Beim FC Luzern bekommen viele junge Spieler eine Chance. Von links: Idriz Voca, Dren Feka, Filip Ugrinic, Stefan Knezevic, Silvan Sidler und Yannick Schmid. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)
Sport

Beim FC Luzern bekommen viele junge Spieler eine Chance. Von links: Idriz Voca, Dren Feka, Filip Ugrinic, Stefan Knezevic, Silvan Sidler und Yannick Schmid. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Wie ein guter FCL-Junior den Schritt zu den Profis schafft

7min Lesezeit

«Wir sind immer ehrlich», sagt FCL-Nachwuchschef Genesio Colatrella über den Umgang mit seinen Nachwuchsspielern. Denn der Weg zum Profi gelingt oftmals nur über Umwege. Verhindern will der FC Luzern aber Abgänge zu Ligakonkurrenten oder ins Ausland. Auch wenn es für die Spieler bereits in zartem Alter Anfragen gibt.

Viele Jugendliche träumen von einem Leben als Fussballprofi. Kürzlich zeigte zentralplus den Weg vom kleinen Junior zum FCL-Nachwuchsspieler auf (zentralplus berichtete). Nur ein sehr kleiner Teil aller jungen Fussballer schafft es, dereinst ihren Traum zu verwirklichen. Genesio Colatrella, technischer Leiter Nachwuchs beim FC Luzern, erklärt, was es für den letzten Schritt noch braucht. 

«Die Spieler mit dem Potential für die erste Mannschaft werden schon früh erkannt», sagt Colatrella. Aber es funktioniert nicht wie im normalen Leben nach dem Motto: Hat man die fussballerische Ausbildung einmal abgeschlossen, ist man für den Profi-Fussball gerüstet. «Es kann durchaus sein, dass wir plötzlich einen Spieler aus der U18 mit der ersten Mannschaft trainieren lassen.» Wichtig seien dazu aber insbesondere die physischen Komponenten. «Fussballerisch kann man dazulernen, körperlich muss man standhaft genug sein.» Colatrella sagt: «Physisch, technisch, taktisch, mental ist man erst mit 21 fertig ausgebildet.»

«Entweder oder»

Ein Filip Ugrinic kam beim FCL früh in die erste Mannschaft, Stefan Knezevic dagegen über Umwege. «Als er 18 Jahre alt war, entschieden wir, ihn für ein Jahr zum SC Buochs auszuleihen», erzählt Colatrella. «Wir wollten ihm nach diesem Jahr nochmals die Chance geben. Damals war klar, entweder er packt es oder er spielt in Zukunft keine Rolle mehr.» Colatrella ist stolz: «Er ist doch ein super Beispiel, wie sich einer den Traum vom Fussballprofi erfüllen konnte.»

«Die Spieler müssen wissen, dass bei uns die Türen offen sind.»

Genesio Colatrella, FCL-Nachwuchschef

Auch aktuell hat der FCL einige Talente in seinen Reihen. Colatrella nennt aber keine Namen in der Öffentlichkeit. Mit der Challenge-League-Zugehörigkeit des SC Kriens kam für Colatrella nebst der eigenen U21 in der ersten Liga, wo er interimistisch als Trainer agiert, eine weitere interessante Option hinzu. Aktuell sind Torwart Simon Enzler sowie die beiden Mittelfeldspieler Marco Rüedi und Dario Ulrich an Kriens ausgeliehen (alle 21-jährig). «Es war für sie der richtige Schritt und sie können so wichtige Spielpraxis sammeln.»

Berater blenden junge Spieler

Es sei auch von hoher Bedeutung, dass man den Jungen eine mittel- bis langfristige Karriereplanung aufzeigen könne. Da seien Trainer Thomas Häberli, Sportchef Remo Meyer und auch Talent-Manager Michel Renggli involviert. «Wir sind immer ehrlich», sagt Colatrella. «Es geht um Vertrauen, die Spieler müssen wissen, dass bei uns die Türen offen sind.» Ein Feedback sei immer unterstützend, keinesfalls blendend. «Für letzteres sind in erster Linie die Berater sowie zum Teil auch das persönliche Umfeld da», sagt der technische Leiter des Nachwuchses.

Er hat auch Beispiele bereit, von Spielern, die es damals in Luzern nicht packten. Chris Kablan beispielsweise schaffte den Sprung in die erste Mannschaft nicht. «Er war ein kleiner aufsässiger Verteidiger», erinnert sich Colatrella. Auch Kablan sollte via den SC Kriens zu den Profis kommen – er war bei Markus Babbel im Probetraining. «Er war vom Typ her eher zurückhaltend, brauchte Vertrauen und Wärme, was er damals nicht bekam.» So wurde Kablan nach Kriens abgegeben. Colatrella überrascht es allerdings nicht, dass er nun beim FC Thun in der Super League spielt.

Heutiger Premier-League-Spieler mit Gastspiel beim FCL

Eine noch erstaunlichere Laufbahn hat Florent Hadergjonaj hinter sich. Ihm reichte es in der Juniorenabteilung des FC Thun nicht. Dann kam er zur U17 des FC Luzern. «Ich sah ehrlich gesagt den Sinn nicht, dass der Junge aus dem Emmental immer nach Luzern kam. Ein Topshot war er auch nicht», sagt Colatrella. «Für ihn war es super, dass er mit 18 wieder zu YB konnte», sagt Colatrella. Das sei für seine Entwicklung das beste gewesen. Hadergjonaj schaffte bei YB den Durchbruch, zog in die Bundesliga und später in die Premier League weiter. 

Florent Hadergjonaj vor sechs Jahren im Trikot des BSC Young Boys, wahrlich kein bulliger Spieler:

 
 
 
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

#training #in #action #train #hard #look #forward #and #give #the #best✌

Ein Beitrag geteilt von Florent Hadergjonaj (@florenthadergjonaj) amAug 5, 2013 um 11:15 PDT

 

Selbstverständlich gibt es auch Talente, denen der Sprung in den Profibereich gänzlich verwehrt bleibt. «Es sind junge Menschen, da spielen die Kollegen, der Ausgang oder die Freundin bestimmt eine Rolle», sagt Colatrella. Oftmals sei man im Juniorenbereich deshalb auch pädagogisch gefordert und schaut, dass Privates, die Ausbildung und der Fussball unter einen Hut gebracht werden können.

Bereits 13-Jährige erhalten Anfragen

Kein Problem sei aktuell, dass Spieler von anderen Clubs abgeworben werden. «Warum sollten die Junioren zu einem anderen Schweizer Club wechseln? Sie sehen ja, dass die Türe bei uns offen ist», sagt Colatrella. Schweizweit hatte in der vergangenen Saison kein Club mehr Eigengewächse im Kader. Aber es sei schon so, dass Spielervermittler die Jungen bei anderen Clubs unterbringen wollen. «Das beginnt im Alter von 13 oder 14 Jahren.» 

Eine ganz wichtige Rolle käme dabei auch dem Talentmanager zu. «Die Betreuung ist enorm wichtig. Neben Spielern hätten oftmals auch Eltern offene Fragen.» Colatrella gibt ein Beispiel: «Wir haben Junioren, die in der portugiesischen Junioren-Nationalmannschaft spielen. Benfica Lissabon zeigte sich stark an einer Verpflichtung interessiert.» Doch Colatrella bliebt bei solchen Avancen ruhig. «Hier beim FCL ist die Planung bis zum Profibereich aufgegleist, die Jungs müssen es einfach rollen lassen. In Lissabon müssten sie zuerst alles auf die Schienen bringen», macht er die Ausgangslage bildlich fest.  

Hinweis: zentralplus ist Medienpartner des FC Luzern.  

x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Mehr Sport