Dennis Everberg bringt in dieser Situation den Puck nicht am überragenden SCB-Goalie Leonardo Genoni vorbei. (Bild: EVZ/Felix Klaus)
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Dennis Everberg bringt in dieser Situation den Puck nicht am überragenden SCB-Goalie Leonardo Genoni vorbei. (Bild: EVZ/Felix Klaus)

Viel Aufwand und Drama für die Zuger – aber wieder kein Sieg

5min Lesezeit

Der SC Bern sichert sich in Zug den dritten Sieg in Serie und hat jetzt drei Matchpucks für den Titelgewinn. Der EV Zug ist wieder auf sein gewohntes Niveau zurückgekehrt und hat vieles richtig gemacht. Aber er hatte zwei entscheidende Nachteile bei diesem 1:3.

Wie bitter ist das denn? Da hat der EVZ das gegnerische Startfurioso schadlos überstanden, Fahrt aufgenommen und den SCB an die Wand gespielt. Dennoch zeigte die Matchuhr zur ersten Drittelspause für beide Mannschaften eine Null an. Dabei lautete das Schussverhältnis 11:3 zugunsten der Gastgeber.

Das durfte aus Zuger Sicht nicht wahr sein. Yannick-Lennart Albrecht und zweimal Dennis Everberg vergaben in einem der wohl wichtigsten Spiele dieses Jahrzehnts beste Chancen. Dario Simion traf später gar nur den Pfosten (17.). Dem Führungstor fällt in einer Serie gegen den SC Bern eine grössere Bedeutung zu, weil der Gegner bei einem Rückstand zur Lockerung seines Defensivkonzepts gezwungen wäre.

Und so kam es, wie es kommen musste: Der SC Bern schoss auch im vierten Finalspiel das erste Tor. Gaëtan Haas verwandelte das zweite Überzahlspiel mit einem Hocheckschuss zum 1:0. Und dies, nachdem die mit einem Mann weniger spielenden Zuger durch Reto Suri kurz zuvor eine weitere Topchance ausgelassen hatten.

Erstes Zuger Tor aberkannt

Als der Puck endlich hinter SCB-Goalie Leonardo Genoni (31.) einschlug, wurde dem Treffer von Zugs Topskorer Garrett Roe die Anerkennung verweigert. Die Spielleiter entschieden sofort auf kein Tor, schauten sich aber zur Sicherheit noch das Video an. Und sie sahen sich darin bestätigt, dass Everberg im Torraum Genoni behindert hatte.

Allerdings hätte man genauso gut zum gegenteiligen Schluss kommen und das Tor für die Zuger geben können. Wenn es eine Torhüter-Behinderung durch den EVZ-Schweden gab, war sie anhand der TV-Bilder kaum zu erkennen.

Sorgten böse Kräfte für dieses Zuger Drama? Es war fast zum Verzweifeln für die Zuger Fans, die ihrem Zorn über die Entscheidung der Unparteiischen Luft verschafften und allerhand Gegenstände aufs Eis warfen.

Stephans Fehler beim entscheidenden Tor

Aber dass alles mit irdischen Dingen zuging, machte das 0:2 klar. Nachdem die Berner die Zuger Zone minutenlang nur aus der Ferne sahen, demonstrierte abermals Haas mit dem Verwerten eines Abprallers, wie man Effizienz fehlerfrei buchstabiert. Das war einer von zwei grossen Berner Vorteilen in diesem hochspannenden Fight.

Der andere, und das liest und hört man beim EVZ und dessen Umfeld dieser Tage nicht gerne, waren die Goalie-Leistungen. Tobias Stephan stand zwar nicht mehr neben den Schuhen wie am Dienstag in Bern, als die Träume von einem Zuger Sieg schon nach 13 Minuten ausgeträumt waren (zentralplus berichtete).

Aber er war zum dritten Mal in Folge schlechter als Genoni. Denn das zweite Tor der Berner war haltbar. Ein grosser Goalie wäre nicht nach vorne gefallen und hätte den Puck seitwärts abprallen lassen. Stephan hielt 16 von 18 Schüssen (88,89 Prozent) und steht vor seinem dritten Aus in einer Finalserie.

Goalies machten wieder den Unterschied

Wie wertvoll ein grosser Goalie ist, wenn der Gegner eine starke Leistung zeigt, demonstrierte Genoni. Nur dank dem vielleicht bald fünffachen Meistergoalie hatte Bern überhaupt eine Chance, dieses Spiel zu gewinnen. Genoni musste sich erst in der 45. Minute geschlagen geben, als die Zuger im Überzahlspiel ihr ganzes Können aufbieten mussten, um endlich verkürzen zu können.

Doch ein zweites Mal gab er sich nicht mehr geschlagen. Eine Chance Martschinis nach einer sinnfreien Strafe gegen Berns Jan Mursak machte er später zunichte. Genoni, der nächste Saison Stephan im EVZ-Tor ablösen wird, parierte 36 von 37 Schüssen und liess sich eine grossartige Abwehrquote von 97,30 Prozent notieren.

Als sich die Zeit aus Zuger Sicht unerbittlich dem Ende näherte, nahm Zug-Trainer Dan Tangnes sein Time-out und setzte danach alles auf eine Karte. Er ersetzte den Goalie durch einen sechsten Feldspieler und wurde dafür mit einem Schuss Arcobellos ins leere Tor bestraft.

Der SC Bern kann am Samstag seinen zehnten Meistertitel seit der Einführung des Playoffs 1985/86 holen. Die Zuger hingegen haben sich für einen starken Auftritt nicht belohnt. Das kann ihnen den Mut nehmen. Wie sollten sie gewinnen, wenn es nicht einmal so reicht? Aber es kann ihnen genauso gut Mut machen. Sie haben ihr Spiel wiedergefunden.

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