Viele Firmen bedeutet nicht automatisch viele Arbeitsplätze. In der Stadt Zug waren per Ende 2013 rund 15'000 Firmen registriert. (Bild: zvg Facebook Stadt Zug)
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Viele Firmen bedeutet nicht automatisch viele Arbeitsplätze. In der Stadt Zug waren per Ende 2013 rund 15'000 Firmen registriert. (Bild: zvg Facebook Stadt Zug)

8'000 Firmen ohne Angestellte?

5min Lesezeit

Dass die Stadt Zug viele Firmen beheimatet, ist nichts Neues. Rund 15'000 waren per Ende 2013 im Handelsregister eingetragen. Neue Zahlen zeigen jetzt aber: Mehr als die Hälfte dieser Firmen sind keine Arbeitsstätten. zentral+ folgt den Spuren zweier Zahlen, die selbst in Bundesbern für Vewirrung sorgten.

Der Kanton und die Stadt Zug sind beliebte Standorte für Firmen. In der Stadt Zug waren per Ende 2013 rund 15'000 Firmen (genau waren es 14'984) eingetragen, wie das Handelsregister des Kantons auf Anfrage mitteilt. Etwas anschaulicher ausgedrückt: Auf jeden zweiten Einwohner der Stadt kommt eine Firma – Zug hat rund 28'000 Einwohner. Das heisst aber nicht, dass sie alle auch Angestellte haben, wie eine neue Statistik zeigt.

Das im April veröffentlichte statistische Jahrbuch des Schweizerischen Städteverbands liefert Zahlen, die neue Aussagen zur Struktur der Zuger Wirtschaft zulassen. In der Stadt Zug zählen von den rund 15'000 registrierten Firmen nur 6'973 als Arbeitsstätten. Heisst das, dass rund 8'000 Unternehmen in der Stadt Zug gar keine Mitarbeitende beschäftigen?

Neue STATENT-Erhebung

Die Erhebungen über die Strukturen der in der Schweiz ansässigen Unternehmen und Arbeitsstätten werden mit neuen Methoden unter dem Namen STATENT erhoben. 2011 führte das Bundesamt für Statistik (BFS) eine Erhebung basierend auf Registerdaten ein. Die Daten stammen aus Registern der Auslgeichskassen (AHV/IV/EO) sowie aus Unternehmens- und Betriebsregistern des BFS.

Das bedeutet laut BFS: «Die jährliche STATENT-Erhebung informiert über die Unternehmen und die Beschäftigen, die der AHV-Beitragspflicht unterstehen (Unselbstständig- und Selbstständigerwerbende, deren Jahreseinkommen mindestens 2'300 Franken beträgt.)»

Laut BFS erfasst STATENT «alle öffentlichen und privaten Unternehmen und Arbeitsstätten der Landwirtschaft, der Industrie, des Gewerbes und des Dienstleistungssektors.» STATENT soll Basisinformationen zur Wirtschaftsstruktur liefern und einen Überblick über die Wirtschaftslandschaft der Schweiz ermöglichen.

Ein Definitionsproblem mit Aussagekraft

Eine erste Vermutung zur Ursache dieser Differenz von knapp 8'000 kann ziemlich schnell verworfen werden. Nämlich der Verdacht, dass das Handelsregisteramt auch jene Unternehmen mitzählt, die gar nicht mehr aktiv sind, aber dennoch im Register weiterhin auftauchen. Bernhard Häusler, der stellvertretende Leiter des Handelsregisteramts des Kantons Zug, bestätigt das Gegenteil: «Bei der angegebenen Zahl von rund 15'000 handelt es sich um aktive Firmen, das heisst, nicht gelöschte.»

Auf die Anfrage, was die Differenz denn bedeutet, sagt Häusler: «Diese Eintragungen im Handelsregister sagen nichts darüber aus, wieviele Arbeitsstätten oder Betriebe gemäss STATENT in der Stadt Zug eingetragen sind.» Es handle sich um ein Definitionsproblem, zur STATENT könne er keine Auskunft geben. STATENT ist der Name der Erhebung (siehe Box), die das Bundesamt für Statistik (BFS) durchführt. Die meisten Zahlen für das Jahrbuch des Schweizerischen Städteverbands liefert das BFS.

Also führt der zweite Versuch, eine Erklärung zu finden, zum Bundesamt für Statistik (BFS). Dort sorgt die Differenz zwischen den beiden Zahlen zunächst für Verwirrung. Sam Banatte von der Abteilung Wirtschaftsstruktur und Analyse fragt erstaunt: «Sind Sie sicher, dass Sie nicht von der Anzahl Firmen im gesamten Kanton sprechen?».

«Sind Sie sicher, dass Sie nicht von der Anzahl Firmen im gesamten Kanton sprechen?»

Sam Banatte, Bundesamt für Statistik

Die Abklärungen zeigen: Wie Häusler vom Handelsregisteramt schon sagte, unterscheiden sich die beiden Zahlen aufgrund der unterschiedlichen Definitionen, die den Erhebungen zu Grunde liegen. Sam Banatte vom BFS sagt: «Die Haupterklärung für den Unterschied zwischen den beiden Zahlen liegt darin, dass das Bundesamt für Statistik nur jene Unternehmen berücksichtigt, die Angestellte haben und Saläre auszahlen.» Das Handelsregisteramt hingegen erfasst alle. Deshalb «fehlen» bei der Erfassung durch STATENT rund 8'000 Unternehmen der Stadt Zug.

Eine Firma ist noch lange keine Arbeitsstätte

Die vom BFS für die Erhebung angewandte Methode namens STATENT berücksichtigt nur die sogenannten «Arbeitsstätten». Laut Jahrbuch des Schweizerischen Städteverbands entspricht eine Arbeitstätte «einem Unternehmen oder einem Teil des Unternehmens, das sich an einem bestimmten Ort befindet. Dort führen eine oder mehrere Personen Tätigkeiten für dasselbe Unternehmen aus. In der STATENT wird eine Einheit statistisch erfasst, sobald sie für sich selber oder für ihre Beschäftigten AHV-Beiträge bezahlt.»

«Das Bundesamt für Statistik berücksichtigte nur jene Unternehmen, die Angestellte haben und Saläre auszahlen.»

Sam Banatte, Bundesamt für Statistik

zentral+ wollte wissen, ob das bedeutet, dass alle übrigen Unternehmen – das heisst, die rund 8'000 – sogenannte Briefkastenfirmen sind. Sam Banatte vom BFS erklärt, wie sich die Zahl 8'000 zusammensetzt und weshalb diese Firmen nicht in STATENT berücksichtigt werden: «Es handelt sich bei 2'693 Firmen um Briefkastenfirmen.» Kapitalgesellschaften zum Beispiel seien zwar monetär und steuerlich aktive Firmen, normalerweise hätten sie aber keine Arbeitsstellen.

Weitere rund 2'700 Firmen werden als «stellenlos» bezeichnet. Diese unterscheiden sich von den sogenannten Briefkastenfirmen darin, dass sie gänzlich ohne Tätigkeiten sind. Zum Beispiel Depots oder Lagerstätten. Sie werden deshalb als nicht aktive Firmen bezeichnet.

Ausserdem fügt Banatte hinzu: «Gewisse Firmen, die 2011 ins Handelsregister eingetragen wurden, jedoch ihre Aktivität erst 2012 aufnahmen, sind in STATENT ebenfalls nicht erfasst. Dies sind 1'219.» Die von den 8'000 noch übrig bleibenden 1'350 befinden sich laut BFS in Liquidation oder in einer Konkurssituation.

Die 1'219 neuen Firmen und die 1'350 Firmen in Liquidation abgerechnet, heisst das, dass mindestens 5'431 Firmen nicht einen einzigen Angestellten in der Stadt Zug beschäftigen.

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