FCL-Präsident Philipp Studhalter sieht die Luzerner als dritte Macht in der Super League. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)
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FCL-Präsident Philipp Studhalter sieht die Luzerner als dritte Macht in der Super League. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

FCL-Präsident Studhalter: «Man spürt unser Profil noch nicht»

8min Lesezeit

Mit 46 Punkten aus 36 Spielen hat der FC Luzern die abgelaufene Saison auf Rang 5 beendet. Mehr Kopfzerbrechen als die Punkteausbeute bereitet der seit vier Jahren anhaltende Zuschauerschwund. Erstmals seit Eröffnung der Swissporarena 2011 liegt der Schnitt unter 10'000 Zuschauern pro Heimspiel. Dazu nimmt FCL-Präsident Philipp Studhalter Stellung.

Bernhard Alpstaeg, mit 52 Prozent Mehrheitsaktionär der FCL-Holding, hat sich Hilfe organisiert. Er lässt sich ab dem 1. Juli in strategischen Fragen von Bernhard Heusler beraten. Dieser war Präsident während der bisher erfolgreichsten Zeit in der Vereinsgeschichte des FC Basel.

Das Mandat kann als Hinweis dafür verstanden werden, dass sich Alpstaeg Sorgen macht um die schwindenden Zuschauerzahlen in der Swissporarena und die fehlende DNA des FC Luzern (zentralplus berichtete). Gegenüber der Vorsaison setzte es bei der durchschnittlichen Zuschauerzahl ein Minus von 687 Besuchern ab.

zentralplus: Philipp Studhalter, Bernhard Heusler wird den FCL ab nächster Saison in strategischer Hinsicht beraten. Macht dieses Engagement deutlich, wie gross die Not und Ratlosigkeit beim FCL ist, was Identifikation und Profil betrifft?

Phiilipp Studhalter: Ich möchte klarstellen, dass ihn nicht der FCL, sondern Bernhard Alpstaeg beigezogen hat. Sie haben sich kennengelernt, wir waren als Klubpräsidenten miteinander verbunden. Die Erfahrung und das Know-how von Bernhard Heusler bedeuten einen Mehrwert für uns. Wenn ich sehe, welche Schlussrangierungen der FCL in den letzten Jahren erarbeitet hat, dann würde ich nicht von einer Not reden. Durchschnittlich Platz 3, wo ist da die Not?

zentralplus: Die Not liegt darin, dass das Produkt FC Luzern in den letzten Jahren an Attraktivität verloren hat. Das belegen die sinkenden Zuschauerzahlen. Eine Umfrage nach den entsprechenden Gründen unter unseren Lesern hat ergeben, dass 38 Prozent finden, der FCL spiele zu wenig attraktiv und erfolgreich. Als Zweites folgten die Ticketpreise. Das ist eine deutliche Aussage und zeigt, dass doch nicht alles so schön ist.

Studhalter: Wir sind Fünfter geworden, vor zwei Wochen haben wir uns noch mit der Barrage auseinandersetzen müssen und bis am Samstag haben wir noch von Rang 3 und der Qualifikation für die Gruppenphase der Europa League geträumt. Es muss aber Nachhaltigkeit entstehen. Punkto Attraktivität wäre es mir natürlich lieber, wir würden zu Hause so stark auftreten, wie wir das über die gesamte Saison hinweg auswärts getan haben. Aber das lässt sich nicht planen. Es muss eine Stabilität reinkommen ins Team. Deshalb hoffe ich darauf, dass das Kader für die nächste Saison zusammenbleiben wird. In dieser Mannschaft stimmt die Aufopferungsbereitschaft. Denn wenn wir zu Hause gewonnen haben, dann richtig zünftig.

zentralplus: Und was sagen Sie zu den Ticketpreisen?

Studhalter: Wir haben Rahmenbedingungen in Luzern, denen wir Rechnung tragen müssen. Die Preisabschläge, die wir für nächste Saison auf der C-Tribüne vornehmen, gehen ins Geld. Und das müssen wir kompensieren. Es ist ein Irrglaube, zu meinen, dass ein tieferer Eintrittspreis mehr Zuschauer generieren wird. Das Produkt muss stimmen.

«Zufälle sind Teil der Übung und für die Führung eine Herausforderung, ruhig und stabil zu bleiben».

zentralplus: Aber stimmt es auch? Das sportliche Abschneiden des FCL wirkte so, als basiere vieles auf Zufälligkeiten. Grandios im Cup-Viertelfinal gegen YB, dann das 0:1 im Halbfinal gegen Thun.

Studhalter: Zufälle sind Teil der Übung und für die Führung eine Herausforderung, ruhig und stabil zu bleiben. Wenn wir uns in der Führung auch zu dieser Volatilität hinreissen liessen, dann könnten wir aufhören. Gegen Thun erbrachten wir überhaupt keine schlechte Leistung, das war bloss Pech, Pech, Pech.

zentralplus: Trotzdem zieht das Produkt FCL immer weniger. Bei der wichtigsten Währung, die ein Sportverein mit Profibetrieb haben kann, sinken die Zahlen. Nämlich bei den Zuschauern. 

Studhalter: Erstens sind wir Fünfter geworden und zweitens nach YB und Basel die dritte Macht in der Schweiz. Wir haben einen leichten Zuschauerrückgang, aber der lässt sich rational erklären: Wir hatten zwei Spielverschiebungen, wir hatten mit den Fans so viele Zwischenfälle gehabt wie in den letzten acht Jahren nicht. Wir sind bei fast 700 Zuschauern weniger gegenüber dem Vorjahr, ja, das ist so. Letztlich müssen für einen Matchbesucher die Leistungen der ersten Mannschaft und das Erlebnis ins Zentrum stehen.

zentralplus: Aber der Zuschauerrückgang dauert nun schon die vierte Saison an. In dieser Zeit hat der Verein einen Schwund von rund 2000 Zuschauern hinnehmen müssen. Das sind in etwa 20 Prozent.

Studhalter: Es ist naiv und realitätsfremd, den Anfangshype ums neuerbaute Stadion als Referenz herbeizuziehen.

zentralplus: In der ersten FCL-Saison in der Swissporarena waren es 14'000 Zuschauer im Schnitt. Unsere Zahl bezieht sich aber auf die fast 11'300 in der Spielzeit 2015/16.

Studhalter: Aber das sind doch Entwicklungen, die auch in der Liga zu beobachten sind. Im gesamtschweizerischen Vergleich sind wir ja noch immer top. Gerade auch, was die Auslastung des Stadions betrifft.

zentralplus: Gemäss offizieller Statistik hat der FCL eine Auslastung von 55,1 Prozent und ist damit auf Rang 6 von 10 Konkurrenten.

Studhalter: Für mich sind es 60 Prozent, da haben andere Klubs massivere Einbussen erlebt als wir (Anm. d. Red.: Mit 1052 respektive 816 Zuschauern weniger mussten bloss Absteiger GC und Sion einen grösseren Zuschauerschwund als der FCL mit 687 hinnehmen).

zentralplus: Aber hilft dies dem FCL weiter?

Studhalter: Klar, wir müssen als FCL unseren Weg gehen, unsere Mannschaft mit den jungen Innerschweizern weiterentwickeln und nachhaltige Werte erzielen. Wir müssen aber auch auf Ligaebene unsere Rahmenbedingungen stets überarbeiten. Wir müssen uns gerade jetzt, wo wir einen neuen TV-Vertrag vorbereiten, gut überlegen, wo unsere Stärken und Schwächen sind, damit unser Produkt wieder zieht.

«Wir haben ein stärkeres Profil als viele andere Super-League-Klubs».

zentralplus: Glauben Sie, dass das Profil des FCL genug geschärft ist, damit man als Aussenstehender erkennen kann, wofür der FC Luzern steht?

Studhalter: (überlegt). Ich glaube, man spürt es noch nicht. Man spürt eine Entwicklung, aber wir sind noch lange nicht am Ziel. Mit der «Vision 2021» haben wir eine Orientierungshilfe bekommen, aber jetzt müssen wir diese noch mit Inhalten füllen. Da könnten wir weiter sein. Das muss jedoch von oben nach unten getragen werden, vom Trainer der ersten Mannschaft bis zu jedem Nachwuchscoach. Man kann sagen, dass wir noch nicht viel erreicht haben, aber man kann nicht sagen, dass wir noch nichts gemacht haben. Es entwickelt sich, doch braucht es noch seine Zeit. Wir haben ein stärkeres Profil als viele andere Super-League-Klubs.

zentralplus: Was genau verstehen Sie unter Profil?

Studhalter: Ein roter Faden in der Kommunikation, zum Beispiel dahingehend, dass wir auf Nachwuchs setzen, eigene Spieler fördern, dass der Cheftrainer sich traut, auf den eigenen Nachwuchs in der ersten Mannschaft zu setzen. Dazu gehört auch, keine Spieler an Liga-Konkurrenten abzugeben. Und dazu gehört auch das Erlebnis mit dem Stadion. Man spürt, dass es bei uns in die richtige Richtung geht.

Lesen Sie im zweiten Teil des Interviews mit Philipp Studhalter, was der FCL-Präsident über das Profil seiner wichtigsten Mitarbeiter denkt (folgt).

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