzen

Die Arbeiten an der Talstation wurden bereits 2013 ausgeführt, dann aber sistiert. Es war nicht sicher, ob sich die Stadt Luzern an den Investitionen beteiligen würde. Nach dem positiven Parlamentsentscheid im letzten Sommer haben die Stadtluzerner am 11. November ein Referendum abgelehnt und damit Ja gesagt zur städtischen Beteiligung in der Höhe von 1,7 Millionen Franken.

Einen offiziellen Termin für die Eröffnung gäbe es noch nicht, sagt Eichler. Aber schon bald wird man, nach sieben langen Jahren Unterbruch, endlich wieder mit einem öffentlichen Verkehrsmittel auf den Gütsch fahren können. 

«Sitzt, passt, hat Luft!»

Die erste Kabine steht nun auf der Schiene. Nach einer kurzen Kontrolle ruft Thomas Müller mit einem strahlendem Lachen: «Sitzt, passt, hat Luft.» Dort unten ist also alles in Ordnung. «Es ist genauso, wie wir uns das vorgestellt haben», freut sich der Projektleiter. In den nächsten Tagen geht es für ihn und sein Team ans Ausprobieren. «Fahrwerk, Kabine, Antrieb, Steuerung: Das muss alles gut funktionieren.» Als Nächstes wird zuerst mal Strom auf die Antriebe gegeben. 

Bald wird die neue Bahn in Betrieb sein. Sie gilt als kommerziell genutzter Schräglift, eine Art «verkleinerte Standseilbahn», die maximal acht Personen (stehend) pro Fahrt transportieren darf. Gemäss VBL-Sprecher Christian Bertschi bezahlen die Passagiere für eine Fahrt mit der Gütschbahn vier Franken. «Es ist ein Billett der Zone 10 nötig. Dieses ist 60 Minuten lang gültig», sagt Bertschi auf Anfrage.

(Bild: jakob ineichen)

Kritik an teuren Billetten

Wenn Besucher also mehr als eine Stunde oben verbringen, bezahlen sie acht Franken, falls sie mit der Bahn wieder nach unten fahren möchten. Nach Bekanntwerden der Billettpreise kam Kritik auf. Für die Hotelgäste und die Tagestouristen ist die Erschliessung zentral. Die meisten internationalen Gäste reisen mit dem öffentlichen Verkehr über den Bahnhof an. Zudem versprachen die Hotelbetreiber, die Gütsch-Wiese öffentlich zugänglich zu machen, wenn die Bahn wieder läuft (zentral+ berichtete).

Warum ist kein Kurzstreckenbillett gültig für diese Fahrt von einer Station zur nächsten? Für eine Busfahrt bis sechs Haltestellen innerhalb der Zone 10 zahlt man nur 2.50 Franken. Christoph Zurflüh, Sprecher des Tarifverbundes Passepartout entgegnet: «Die Kurzstrecke ist nur für Busse vorgesehen. So ist eine Kurzstrecke auf der S-Bahn beispielsweise für den kurzen Weg zwischen Allmend und Mattenhof nicht gültig». Das funktioniere in anderen Region der Schweiz auch so. Wer zudem schon mit dem ÖV anreise, habe bereits ein gültiges Billett. «Hinzu kommt, dass Hotelgäste, welche über Luzern Tourismus ein Hotel buchen, das öV-Ticket geschenkt bekommen», so Zurflüh.

Fakten zum neuen Gütschbähnli

Der Schräglift von der Baselstrasse zum Hotel Château Gütsch überwindet eine Höhendifferenz von 84,5 Metern. Er wird mit einer Geschwindigkeit von zwei Metern pro Sekunde fahren und braucht rund 90 Sekunden für die 180 Meter lange Strecke. Mit Ein- und Aussteigen wird die Fahrtdauer damit rund zwei Minuten betragen. 

Beim Schräglift handelt es sich um eine unabhängige Doppelanlage. Vergleichbare öffentliche Erschliessungen hat die Inauen-Schätti AG in den letzten Jahren in Le Locle für die Verbindung von der Stadt zum Bahnhof sowie in Haute Nendaz (Wallis) realisiert.

Mehr Bilder zur spektakulären Aktion finden Sie hier in unserer Bildergalerie: 

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