Schlummert wieder still vor sich hin: Der traditionelle Gasthof St. Wendelin in Wauwil. (Bild: wauwil-tourismus.ch)
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Schlummert wieder still vor sich hin: Der traditionelle Gasthof St. Wendelin in Wauwil. (Bild: wauwil-tourismus.ch)

Wirtepaar heizt Gerüchteküche an

5min Lesezeit

Nach nur sieben Monaten macht der traditionsreiche Gasthof St. Wendelin bereits wieder zu. Die erfolglosen Pächter machen die schlechte Stimmung in der Wauwiler Dorfbevölkerung zum Grund, dass im «Wändu» die Kundschaft ausgeblieben ist. Doch das Ganze scheint etwas schleierhaft.

Die neuen Pächter hielten nicht wirklich lange durch. Der traditionsreiche Gasthof St. Wendelin – der alte «Wändu» – macht zu. Nach nur sieben Monaten ist am nächsten Montag, 19. Oktober bereits wieder Schluss. Und in Wauwil verbreitete sich die Neuigkeit wie ein Lauffeuer: «Kaum sind wir eingezogen, verlassen wir den ‹Wändu› auch schon wieder», schreibt das Wirtepaar Silvia Villiger und Rolf Breidenbach auf der Webseite des Lokals. «Wir wären sehr gerne länger geblieben, aber leider konnten wir die Wauwiler nicht von uns und unserem Angebot überzeugen.» 

Was später im Abschiedstext folgt, erstaunt. Die Pächter Villiger und Breidenbach verabschieden sich mit den Worten: «Es kursierte und kursiert in der Wauwiler Bevölkerung das Gerücht, wir wollten das Restaurant Lamm übernehmen. Dem können und wollen wir entschieden entgegenhalten: Wir hatten nie die Absicht, das Lokal zu wechseln! (...) Doch wenn die Gerüchte erstmals kursieren, ist es schwer, ihnen Herr zu werden… .»

Wichtige Bedeutung für die Region

Kurios: In keinem Gasthof mit dem Namen «Lamm» weiss man von Übernahme-Absichten. Und spielen Gerüchte wirklich eine Rolle für die Schliessung? Ist schlechte Stimmungsmache in der Dorfbevölkerung Schuld, dass die Traditionsbeiz so früh wieder zu machen musste? Breidenbach und Villiger möchten auf Anfrage nichts dazu sagen. Auf der Suche nach Antworten scheint die Begründung des Wirtepaares seltsam. 

«Das Gerücht kursierte tatsächlich», sagt der Gemeindepräsident von Wauwil, Jakob Lütolf. Er bedauert die Schliessung des «Wändu» nach so kurzer Zeit. «Ich finde das merkwürdig, dass man jetzt den schwarzen Peter den Wauwilern zuschiebt.» Die Wauwiler Bevölkerung sei dem neuen Betrieb wohlwollend gegenübergestanden.

Und Kundschaft hätte eigentlich erwartet werden können. Das Gasthaus St. Wendelin hat eine wichtige Bedeutung für Wauwil und für die umliegende Region, sagt Lütolf. Es ist das einzige Restaurant im Dorf. Der «Wändu» ist ein wichtiger Treffpunkt für die Bevölkerung und wird von den Vereinen rund um das Dorf rege genutzt. «Wauwil nimmt die Schliessung sehr negativ war», so der Gemeindepräsident. 

Hohe Messlatte des Vorgängers

Offenbar sei der Funke nicht zu den Wauwilern übergesprungen. Lütolf kann nur mutmassen, an was es schlussendlich gelegen hat. «Sicher mussten die neuen Pächter in grosse Fusstapfen treten.» Vor dem Wirtepaar Villiger und Breidenbach führte der tamilische Koch Varathan Nithiyabhavanantham – genannt Varathan — den St. Wendelin. Varathan brachte es mit einem Mix aus bekannter traditioneller Schweizer Küche und exotischen Gerichten zu nationaler Bekanntheit. Im April verliess Varathan den St. Wendelin in Richtung Sursee. Im November eröffnet er dort ein neues Restaurant.

Das Wirtepaar Villiger und Breidenbach konnte die hohen Erwartungen der Wauwiler nicht erfüllen. «Der Vorgänger hatte die Messlatte relativ hoch angesetzt», so Lütolf. Dem stimmt auch der Besitzer des Gasthofs St. Wendelin, Alois Moser zu. Moser hatte das St. Wendelin im Jahr 2000 zusammen mit seinem Bruder Karl gekauft und insgesamt sieben Millionen Franken investiert: «Mit Varathan lief das Restaurant achteinhalb Jahre sehr gut». Nach dem Pächterwechsel im April blieben die Parkplätze des St. Wendelin leer.

«Bei Breidenbach und Villiger rentierte das Haus ganz einfach nicht», sagt Moser. Zur vermeintlich schlechten Stimmung in der Gemeinde sagt er: «Gerüchte gehen schnell um.» Auf den Betrieb und die Rendite hätte aber ein allfälliges «Dorf-Gschnorr» keine grosse Auswirkung gehabt. Dafür ging das Ganze zu schnell. «Es wurde bereits nach zwei Monaten klar, dass für Villiger und Breidenbach die Mietzinsen zu hoch sind.»

Mietzins beträgt 7'500 Franken

Die Umsätze der Pächter seien schon in den ersten Wochen massiv eingebrochen. Moser betont, das Preisniveau für das Haus sei fair und markgerecht. Der Mietzins betrage 7'500 Franken. Aktuell ist der Gasthof St. Wendelin zu diesem Preis wieder ausgeschrieben.

Trotz erneutem Nachfragen war von Silvia Villiger nicht zu erfahren, welcher «Gasthof Lamm» denn ursprünglich im Dorfgespräch gewesen sein soll. Eine laute und harsche Reaktion der «Wändu»-Chefin» war allerdings aus dem Hintergrund vernehmbar: «Kein Kommentar». 

Gerüchte bleiben Gerüchte. Wie erwähnt weiss man in den umliegenden «Lamm»-Gasthöfen nichts von Gesprächen und Übernahmen. In Menznau nicht, in Buholz nicht, in Richental nicht. Das erfolglose Wirtepaar nimmt Abschied und hat sich gemäss Webseite «nach reiflicher Überlegung entschieden, Wauwil zu verlassen».

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