Das Tor, das den Meistertitel bedeutete: Ein Schüsschen von Eric Blum lässt Zug-Goalie Tobias Stephan passieren, Brian Flynn (links) kann nicht eingreifen. (Bild: Urs Lindt/freshfocus)
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Das Tor, das den Meistertitel bedeutete: Ein Schüsschen von Eric Blum lässt Zug-Goalie Tobias Stephan passieren, Brian Flynn (links) kann nicht eingreifen. (Bild: Urs Lindt/freshfocus)

Die Lösung des Roe-Rätsels und die Verschwörung der Hockeygötter gegen Zug

4min Lesezeit

Es war zum Verzweifeln: Wieder war der EVZ die bessere Mannschaft, wieder entschieden die Unparteiischen in einer strittigen Szene gegen die Zuger – und wieder gewann der SCB. Das 2:1 machte die Berner am Ostersamstag zum neuen Schweizer Meister.

Was war denn da los? Der EV Zug meldete mit Garrett Roe seinen besten Skorer (6 Tore und 11 Assists in 13 Playoff-Spielen) für das erste Finalspiel der letzten Chance in Bern abwesend. Er sei nicht verletzt, hiess es. Mehr war aus offiziellen Quellen nicht zu erfahren. Mit dieser Art der Kommunikation öffnen die Zuger Tür und Tor für Spekulationen.

War etwas Schlimmes passiert in seiner Familie? Gab es einen Streit mit Zugs Headcoach Dan Tangnes? Nichts von alledem. Eine dem EVZ nahestehende Quelle meldet: Der US-Stürmer hat sich im Nackenbereich wehgetan. Haben sich die Zuger für diese kommunikative Schlaumeierei entschieden, in der Hoffnung, Roe könne in einem sechsten Spiel eingesetzt werden? 

Wir werden es vielleicht nie erfahren, weil der SCB seit diesem Ostersamstag zum dritten Mal eine Finalserie nach 1997 und 2017 gewann – und zum zehnten Mal seit Einführung der Playoffs 1985/86 und zum insgesamt 16. Mal Schweizer Meister geworden ist. Und Roe wird nächste Saison für die ZSC Lions stürmen.

Das Zuger Final-Dilemma

Das ganze Final-Dilemma der Zuger zeigte sich exemplarisch beim 0:1, der fünften Eröffnung des Skores durch die Berner im fünften Finalspiel. Dominic Lammer holte sich nach einem Schuss eine Zwei-plus-Zwei-Minutenstrafe, weil er den SCB-Verteidiger mit dem Stock im Gesicht erwischte. Absolut sinnfrei.

Der SCB nutzte das Geschenk aus. Und wie wohl? Mit einem haltbaren Tor in der nahen Torecke von Stephan. Warum sich der EVZ-Goalie in die Mitte bewegte, bevor Gaëtan Haas abzog, ist nur schwer nachvollziehbar.

Die Hockey-Götter kommen aus Bern

Aber die Zuger sträubten sich gegen das drohende Schicksal. Auch SCB-Goalie Leonardo Genoni, der nächste Saison das Meister-Gen in die EVZ-Garderobe bringen wird, griff daneben. Und zwar wortwörtlich: Lino Martschini angelte sich die Scheibe, die Genoni nicht festhalten konnte, und schob sie ins SCB-Tor.

Das 1:1 war genau das Aufputschmittel, das die Zuger brauchten. Sie begannen zu laufen, zu sausen und brausen und schnürten den SCB ein. Dieser geriet gehörig ins Wanken.

Als Genoni nach einem Schuss McIntyres abermals schlecht aussah und den Zugern das vermeintliche 2:1 gewährte, nahm der SCB die Coaches Challenge. Die Linienrichter erkannten auf dem Video richtigerweise, dass der EVZ-Torschütze ins Berner Drittel gelaufen war, bevor die Scheibe die blaue Linie überquert hatte. Das Tor zählte nicht. Der Zug-Präsident wurde auf dem Stadionwürfel über der Eisfläche eingeblendet, als er gerade ein Stossgebet gegen den Himmel richtete.

Final ist, wenn alle strittigen Entscheidungen gegen den EV Zug sind. Es muss eine Verschwörung der Hockey-Götter sein. Noch am Donnerstag beim 1:3 und der dritten Niederlage in der finalen Ausmarchung um den Titel verweigerten die Spielleiter dem 1:1 durch Roe die Anerkennung, weil eine Torhüter-Behinderung vorausgegangen sei. Man hätte die Situation mit Dennis Everberg und Genoni auch genauso gut gegenteilig beurteilen können (zentralplus berichtete).

Ein grosser EVZ verzweifelte

Es sollte noch schlimmer kommen für die Zuger, die im zweiten Drittel Spiel und Gegner klar im Griff hatten. Sie gingen mit einem 1:2 in die zweite Pause, weil ein Schüsschen von Eric Blum den Weg ins Tor der Zuger fand. Stephan, der seine dritte Finalserie (einmal mit Genf, zweimal mit Zug) verlor, hatte nicht das Glück auf seiner Seite, dass irgendetwas irregulär gewesen wäre bei der Entstehung des abermaligen Rückstandes. Auch der zweite haltbare SCB-Treffer kam in die Wertung.

Mit allem, was sie hatten, setzten sich die Zuger für die Fortsetzung der Serie und ein sechstes Finalspiel ein. Sie brachten die Berner so ins Schwimmen, dass sich SCB-Coach Kari Jalonen genötigt sah, sein Timeout in der 48. Minute einzuziehen.

Doch die immer verzweifelter anrennenden Zuger brachten den Ausgleich, der sie zumindest in die Verlängerung gerettet hätte, nicht mehr zustande. Die Hockey-Götter kannten einmal mehr keine Gnade mit diesem aufopfernd kämpfenden EVZ, der einmal mehr eine grosse Leistung zeigte.

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