Die GC-Fans klettern am vorletzten Sonntag über die Begrenzung ihres Sektors in der Swissporarena und sorgen später für einen Spielabbruch. (Bild: ain)
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Die GC-Fans klettern am vorletzten Sonntag über die Begrenzung ihres Sektors in der Swissporarena und sorgen später für einen Spielabbruch. (Bild: ain)

«Die Sicherheit der Spieler und Zuschauer war nicht mehr gewährleistet»

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Nach dem 0:4 aus Sicht der Grasshoppers und dem damit definitiv feststehenden Abstieg in die Challenge League kam es zur Eskalation: GC-Fans überwanden die Begrenzung ihres Sektors in der Swissporarena und stellten sich am Spielfeldrand auf. Für den FCL dürfte aus dem 4:0 ein 3:0-Forfait-Sieg werden.

Spätestens in der 68. Minute war ihnen das, was ihre Mannschaft an diesem Sonntagnachmittag ablieferte, offensichtlich unerträglich geworden. Die GC-Fans kletterten über die Abschrankung, die den Sektor der Gäste einzäunt, und stellten sich laut skandierend am Spielfeldrand auf. Eine Drohkulisse, die sie ohne den Einsatz von Pyromaterial aufbauten.

Spielleiter Alessandro Dudic unterbrach auf Hinweis des 4. Offiziellen die Partie beim Stand von 4:0 für den FC Luzern, die beiden Mannschaften versammelten sich zu ihrer Sicherheit vor der Haupttribüne und dem Zugang zu den Katakomben.

Die vom Heimklub gestellten Stewards postierten sich vor dem Gästesektor. Doch davon liessen sich die GC-Fans nicht wirklich beeindrucken. Weitere überwanden die Begrenzung.

Polizei marschiert im Stadion auf

Nachdem Dudic die beiden Mannschaften in die Garderobe pfiff, marschierten fünf Minuten später mit Schlagstöcken bewaffnete Polizeibeamte im Kampfanzug auf – dies unter wohlwollendem Applaus der Sitzplatzzuschauer.

Die herbeigerufene Polizei hat sich hinter den FCL-Stewards aufgestellt, um einen Platzsturm zu verhindern.
Die herbeigerufene Polizei hat sich hinter den FCL-Stewards aufgestellt, um einen Platzsturm zu verhindern. (Bild: srf)

«Mit der zweiten Intervention durch die Polizei sendeten wir das Signal, dass keiner auf den Platz stürmen kann», hiess es von Seiten des FCL. Die Polizeikräfte beschränkten sich lediglich darauf, Präsenz zu markieren, um die Situation nicht eskalieren zu lassen.

GC-Captain Heinz Lindner, Medienchef Christian Künzli und Präsident Stephan Rietiker besprechen sich am Ort des Geschehens.
GC-Captain Heinz Lindner, Medienchef Christian Künzler und Präsident Stephan Rietiker besprechen sich am Ort des Geschehens. (Bild: srf)

In der Zwischenzeit versuchten GC-Captain Heinz Lindner, Präsident Stephan Rietiker und Medienchef Christian Künzli die eigenen Fans, die schon Mitte März dieses Jahres für einen Spielabbruch in Sion besorgt waren, im Gespräch zur Räson zu bringen. Doch als sie Minuten später wieder von dannen zogen, war die Situation nach wie vor nicht bereinigt. Die Fans waren nicht dazu zu bewegen, wieder in ihren Sektor zurückzukehren.

Schiedsrichter erlebte GC-Skandal in Sion

Das war der Grund, warum der Schiedsrichter die zuvor einseitig verlaufene Partie gut 20 Minuten nach Beginn der Eskalation definitiv abbrach. Alessandro Dudic begründete hinterher: «Wir haben abgewartet, was passiert. Nachdem die GC-Fans nicht zurückkehren wollten, musste ich das Spiel abbrechen. Die Sicherheit der Spieler und der Zuschauer war unter diesen Umständen nicht mehr gewährleistet.»

Ein vermummter GC-Fan, der die Begrenzung des Gästesektors überwunden hat, steht einem FCL-Steward gegenüber.
Ein vermummter GC-Fan, der die Begrenzung des Gästesektors überwunden hat, steht einem FCL-Steward gegenüber. (Bild: srf)

Dudic hat einschlägige Erfahrung mit dem Krawallpotenzial der GC-Fans im Verlauf dieser Saison gemacht. «Ich war als vierter Offizieller in Sion dabei und wusste darum, was passieren kann.» Zum Glück für alle Beteiligten ist letztlich kein Spieler und kein Stadionbesucher in Mitleidenschaft gezogen worden.

Forte: «Rabenschwarzer Tag»

GC-Trainer Uli Forte sprach nach dem ersten Abstieg der Zürcher seit 70 Jahren von einem «rabenschwarzen Tag für den Klub und den Schweizer Fussball». Es sei ein No-Go, was die eigenen Fans veranstaltet haben. «So etwas wollen wir nicht sehen auf den Fussballplätzen unseres Landes.»

Die GC-Spieler, die nach erfolgtem Spielabbruch zu den eigenen Fans hingingen, wurden von diesen aufgefordert, ihr Leibchen abzuziehen. Die Absteiger kehrten danach mit gesenktem Kopf und nur noch im Unterleibchen in die Garderobe zurück. «Ich bin froh, dass ich so etwas noch nicht selber erleben musste», gab sich FCL-Goalie David Zibung nachdenklich.

Forfait-Sieg bestraft den FCL

FCL-Trainer Thomas Häberli ordnete den Spielabbruch, den man so hinnehmen müsse, als «trauriges» Erlebnis ein. Das gleiche Adjektiv bemühte er auch bei der Bewertung der Annahme, dass das FCL-Heimspiel gegen die Grasshoppers von einem 4:0 in einen 3:0-Forfait-Sieg umgewandelt wird. Dabei ist das Torverhältnis der sechstplatzierten Luzerner (40 Punkte/minus 7) im Kampf um Platz 3 gegenüber den vor ihnen liegenden Thun (43 Punkte/plus 2 Tore), St. Gallen (42/minus 11 Tore) und Lugano (41/0) ohnehin nicht vorteilhaft.  

Der Trost für Häberli und seine Mannen: Mit dem sich abzeichnenden Forfaitsieg ist bei drei verbleibenden Runden und einem Vorsprung von sieben Punkten auf den von Neuchâtel Xamax gehaltenen Barrage-Platz 9 der Ligaerhalt so gut wie gesichert.

Übrigens: Laut Mitteilung der Luzerner Polizei lief die Abreise der GC-Fans friedlich.

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