FCL-Shootingstar hat sich erstmals beim Schweizer Nationalcaoch Vladimir Petkovic empfehlen dürfen. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)
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FCL-Shootingstar hat sich erstmals beim Schweizer Nationalcaoch Vladimir Petkovic empfehlen dürfen. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

So kann der FCL-Shootingstar vom ersten Nati-Aufgebot profitieren

6min Lesezeit

Sie sind eine echte Rarität: Gebürtige Luzerner, die im FCL-Dress für die Schweizer Nationalmannschaft aufgeboten werden. Vor Ruben Vargas war Alain Wiss der Letzte, der diesen Sprung schaffte. Der 28-jährige Littauer erzählt, was ihn vor sieben Jahren am meisten beeindruckte.

Es war gegen Ende Mai 2012. Damals hatte noch Ottmar Hitzfeld das Sagen im Schweizer Nationalteam. Der FC Luzern hatte eben die Meisterschaft hinter dem FC Basel und vor YB auf Platz 2 abgeschlossen und den Cupfinal im Penaltyschiessen gegen die Bebbi verloren. In diesen Tagen flatterte dem damaligen FCL-Spieler Alain Wiss sein erstes Nati-Aufgebot ins Haus.

Und er bekam bei erstbester Gelegenheit auch Auslauf: Am 26. Mai wurde der defensive Mittelfeldspieler beim 5:3 gegen Deutschland in Basel eine Minute vor Schluss für Granit Xhaka eingewechselt. Vier Tage später, beim 0:1 gegen Rumänien in Luzern, bekam Wiss 14 weitere Minuten Einsatzzeit. Es blieben seine einzigen Einsätze für die Schweizer A-Nationalmannschaft.

Die Spritzigkeit Shaqiris imponierte Wiss

Dennoch war es für ihn ein Erlebnis, das sich in seinem Gedächtnis eingebrannt hat. «Als ich zum ersten Mal mit der Nati mittrainieren durfte und dabei sah, wie spritzig ein Xherdan Shaqiri ist, dachte ich: Oh, mein Gott!»

«Mir ist das Level der Arrivierten extrem eingefahren.»

Alain Wiss, Ex-Natispieler des FC St. Gallen

Was sich der Anfang Monat für den Nati-Zusammenzug aufgebotene Ruben Vargas dachte, als er die Akanjis, Zubers und Zakarias im Verlaufe dieser Woche bei der täglichen Arbeit sah, ist nicht überliefert. Obwohl der 20-jährige FCL-Flügel nicht mit der Schweiz am Final-Four-Turnier der Nations League in Portugal teilnehmen und stattdessen die U21-Auswahl am Freitag im Testspiel gegen Slowenien (19 Uhr, Brügglifeld in Aarau) bereichern wird, ist die erste Erfahrung im Kreis der Nati laut Wiss eine wertvolle. «Mir ist das Level der Arrivierten extrem eingefahren. In den Trainings erkennst du, in welchen Bereichen du dich verbessern musst, um überhaupt auf dieses Level zu kommen und es jahrelang zu halten.»

Gut für die Visitenkarte

Natürlich macht sich ein Aufgebot für die Schweizer Auswahl auch gut auf der Visitenkarte. Gelegentlich werde er heute noch auf die Tage im Mai vor ziemlich genau sieben Jahren angesprochen, sagt Wiss.

«Wenn Vargas den Sprung ins Ausland schaffen will, muss er sich in den engeren Kreis der Nati arbeiten.»

Alain Wiss, Ex-Nati-Spieler des FC St. Gallen

«Ich freue mich sehr für Ruben, dass er Nati-Luft schnuppern durfte. Das Aufgebot kam für ihn im richtigen Moment. Wenn er den Sprung ins Ausland schaffen will, ist es wichtig, dass er sich in den engeren Kreis der Nati arbeitet.» Wiss erinnert sich noch genau daran, wie aufgeregt er beim Zusammenzug gewesen sei. «Das war extrem», sagt er schmunzelnd und ergänzt: «Mit Jonas Omlin hat Vargas ja einen früheren Teamkollegen, der ihm zeigen kann, wie das geht mit den Abläufen in der Nati.»

Wiss hätte mehr machen können und müssen

Zwar hat Wiss 2012 noch das Olympia-Turnier mit der Schweiz in Grossbritannien bestreiten dürfen, doch für eine Karriere auf internationaler Ebene reichte es ihm nicht. Er habe Glück gehabt, dass eines der zwei damaligen Länderspiele in Luzern ausgetragen wurde, sagt er. Sonst wäre er laut eigener Einschätzung wohl kaum zum Zuge gekommen.

Aber Wiss mag gleichzeitig auch nicht verschweigen, dass «ich für eine internationale Laufbahn mehr hätte machen können und müssen». Vielleicht hätte es selbst mit mehr Biss und Fleiss nicht geklappt. Denn auf seiner Position im defensiven Mittelfeld gibt es in der Schweiz seit Jahren ein starkes Überangebot. «Man darf sich auch nichts vormachen: Xhaka, Behrami, Lustenberger und Schwegler hatten mehr Qualität als ich», bemerkt er, der seit 2015 beim FC St. Gallen unter Vertrag steht.

Er war 2012 der letzte Luzerner, der damals im Trikot des FC Luzern den Sprung ins Nationalteam schaffte: Heute spielt Alain Wiss für den FC St. Gallen.
Er war 2012 der letzte Luzerner, der damals im Trikot des FC Luzern den Sprung ins Nationalteam schaffte: Heute spielt Alain Wiss für den FC St. Gallen. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Bei Vargas sieht die Situation anders aus. Die Schweiz ist auf den Flügeln nicht so breit besetzt und kann flinke Spieler, die sich im Eins-gegen-eins durchsetzen können, gut gebrauchen. Zudem kann Vargas eine gefährliche Situation instinktsicher antizipieren. Das hat ihn, der beim FCL noch einen gültigen Vertrag bis 2022 besitzt und laut Sportchef Remo Meyer innerhalb der Schweiz nicht transferiert werden wird (zentralplus berichtete), zu einem Leistungsträger reifen lassen. Dennoch muss Vargas den Nachweis, dass er sich auch auf der grössten Bühne des Fussballs durchsetzen kann, noch liefern.

Spezialtrainings für Wiss in Luzern

Wiss geniesst derzeit Ferien in Nordamerika. Danach wird er eine Woche in Luzern verbringen, um Spezialtrainings zu absolvieren. Sie dienen ihm dazu, einen weiteren Schritt in seinen Comeback-Bemühungen zu machen. In einem Testspiel während des Trainingslagers mit dem FC St. Gallen im Januar riss das Kreuzband im linken Knie. «Bisher läuft alles gut. Ich hatte noch nie Schmerzen», hält Wiss fest.

Die Ostschweizer hatten ihn 2015 vom FCL übernommen und verlängerten seinen auslaufenden Vertrag um ein halbes Jahr bis zur nächsten Winterpause, damit Wiss während der Reha nicht ohne Arbeitgeber dasteht. Mit seiner Rückkehr wird frühestens im Oktober gerechnet.

Vielleicht hat Vargas bis dahin seinen Einstand unter Vladimir Petkovic schon hinter sich.

 

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