Wird die bisherige Nummer 3 die neue Nummer 1 des FC Luzern? Loïc Jacot arbeitet im FCL-Trainingslager in Spanien. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)
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Wird die bisherige Nummer 3 die neue Nummer 1 des FC Luzern? Loïc Jacot arbeitet im FCL-Trainingslager in Spanien. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Hat Häberli den Mut, ein unerfahrenes Talent zur Nummer 1 zu machen?

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Wer wird den altgedienten David Zibung (35) als neuen Stammgoalie beim FC Luzern ablösen? Es ist der bisher wohl heikelste Personalentscheid, den Thomas Häberli in seiner noch jungen Karriere als Cheftrainer fällen muss.

Die FCL-Exponenten erwähnen es gerne und bei jeder Gelegenheit: Sie haben sich die identitätsstiftende Nachwuchsförderung auf die Fahne geschrieben. Und weil die Vargas', Vocas und Sidlers zum Stamm des Super-Ligisten gehören, ist das nicht bloss ein Lippenbekenntnis.

Wäre ein konsequentes Nachziehen der eigenen Hochbegabten die einzige Massgabe in der Torhüter-Frage, so ist klar: Die neue Nummer 1 wird entweder der von Neuchâtel Xamax definitiv übernommene Loïc Jacot (19), bisher die Nummer 3 hinter Zibung und dem vom FCL gewogenen, aber für zu leicht befundenen Mirko Salvi. Oder aber Simon Enzler (21), der in der abgelaufenen Rückrunde zum Ligaerhalt des Challenge-Ligisten Kriens beigetragen hat. Beide warten noch auf ihre Premiere in der Super League.

Die Auswirkung auf Häberlis Jobsicherheit

Aber so simpel scheint die Geschichte nicht abzulaufen. Denn die Antwort auf die Goalie-Frage hat nicht nur massgeblichen Einfluss auf das sportliche Wohl der Luzerner in der am 20. Juli beginnenden Meisterschaft 2019/20. Sondern auch auf die Jobsicherheit des Trainers. Ein unerfahrener Schlussmann mag das Risiko auf schmerzhafte Punktverluste erhöhen, und das kann den FCL ins Elend stürzen. In einer hinter den Liga-Dominatoren YB und Basel sehr ausgeglichenen Zehnerliga geht das ziemlich zügig. Und eine Krise lässt als Erstes den Trainerstuhl wackeln.

Darum lautet die Frage: Hat der mit einem Vertrag bis zum Ende der nächsten Saison ausgestattete Thomas Häberli den Mut, ein unerfahrenes Talent zur Nummer 1 zu machen?

Weil er in den Ferien weilt, war er für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Darum gilt nach wie vor, was FCL-Sportchef Remo Meyer in den Tagen nach dem Saisonende verkündet hat: Vielleicht werde auch ein neuer Goalie verpflichtet (zentralplus berichtete).

Warum wurde Jacot nicht schon getestet?

Aber können Jacot oder Enzler überhaupt die Nummer 1 sein? Beide entsprechen sie der gängigen Vorstellung eines modernen Goalies. Jacot misst 1,91 Meter, Enzler 1,87. Ein FCL-Insider sagt: «Ich traue beiden den Sprung zu. Jacot verfügt auch über ein gutes Passspiel.» Allerdings verstehe er nicht, warum man bei der qualitativen Einschätzung der beiden Talente nicht schon einen Schritt weiter ist. «Dass Zibung keine Option mehr für nächste Saison sein kann, hat sich in der Rückrunde früh abgezeichnet. Aber warum hat man da nicht mal Jacot getestet?»

Seit der abgelaufenen Rückrunde die Nummer 1 des SC Kriens: Auch Simon Enzler hat Chancen, neuer Stammgoalie beim FCL zu werden.
Seit der abgelaufenen Rückrunde die Nummer 1 des SC Kriens: Auch Simon Enzler hat Chancen, neuer Stammgoalie beim FCL zu werden. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Eine berechtigte Frage. Schliesslich muss die neue Nummer 1 der Luzerner nicht nur qualitativ auf der Höhe sein. Sie muss auch Nervenstärke besitzen und einen Nackenschlag in Form eines haltbaren Gegentreffers vor aller Augen im Stadion cool wegstecken können. Der Druck vor mehreren Tausend Zuschauern ist um einiges grösser als in einer der unteren Ligen. Selbst der aktuelle FCB- und frühere FCL-Goalie Jonas Omlin musste seinerzeit nach einer verpatzten Hauptprobe den Umweg über die Challenge League gehen, bis er das Rüstzeug für eine schöne Karriere beisammenhatte.

Funktioniert Häberli konservativ?

Lassen sich aus dem FCL-Saisonfinish Rückschlüsse über die Funktionsweise von Häberli ziehen? Es gibt Hinweise auf eine konservative Denkweise. Zum Beispiel nach dem Motto: Routine vor Talent. Darum Zibung vor Jacot. Vielleicht traut Häberli dem Talent aber schlicht und einfach nicht zu, die neue Nummer 1 werden zu können.

Eine konservative Denkweise wird aber auch dadurch dokumentiert, dass Häberli seit seinem Jobantritt stets im 4-2-3-1-System und mit dem fast immer gleichen FCL-Personal angetreten ist. Eine Haltung, die wahrscheinlich durch die latente Barrage-Gefahr akzentuiert wurde.

Einen zweiten Fehlgriff darf es nicht geben

Klar ist aber auch: Verpflichtet der FCL einen neuen Goalie, muss er in der höchsten Liga der Schweiz «verheben» und bezahlbar sein. Torhüter dieses Formats wachsen aber nicht auf den Bäumen. Und sie haben neben dem FCL stets weitere Optionen. Zudem: Vor dem Hintergrund eines begrenzten Transferbudgets wäre ein zweiter FCL-Fehlgriff nach Mirko Salvi erst recht zum Fenster hinausgeworfenes Geld.

Eine Neuverpflichtung würde aber auch bedeuten, dass Jacot und Enzler bis zum absehbaren Rücktritt von David Zibung im nächsten Frühjahr ihre Karriere beim FCL hinten anstellen müssen. Was das für ihre sportliche Weiterentwicklung und ihre berufliche Zukunft bedeutet, würde sich erst weisen müssen.

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