Zug-Trainer Dan Tangnes ärgert sich über das aberkannte Tor zum vermeintlichen 1:1 von Garrett Roe – am Tag nach dem 1:3 gegen den SC Bern hat er sich wieder beruhigt. (Bild: EVZ/Philipp Hegglin)
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Zug-Trainer Dan Tangnes ärgert sich über das aberkannte Tor zum vermeintlichen 1:1 von Garrett Roe – am Tag nach dem 1:3 gegen den SC Bern hat er sich wieder beruhigt. (Bild: EVZ/Philipp Hegglin)

EVZ-Trainer: «Wir können nicht einfach den Schiedsrichtern die Schuld geben»

7min Lesezeit

Der nicht anerkannte Treffer von Garrett Roe zum vermeintlichen 1:1 liess einen EVZ-Fan am Donnerstagabend die Nerven verlieren. Er wurde gegen Schiedsrichter-Chef Brent Reiber tätlich. Dieser sagt: «Er hat sich bei mir entschuldigt.» Die Gemüter der EVZ-Akteure haben sich am Tag nach dem 1:3 gegen den SCB im vierten Finalspiel beruhigt.

Bei Spielhälfte hat sich ein EVZ-Fan unter den 7’200 Zuschauern in der ausverkauften Bossard-Arena am Donnerstag nicht mehr unter Kontrolle. Die Spielleiter verweigerten dem vermeintlichen 1:1 durch Zugs Topskorer Garrett Roe nach der Videokonsultation wegen einer Torhüter-Behinderung die Anerkennung. Sie hätten genauso gut den gegenteiligen Entscheid treffen können (zentralplus berichtete).

Angreifer muss mit Stadionverbot rechnen

Da steht der Mann von seinem Sitzplatz auf, läuft ein paar Tritte hoch in den Medienbereich und lässt seine Wut an Schiedsrichter-Chef Brent Reiber aus. «Er hat mich gegen die Schulter geschlagen», erzählt Reiber in den Stunden danach. «Aber die Sicherheitsleute haben sofort und gut reagiert.»

Offensichtlich war sich der Angreifer seines Fehlverhaltens sogleich reumütig bewusst. Er hat sich bei Reiber entschuldigt. Dieser sagt: «Wir haben uns die Hand gegeben. Auch wenn so etwas nicht geht, ist die Sache für mich erledigt. Der Fokus dieser Finalserie muss bei den zwei grossartigen Mannschaften auf dem Eis sein.»

«Die fehlbare Person wird mit Sanktionen rechnen müssen.»

Amin Ghiasi, Sicherheitschef des EV Zug

Für seinen fehlbaren Fan und den EVZ ist die Geschichte aber noch nicht durchgekaut. «Wir haben den Herrn aus dem Stadion geleitet und seine Personalien festgestellt», hält EVZ-Sicherheitschef Amin Ghiasi fest. Jetzt gehe es darum, festzustellen, was genau passiert sei. «Die fehlbare Person wird mit Sanktionen rechnen müssen.» Im Raum steht ein Stadionverbot.

Martschini: «Das muss man einfach hinnehmen»

Zug-Trainer Dan Tangnes bezeichnet den Schiedsrichter-Entscheid zur angeblichen Torhüter-Behinderung auch im Rückblick als «falsch und fürchterlich». Doch der 40-jährige Norweger ist sich nach der dritten Finalniederlage in Folge auch bewusst: «Wir können nicht einfach den Schiedsrichtern die Schuld geben. Das wäre zu billig.»

Eine Botschaft, die auch die Spieler teilen. Stürmer Lino Martschini sagt völlig gelassen: «Solche Ereignisse gehören zum Sport. Die muss man einfach hinnehmen. Manchmal fallen die Entscheidungen für dich, manchmal gegen dich aus.»

Zuger Defizite trotz grosser Leistung

Es ist der einzig richtige Umgang damit. Aus drei Gründen:

  • Erstens: Der Entscheid der Schiedsrichter lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Da kann der EVZ den Kopfstand machen – es bringt nichts.
  • Zweitens: Wer sich damit nicht abfinden kann, verliert unnötig Energie und den Fokus. Am Ausgang der Serie, in der «uns nun drei siebte Playoff-Spiele bevorstehen» (Tangnes), lässt sich einzig und allein am Samstag in Bern (20 Uhr, Postfinance-Arena) etwas ändern.
  • Drittens: Trotz grosser Leistung am Donnerstagabend gegen den SC Bern (1:3) hatte der EVZ in entscheidenden Punkten Nachteile: Leonardo Genoni war abermals der bessere Goalie als Tobias Stephan (zentralplus berichtete), der SCB die effizientere Mannschaft (37:19-Schüsse für Zug) und er kann bei 5 gegen 5 sein Spiel durchsetzen und Tore schiessen.

Wie Tangnes die Zuger Defizite erklärt

Der EVZ hingegen hat schon seit dem 4:1-Sieg zum Finalauftakt kein Tor mehr bei gleichem Spielerbestand erzielen können. Okay, das zwischenzeitliche 1:1 durch Carl Klingberg fiel auch bei 5 gegen 5 – aber nur dank dem Zufall und der gütigen Mithilfe von Genoni.

«Wir sind bis jetzt nur beinahe an die Abpraller herangekommen.»

Dan Tangnes, Trainer des EV Zug

Beim Cupsieger will man das Defizit in der Offensive nicht schönreden. «Wir müssen vor dem Tor energischer und konsequenter arbeiten. Wir müssen Genoni die Sicht nehmen, und bis jetzt sind wir nur beinahe an die Abpraller herangekommen. Das macht einen deutlichen Unterschied zu Bern», gibt Tangnes unumwunden zu.

Die Effizienz, gibt er zu bedenken, sei in den Playoffs bis zur Finalserie ein Qualitätsmerkmal der Zuger gewesen. Normal sei eine Chancenauswertung in der Gegend von acht bis zwölf Prozent, erläutert Tangnes. «Wir lagen da drüber, bei gut 15 Prozent.» Jetzt ist das aber nicht mehr so. «Es bleibt uns nichts anderes übrig, als hart dafür zu arbeiten. Das Momentum kann drehen, wenn man es sich verdient.»

Zugs Griff in die psychologische Trickkiste

In Zeiten, in denen ausserhalb der Zuger Garderobe kaum mehr einer an ein gutes Gelingen glaubt, hat die EVZ-Klubleitung schon zweimal in die psychologische Trickkiste gegriffen – und Erfolg damit gehabt:

1998 auf Geheiss von Fredy Egli im Halbfinal gegen Ambri mit einem gemeinsamen Besuch des Luzerner Imax-Kinos (zentralplus berichtete) – später schaffte die Mannschaft von Sean Simpson den ersten und bisher einzigen Titelgewinn gegen den HC Davos.

«Kein Spieler hat aufgehört, an unseren Erfolg zu glauben.»

Dan Tangnes, Trainer des EV Zug

2007 nach einem 0:3 in der Viertelfinalserie gegen die SC Rapperswil-Jona Lakers – der damalige Präsident Roland Staerkle erschien mit sieben Holzscheiten zum gemeinsamen Abendessen auf dem Zugerberg. Die ersten drei warf er symbolisch zu Boden, die restlichen vier nahm Trainer Simpson mit und legte sie unter die Spielerbank. Der EVZ setzte sich noch mit 4:3-Siegen durch.

Tangnes spürt die Energie seiner Spieler

Schwört Tangnes auch auf Psychospielchen? Er sagt: «Ja und nein.» Ihm sei es aus mentaler Sicht wichtig, eine zielgerichtete Atmosphäre in der Garderobe aufzubauen. Aber vor dem Spiel gegen Bern scheint er keine Notwendigkeit für eine spezielle Teambuilding-Massnahme zu erkennen: «Ich spüre die Energie in unserer Garderobe. Kein Spieler hat aufgehört, an unseren Erfolg zu glauben. Die Spieler sind parat.»

Zur Einordnung: Erst zweimal kam es bisher vor, dass eine Mannschaft nach einem 1:3 nach Siegen in einer Finalserie noch einen Weg zum Titel gebahnt hat. In beiden Fällen waren dies die ZSC Lions. 2001 gegen Lugano und 2012 gegen den SC Bern.

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