EVZ-Goalie Tobias Stephan pariert einen Puck mit der Fanghand: Ihm steht in der Halbfinal-Serie gegen Lausanne ein brisantes Duell mit Sandro Zurkirchen bevor. (Bild: EVZ/Fabrizio Vignali)
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EVZ-Goalie Tobias Stephan pariert einen Puck mit der Fanghand: Ihm steht in der Halbfinal-Serie gegen Lausanne ein brisantes Duell mit Sandro Zurkirchen bevor. (Bild: EVZ/Fabrizio Vignali)

Die dritte Chance für einen Unvollendeten oder die Rache eines Ausgemusterten

6min Lesezeit

Die Hockey-Götter wollen es so: In der am Dienstag beginnenden Halbfinalserie misst sich Zugs scheidender Goalie Tobias Stephan (34) mit dem ehemaligen EVZ-Goalie Sandro Zurkirchen (29). Und im nächsten Herbst wird Stephan der Nachfolger von Zurkirchen bei Lausanne. Das verspricht ein packendes Duell.

Es ist alles angerichtet für eine kernige Torhüter-Polemik: Haut Sandro Zurkirchen den EVZ raus aus den Playoffs, werden sie sich in Lausanne an die Stirn fassen und fragen: Warum lassen wir Zurkirchen ziehen und verpflichteten stattdessen den «Verlierer» Tobias Stephan für die nächsten drei Jahre?

Haut Stephan Lausanne raus, winkt dem EVZ-Goalie bei seiner dritten Finalteilnahme die Chance, mit ewigem Ruhm an den Lac Léman zu ziehen. Nur in Bern hätte einer keine Freude daran: Leonardo Genoni müsste seinen Fünfjahresvertrag beim Meister EVZ antreten. Nicht das, was er sich ausgemalt hat. Mit seinem vor dieser Saison bekannt gewordenen Wechsel zum EVZ auf 2019/20 hat er das Goalie-Karussell in der National League in Schwung gebracht.

Nach Zurkirchen versinkt Zug im Goalie-Chaos

Doch der Reihe nach: Zurkirchen stand schon mal am Ursprung eines EVZ-Desasters. Als er 2013 gewogen und qualitativ für zu leicht eingestuft wurde, um das Tor der Zuger in Zukunft zu hüten, zog der Schwyzer zu Ambri. Und der EVZ versank in der darauffolgenden Saison im Goalie-Chaos.

Mit gleich fünf Torhütern (Eero Kilpelainen, Brian Boucher, Michael Tobler, Robin Kuonen und Gianluca Hauser) im Einsatz verpassten die Zuger zum erst zweiten Mal in diesem Jahrtausend die Playoffs. Es war das Ende der beruflichen Tätigkeit von Trainer-Feuerkopf Doug Shedden und Sportchef Jakub Horak im EV Zug.

Für Zurkirchen muss es eine doppelte Genugtuung gewesen sein, dass er in der gleichen Saison im Goalie-Tandem mit Nolan Schaefer die Playoffs mit den Leventinern bestritt.

Ein grosser, aber unvollendeter Torhüter

Ein Jahr später schüttete Tobias Stephan die Goalie-Baustelle bei den Zugern zu. Er hob das Level des Toreverhinderns bei den Zugern auf ein höheres Niveau. Zweifellos ist er ein grosser Schweizer Torhüter, aber auch ein unvollendeter. Ihm haftet der Makel an, dass noch kein Team mit ihm eine Meisterschaft gewinnen konnte. Es wird Stephan ein grosser Ansporn sein, diese Kritik in seinem fünften und letzten Jahr mit Zug für immer zum Verstummen zu bringen.

Seine bisher beste Fangquote in den Playoffs erreichte Stephan 2016/17, als er einen Wert von 92,2 Prozent aufwies und der EVZ bis in den Final vorstiess (2:4 nach Siegen gegen den SC Bern mit Leonardo Genoni). Es ist eine ordentliche Fangquote. In den anderen drei Saisons tauchten die Zuger jeweils in den Viertelfinals, und Stephan widerspiegelte mit seiner Fangquote das Scheitern.

Beide unter dem Liga-Durchschnitt

In den laufenden Playoffs setzten sich die Zuger zwar mit vier aufeinanderfolgenden Siegen gegen Lugano durch. Doch ihr Torhüter hechelte nach der im Januar erlittenen Beinverletzung seiner Form hinterher (zentralplus berichtete).

Lausanne-Stürmer Ronald Kenins (links) freut sich mit Goalie Sandro Zurkirchen über das Erreichen der Halbfinal-Serie gegen den EV Zug.
Lausanne-Stürmer Ronald Kenins (links) freut sich mit Goalie Sandro Zurkirchen über das Erreichen der Halbfinal-Serie gegen den EV Zug. (Bild: Facebookseite Lausanne Hockey Club)

Ein Blick auf die Statistik macht es deutlich: Stephan hielt 114 der 125 Schüsse auf sein Tor, was eine Fangquote von 91,2 Prozent ergibt. Es mag ein Mutmacher für ihn sein, dass er damit besser dasteht als sein nächster Konkurrent im direkten Goalie-Duell: Zurkirchen parierte 168 der 185 Schüsse und kam auf eine Abwehrquote von 90,81 Prozent. Damit liegen die beiden auf den Plätzen 5 und 6 der acht im Playoff regelmässig eingesetzten Torhüter.

Nur Damiano Ciaccio (89,73 Prozent) und der künftige NHL-Goalie Elvis Merzlikins (87,23 Prozent) waren schlechter. Den Bestwert aller Goalies erreichte Leonardo Genoni mit 94,49 Prozent, der Liga-Durchschnitt lag bei 92,18 Prozent.

Goalies beeinflussen Halbfinal-Ausgang massgeblich

Ein altes Sprichwort im Eishockey lautet: Sage mir, wie dein Goalie hält, und ich sage dir, wie es um dein Team in den Playoffs steht. In der schnellsten Mannschaftssportart der Welt hat die Qualität des Torhüters eine noch grössere Bedeutung als beispielsweise im Fussball.

Man braucht deshalb kein Prophet zu sein, um vorauszusagen, dass der Ausgang der Halbfinalserie zwischen Zug und Lausanne massgeblich von den Goalie-Leistungen beeinflusst werden wird. Stephan gegen Zurkirchen: Es liegt an ihren Köpfen, Händen, Armen, Oberkörpern und Beinen, die unmittelbare berufliche Zukunft nach ihrem Gusto zu gestalten.

Stephan wird neuer Goalie in Lausanne, Zurkirchen aller Voraussicht nach in Lugano. Die Frage ist nur, mit welchem Ansehen.

Aeschlimann ist die Zuger Beruhigungspille

Noch vor Playoff-Beginn hat Zug-Trainer Dan Tangnes ohne Wenn und Aber Stephan zu seiner Nummer 1 ausgerufen (zentralplus berichtete). Nach der kürzesten Distanz im Playoff-Viertelfinal wird er keinen Grund haben, an einen Torhüterwechsel zu denken.

Mit Sandro Aeschlimann, und das ist die Beruhigungspille für alle EVZ-Fans, hätte er im Notfall einen Ersatz in der Hinterhand, der seine Tauglichkeit in der höchsten Liga des Landes unter Beweis gestellt hat. Mit dem künftigen HCD-Goalie im Tor ist der EVZ Anfang Februar Cupsieger geworden.

Im Torhüter-Duell zwischen Stephan und Zurkirchen ist so oder so allerbeste Unterhaltung garantiert.

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