Die Mehrarbeit passe gut zum Neubauprojekt der Siemens-Division Building-Technologies in Zug, sagt CEO Matthias Rebellius. (Bild: zvg)
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Die Mehrarbeit passe gut zum Neubauprojekt der Siemens-Division Building-Technologies in Zug, sagt CEO Matthias Rebellius. (Bild: zvg)

Länger arbeiten bei Siemens

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Fünf Stunden länger pro Woche sollen die Arbeitnehmer der Schweizer Siemens-Division in Zug arbeiten. Das sei das Ergebnis der Verhandlungen mit der Gewerkschaft, sagt der neue CEO. Und passe trotzdem zu den Millionen-Investitionen, die Siemens in Zug plant.

Kaum angetreten muss der neue CEO der Siemens Building Technologies schon schlechte Nachrichten überbringen. «Es war die erste Kaderbesprechung, und ich hätte mir das schon anders gewünscht», sagt Matthias Rebellius, der seit Januar im Amt ist. «Aber ich glaube, ich konnte den Mitarbeitern gut darlegen, dass der Schritt notwendig ist.» Die Siemens-Division mit Sitz in Zug führt Mehrarbeit ein: Bis Oktober 2015 sollen die Mitarbeiter statt wie bisher 40 Stunden pro Woche nun 45 Stunden pro Woche arbeiten. Grund für den Entscheid sei der starke Franken.

45 Stunden pro Woche sind die nach Arbeitsgesetz höchste zulässige Arbeitszeit. Rund 1400 Mitarbeiter sind davon betroffen, die meisten von ihnen arbeiten in Zug. Lehrlinge und Arbeiter im Stundenlohn seien ausgenommen. Ab Oktober werde die Arbeitszeit wieder leicht reduziert und auf 43 Stunden festgelegt. Dem Management wird der Urlaub für die nächsten zwei Jahre um zehn Tage gekürzt und es erhält reduzierte Bonuszahlungen.

«Gefasst aufgenommen»

Das sei das Ergebnis der Verhandlungen mit der Arbeitnehmervertretung. «Wir hätten auch eine durchgehende 44-Stunden-Regelung einrichten können», sagt Rebellius, «wie das zum Beispiel die V-Zug gemacht hat. Wir fanden aber diese Abmachung für uns passender.» Wie ist die Stimmung in der Belegschaft? «Die Mitarbeiter sehen, dass sie eine Last mitzutragen haben. Sie haben das sehr gefasst und gut aufgenommen. Ich habe auch darlegen können, dass das ein Entscheid für den Standort ist: Wir sehen auch die positiven Effekte des Standortes Schweiz – gerade, dass man solche Massnahmen ergreifen kann, dass die Mitarbeiter-Innovativität und Produktivität grösser ist als in anderen Ländern.»

Die Erhöhung der Arbeitszeit sei auch nicht vergleichbar mit einer Lohnkürzung. «Das haben uns auch die Mitarbeitervertreter so gesagt. Eine Lohnkürzung hat einen ganz anderen psychologischen Effekt. Eine Lohnkürzung wäre auch sehr schwierig zu vermitteln gewesen, die Akzeptanz wäre viel geringer.»

«Braucht längeren Schnauf»

Ziel der Stundenerhöhung sei es, die anfallende Arbeit möglichst ohne Neueinstellungen, Überzeiten oder externe Ressourcen zu bewältigen, schreibt die Siemens-Division in ihrer Medienmitteilung. Durch diese Verbesserung der Produktivität könnten externe Dienstleistungsverträge abgebaut und Produktentwicklungen beschleunigt werden. Ob sich aber bis Oktober die Lage tatsächlich verbessert hat, darüber wolle er nicht spekulieren: «Wir fällen diesen Entscheid nicht aufgrund einer Währungsspekulation.» Die Massnahme soll den Übergang erleichtern, wie das auch der Fall gewesen sei, als der Euro auf 1.20 Franken gefallen ist. «Damals haben solche Massnahmen geholfen, zu kompensieren. Das geht allerdings nicht in einem Jahr, das braucht einen längeren Schnauf.»

Für die Abteilung Fertigung gilt die Änderung allerdings nicht. Hier würden andere Lösungen gesucht. Drohen Entlassungen? «Dazu können wir noch nicht mehr sagen. Für die Fertigung werden in den kommenden Wochen Optionen geprüft», schreibt Benno Estermann, Sprecher der Siemens. «Ziel ist eine dauerhafte und tragfähige Lösung, welche die Konkurrenzfähigkeit der Produktion am Standort Zug sichert.»

Ein weiteres Problem

Wenn Arbeitszeiten erhöht werden, vermuten Gewerkschaften dahinter schnell einen allgemeinen Abbau der Arbeitnehmerrechte. Das verneint Rebellius: «Das kann ich so nicht ausmachen», sagt er. «Wir wollen auch nicht einfach die Last auf die Mitarbeiter abschieben.» Die Bereiche, die für den Schweizer Markt zuständig seien, seien von der Regelung auch nicht betroffen. «Es bringt nichts, beim Vertrieb in der Schweiz Mehrarbeit einzuführen», sagt Rebellius. Trotzdem käme auch da ein Problem auf die Siemens Schweiz zu: «Die Mitbewerber geben Euro-Rabatte weiter, da müssen wir auch mithalten.»

Noch kurz vor dem Antritt von Rebellius hatte die Siemens-Division verkündet, sie wolle in den Standort Zug investieren und das Siemens-Areal ausbauen. Wie passen diese Investitionen nun zur Mehrarbeit? «Das passt sehr gut», sagt Rebellius. «Mit den heutigen Massnahmen haben wir gezeigt, dass wir eine langfristige Standortstrategie fahren und die Grossinvestition für den neuen Hauptsitz wie geplant realisieren.»

 

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