Berge von Käse lagern in den Kellern im Langrüti. (Bild: bra)
Wirtschaft Essen und Trinken

Berge von Käse lagern in den Kellern im Langrüti. (Bild: bra)

Der unscheinbare Käse-König

5min Lesezeit

Emmentaler, Gruyère, Sbrinz: Die Hünenberger Firma Lustenberger & Dürst handelt seit 150 Jahren mit Käse. Sie ist die stille Nummer zwei des Schweizer Exports. Nicht weit von Emmi entfernt lässt sie in ihren Kellern tausende Tonnen Käse reifen.

Kaum ein Fahrzeug verirrt sich zu den grauen Hallen zwischen Cham und Rotkreuz. Die Wände sind kahl und grau. Selbst Nachbarn in der Langrüti wissen wenig darüber, was nebenan geschieht. Nur ein sanft schwebendes Milchbouquet in der Luft – wie ein vertrauter, warmer Raclettedunst –, verrät, dass hier Käse lagern muss. Aus einer kleinen Öffnung in der Nähe eines Eingangs verbreitet sich der Dampf. Ins Innere geht es mit weisser Schürze, desinfizierten Schuhsolen und blauer Schutzhaube. Der Weg führt direkt in einen Hotspot des Schweizer Käsehandels: «Rund 3'000 Tonnen Käse reifen hier auf den Holzbrettern aus», sagt die Sprecherin der Lustenberger & Dürst AG, Carmen Sanchez. Das Lager ist beeindruckend.

Seit 151 Jahren im Geschäft

Lustenberger & Dürst SA ist die vielleicht älteste Firma in der Gemeinde Hünenberg. Sie konnte letztes Jahr ihr 150-jähriges Bestehen feiern. Mitte des 19. Jahrhunderts gründete Maurice Lustenberger, Sohn eines Entlebucher Käsers namens Anton Lustenberger, das Unternehmen. Im Jahre 1894 kaufte er von George H. Page, dem Gründer der Anglo-Swiss-Condenced Milk Factory, aus der später die Weltfirma Nestlé hervorging, dessen Liegenschaft in der Langrüti in Hünenberg. 1920 erfolgte die Fusion mit den Gebrüdern Dürst aus Zürich. Seither lautet die Firmenbezeichnung Lustenberger & Dürst AG. 

Die Zuger Firma ist, was man in Wirtschaftskreisen gerne als «Hidden Champion» bezeichnet; ein weitgehend unbekanntes KMU, das mit seinem Geschäft an der Weltspitze mitmischt. Lustenberger & Dürst kauft Käse ein, lässt ihn ausreifen und verkauft ihn weiter. Es sind vor allem klassische AOC-Rohmilch-Sorten wie Emmentaler, Gruyère oder Sbrinz, die hier auf die Auslieferung warten. Ein riesiger Käseberg: «Pro Jahr sind es ungefähr 7'600 Tonnen, die von hier aus in 40 Länder exportiert werden», sagt Sanchez.

Sbrinz als teure Besonderheit

In den Reifungsräumen am Langrüti gilt der Grundsatz: Je tiefer, desto spezieller. Die schweren Emmentaler bleiben bis zu zwei Jahre lang im Keller. Zwischen den Holzregalen fahren Roboter, sie heben die 100 Kilogramm schweren Laibe, wischen und drehen sie, und legen sie sanft wieder in die Ablage. Sanchez erklärt: «Die Franzosen mögen kleinere Käse-Löcher, Italiener eher grössere. Emmentaler mit grösseren Löchern sind eine Spur süsser.»

Einen Stock tiefer zieht ein beissender Geruch durch die Gänge. «Gruyère ist ein Schmierkäse, der während des Reifeprozesses Amoniak freisetzt», sagt Sanchez. Die Stapel sind um die fünf Meter hoch. In den Räumen nebenan werden rund vier Fünftel dieser Spezalitäten für den Export geschnitten, verpackt und bereitgestellt.

Für den Innerschweizer Sbrinz hat Lustenberger & Dürst eigens eine spezielle Halle gebaut. «Sbrinz verbringt sehr viel Zeit im Keller. Mit vier Monaten kommt er an und frühestens nach anderthalb Jahren, oder gar erst nach drei Jahren, verlässt er die Reiferäume wieder», sagt Sanchez. Die lange Lagerzeit mache den Käse aber teurer.

Hinter Emmi die Nummer zwei

Nach der gerade einmal 20 Kilometer entfernten Emmi, die nach eigenen Angaben über die Hälfte der Schweizer Exporte für sich verbuchen kann, ist Lustenberger & Dürst die Nummer zwei der Schweiz. «Rund 70 Prozent unseres Jahresumsatzes von über 80 Millionen Franken machen wir mit Exporten. Damit zählt die Lustenberger & Dürst zu den grossen Käselieferanten der Welt», sagt Sanchez. Geliefert wird die Ware unter anderem von 50 Schweizer Käsereien, die mit Exklusiv-Verträgen für Lustenberger & Dürst arbeiten.

Die Export-Krise und die Frankenstärke der letzten Jahre hat auch die Lustenberger & Dürst zu spüren bekommen. Geschäftsführer und Verwaltungsratspräsident Richard Gander: «Die beiden Faktoren haben uns sehr viel Geld gekostet. Aber wir haben reagieren können und unsere Postition im Markt verteidigt.» «Wir handeln mit treuen Kunden in einem sehr stabilen Umfeld», sagt er.

Das Handelsklima für den Schweizer Käse ist derweil seit Jahren angenehm. Der Schweizer Export läuft vor allem mit den EU-Ländern gut. Dies dank der schrittweisen Öffnung gegenüber den EU-Märkten. Laut einer Evaluation des Bundesamtes für Landwirtschaft machten sich ab dem Jahr 2003 steigende Ausfuhrzahlen bemerkbar (in Franken ein Plus von 2 Prozent pro Jahr). Im Jahr 2011 wurden absolut 10’171 Tonnen mehr Käse als 2003 exportiert. Dessen erzielter Wert stieg während dieser Periode um 76 Millionen Franken.

Nur bei Aldi im Regal

Während die klassischen Käsesorten aus dem Hause Lustenberger & Dürst weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt sind, kennt die Firma in der Schweiz kaum jemand. Ausgenommen sind die Schweizer Kunden des Deutschen Detailhändlers Aldi. Dort finden sich Packungen mit fertig geschnittenen und geriebenen Käsesorten mit dem unscheinbaren Händler-Hinweis zu Lustenberger & Dürst in den Regalen. Aldi ist der einzige grosse Detailhändler, der die Produkte in der Schweiz verkauft.

Anders sieht es im Ausland aus. Dort wird das hauseigene Label mit der werbewirksamen Nationalflagge («LeSUPERBE») in Kaufhäusern wie dem «Harrods» in London, dem «Peck» in Mailand oder dem «Peninsula» in Hongkong angeboten.

Weitreichende Pläne

Die Zukunft des Hünenberger Unternehmens scheint langfristig gesichert zu sein. «Unser erklärtes Ziel ist es, mit unserem Konzept und Engagement am Markt weiterhin Erfolg zu haben», erklärt Richard Gander. «Dazu ist es notwendig, die bestehenden Märkte noch weiter zu penetrieren und Potentiale erkennen zu können». Auch die erfolgten Investitionen in die Infrastruktur des Unternehmens sollen sich langfristig auszahlen. Der von den Eigentümern geführte Betrieb fühle sich dem Standort Hünenberg mit seinen rund 80 Mitarbeitern verpflichtet. «Jeder Mitarbeitende soll in Zukunft unsere Produkte im Ladenregal sehen und stolz darauf sein», sagt Gander.

x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Mehr Wirtschaft