Viele Bedürfnisse, Wünsche und Befürchtungen, die sich aber mehrheitlich decken. In der Teiggi hat der Mitwirkungsprozess begonnen. (Bild: Fabian Duss)
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Viele Bedürfnisse, Wünsche und Befürchtungen, die sich aber mehrheitlich decken. In der Teiggi hat der Mitwirkungsprozess begonnen. (Bild: Fabian Duss)

Gemeinschaftsplanung bei der Teiggi-Überbauung

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Nach dem Ja der Krienser Stimmbürger zur Umgestaltung des Dorfzentrums sollen auf dem Teiggi-Areal rund 50 Miet- und Eigentumswohnungen und Raum für etwa 20 Laden- und Geschäftslokale entstehen. Der Gestaltungsplan für das neue Quartier liegt vor. Ab Frühling 2016 soll gebaut werden. Gemeinsam mit den Mietinteressenten wird nun die Planung vorangetrieben.    

Fabian Duss

Rund 60 Personen fanden sich zum Start des Mitwirkungsprozesses in der Krienser Teiggi ein. Zum ersten von fünf Workshops eingeladen hatte die Baugenossenschaft Wohnwerk Luzern, die zusammen mit der neuen Eigentümerin des Areals, der Basler Stiftung Abendrot, das Projekt entwickeln wird.

Die Familien fehlen

Rar vertreten waren junge Erwachsene und Familien. Gerade Letztere sollen dereinst rund 30 Prozent der Teiggi-Bewohner ausmachen. «Es ist typisch für so ein Projekt, dass sich vor allem ältere Leute, die einen etwas weiteren Planungshorizont haben, an der Mitwirkung beteiligen», sagt Benno Zgraggen vom Wohnwerk-Vorstand. Im Workshop zeigte sich dann allerdings, dass auch den älteren Personen eine gute Altersdurchmischung ein grosses Anliegen ist.

Bis im September will die Planungskommission herausfinden, in welche Richtung das Projekt führen soll. «Es geht uns nicht um die Farbe der Küchenplättli, sondern um strategische Fragen», sagt Architekt und Wohnwerk-Präsident Harry van der Meijs. So will man sich bis im September über die Raumaufteilung im Klaren sein und die Grundlagen für ein Nutzungskonzept erarbeiten.

Bedürfnisse decken sich grössenteils

Eine grosse Herausforderung wird es, die richtige Balance zwischen privatem und gemeinschaftlichem Wohnen zu finden. Zumindest über die Waschküche waren sich die anwesenden Perseonen bereits einig. Sie soll gemeinsam genutzt werden, ist sie doch ein wichtiger Ort für sozialen Austausch. Ob mehrere Bewohner aber eine Grossküche teilen sollen, ist deutlich umstrittener. Eindeutig ist wiederum das Bedürfnis nach multifunktionalen Räumen. Wo sich morgen Kinder im Hort austoben, könnte abends Tanzunterricht stattfinden, oder ein Theater vorgeführt werden. Dies erlaubt nicht nur eine bessere Ausnützung der Räumlichkeiten, sondern senkt auch die Mietpreise für die einzelnen Parteien.

So etwa für die finanzschwache Spielgruppe «Papagei», die fremdsprachige Kinder auf den Schulstart vorbereitet, dafür zurzeit die Teiggi zwischennutzt und in der neuen Überbauung gerne wieder einen Platz fände.

Auch ein Bedürfnis nach zumietbaren Lagerräumen oder kollektiv nutzbaren Gästezimmern wurde in den Diskussionen deutlich. «Diese Fragen gilt es nun zu klären», sagt Zgraggen. «Je genauer wir derlei in den nächsten Monaten ausdiskutieren, desto klarer wird der Auftrag an die Architekten und desto effizienter können sie nachher arbeiten.» Der vorhandene Konsens über die Bedürfnisse und Befürchtungen der zukünftigen Mieter ist daher für die Planungskommission positiv zu werten. Auch wenn der Teufel wie so oft im Detail liegen dürfte.

Zahlbare Mieten

Dass die geplanten Wohnungen in der Teiggi auch für mittelständische Familien bezahlbar sein müssen, ist den Genossenschaftern bewusst. «Unser Ziel ist, dass eine 4,5-Zimmerwohnung in den Neubauten etwa 2'000 Franken pro Monat kostet», erklärt Harry van der Meijs. Trotzdem ist das für eine vierköpfige Familie nicht gerade billig.

«Wer neu baut, kann nicht billig bauen», erläutert Benno Zgraggen, «vor allem wenn die Bausubstanz wertvoll und nachhaltig werden soll.» Viele Workshop-Teilnehmer zeigten Offenheit für solidarische Mietmodelle, um weniger bemittelten Familien etwa in Form eines Fonds unter die Arme zu greifen. Besonders wichtig ist den am Workshop anwesenden Personen, dass die Mietpreise stabil bleiben.

Die Genossenschaft wird das fertige Objekt dereinst mittels eines Globalmietvertrags anmieten und selber verwalten. Ob sie sich als Mieteigentümerin an den Gesamtinvestitionen von rund 44 Millionen Franken beteiligen wird, müssen die Genossenschafter in den nächsten Monaten entscheiden. Der Vorstand befürworte eine rund 20-prozentige Beteiligung, wie Zgraggen sagt, denn dadurch würde auch die Globalmiete sinken.

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