Das Geschäft ging schon besser. «Die Besucher können mit dem Handy die Preise vergleichen», sagt ein Aussteller. (Bild: zvg)
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Das Geschäft ging schon besser. «Die Besucher können mit dem Handy die Preise vergleichen», sagt ein Aussteller. (Bild: zvg)

Kann die Luga den Online-Shops trotzen?

5min Lesezeit

Das Zeitalter der Online-Shops macht den Verkäufern an der Luga das Leben schwer. Und so ein Stand kostet einiges. Eine Umfrage zeigt, warum die Luga dennoch als Marktplatz gefragt ist. Geht die Rechnung für die Aussteller schlussendlich auf?

Online-Shopping boomt. Das bekommen auch die Aussteller an der Luga zu spüren. Hier ist das Gewerbe vertreten und viele Unternehmer jammern, wenn man sie nach den Umsätzen fragt. Der Tenor in der Halle 6 lautet: «Es ist schwierig. Die Verkäufe sind merklich zurückgegangen.» Halit Cömez, der an seinem Stand zusammen mit zwei Angestellen Dampfbügeleisen verkauft, hat Erfahrung.

«Für Aussteller ist es nicht gut fürs Geschäft, dass die Produkte auch gleichzeitig im Internet zu finden sind. Heutzutage können die Besucher zum Beispiel mit dem Handy den Barcode auf der Schachtel einscannen und dann landen Sie direkt auf den entsprechenden Angeboten im Internet. Das macht das Verkaufen sehr schwierig», sagt Cömez. Für ihn lohne sich im Endeffekt ein Luga-Stand aber dennoch. Sein Produkt werde «nur» an der Messe verkauft, sagt er. Seine Bügeleisen gebe es «exklusiv» nur bei ihm.

«Nein, du musst die Schere jetzt nicht kaufen, ich bestelle sie lieber im Internet.»

Beat Widmer, Rowi AG

Die Luga ist eine Investition

So ein Messeauftritt ist eine Investition für die «Gewerbler» und kann schnell mal ins Geld gehen. Der Quadratmeterpreis beträgt 200 Franken in den Zelten und 235 Franken in den festen Hallen. Grössere Firmen zahlen gut und gerne einen fünfstelligen Betrag. Die meisten Aussteller haben einen mittleren vierstelligen Betrag zu stemmen. Im Gegenzug können sie mit einem Besucheraufkommen von durchschnittlich 120'000 Personen pro Ausstellung rechnen. Soweit der Deal.

Am Stand der Rowi AG werden Gartenscheren und Messer verkauft. Für Inhaber Beat Widmer geht die Rechnung knapp auf. Online-Shops sind für ihn aber ein grosses Thema. Er erklärt entrüstet: «Es ist schon mühsam. Eine Familie kommt interessiert bei mir vorbei und lässt sich alles erklären. Dann sagt der Junior zum Vater, völlig unverblümt: Nein, du musst die Schere jetzt nicht kaufen, ich bestelle sie lieber im Internet.» So etwas treffe Widmer in seiner Verkäufer-Ehre.

Die Firma Rowi AG hat sich auf Messer und Gartenscheren spezialisiert.
Die Firma Rowi AG hat sich auf Messer und Gartenscheren spezialisiert. (Bild: bra)

Auch für Widmer lohne es sich dennoch knapp, an der Luga einen Stand zu mieten. Er investiert 3'000 Franken, plus Material und Zeit für die insgesamt zehn Verkaufstage. «Bis jetzt bin ich immer rausgekommen. Am Sonntagabend werde ich abrechnen, und wir werden dann sehen.»

«Mein Verkaufstalent ist gefragt»

«Das Internet drückt vor allem die Preise», sagt Helmut Sobl, nahe beim Eingang der Halle 6. Der Österreicher ist für die Firma Thermofonte AG unterwegs und hat den Besuchern gerade den «Gigant Multi-Hobel» präsentiert. Sie liessen sich interessiert den Gemüsehobel vorführen und durften gar selber Hand anlegen.

«Ich sehe die Produkte lieber in Natur als auf einem Bild.» 

Erika Strebel, Besucherin

Die Konkurrenz im Internet sei stark, sagt Sobl. Leider hätten seine «schlauen Kunden» immer die neusten Informationen auch online zur Verfügung. «Sie kommen an meinen Stand und sagen, sie hätten das Produkt im Internet bereits günstiger gesehen.» Das sei ein starkes Argument. Er müsse den Gemüsehobel direkt vorführen. «Nur vom Anschauen alleine hat der Kunde nichts.» Und weil er dann gleich persönlichen Kontakt habe, seien die zwei oder drei Franken Unterschied zu den Angeboten im Internet dann plötzlich nicht mehr so wichtig. «Nur mit dem Gespräch am Stand kann ich den Kunden gewinnen», sagt Sobl.

Helmut Sobl beim Verkaufsgespräch.
Helmut Sobl beim Verkaufsgespräch. (Bild: bra)

Der Vorführ-Effekt macht es aus 

Die persönliche Beratung und der Vorführ-Effekt sind auch für die Luga-Besucher das Wichtigste. Wie zum Beispiel für Erika Strebel und Priska Odermatt, die aus Zell angereist sind. Die beiden sind im Alter «50plus» und haben an der Luga Schmuck «geposchtet». «Wir haben uns demonstrieren lassen, wie die Magnetbrosche hier an das Foulard angebracht wird. Dazu noch, welche Farben am besten dazu passen.» Beide scheinen zufrieden. Und Erika Strebel fügt hinzu: «Ich vergleiche ab und zu Preise im Internet, damit ich sehen kann was überteuert ist und was nicht. Aber ich sehe die Produkte hier lieber in Natur als auf einem Bild.»

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