Bringt Tomi Juric seine Karriere beim FC Luzern in den nächsten Wochen noch einmal in Gang? (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)
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Bringt Tomi Juric seine Karriere beim FC Luzern in den nächsten Wochen noch einmal in Gang? (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Tomi Juric: «Die schlimmste Zeit meiner bisherigen Karriere»

6min Lesezeit

Tomi Juric und der FC Luzern: Es ist die Geschichte einer Zusammenarbeit, die sich für den Spieler und seinen Arbeitgeber hätte lohnen können. Stattdessen endet sie für beide Seiten unbefriedigend. Steht der 27-jährige Mittelstürmer nach dem verpassten Klubwechsel gar auf dem Abstellgleis?

Er ist australischer Internationaler. Er hatte vor gut zwei Jahren ein Millionenangebot vom FC Reading vorliegen und ausgeschlagen. Er machte in seinen ersten beiden Saisons in 57 Meisterschaftsspielen 15 Tore und gab 10 Vorlagen. Er scheint ein charismatischer, smarter Typ zu sein. Eigentlich bringt Tomi Juric vieles mit, um ein Aushängeschild des FC Luzern zu sein.

Doch er ist weit davon entfernt. In gut zwei Monaten wird der wuchtige Stürmer beim FC Luzern der Vergangenheit angehören. Deshalb fühlt sich seine Geschichte mit dem Super-Ligisten wie ein grosses Missverständnis an.

Er glaubt an seine Chance

Spielern, die weiterziehen, gewähren Profiklubs in aller Regel nicht mehr Auslauf auf der grossen Bühne, weil sie finanziell nichts davon haben. Die Ausnahme sind Spieler, die für das sportliche Wohl ihres Arbeitgebers unverzichtbar sind. Beim FC Luzern ist Blessing Eleke (Vertrag bis 2022) als Mittelstürmer derzeit gesetzt. Sein Ersatz ist Shkelqim Demhasaj (Vertrag bis 2020). Juric spielt seit dem ersten Rückrundenspiel am 10. Februar in Neuenburg (1:2) unter dem damaligen Trainer René Weiler keine Rolle mehr.

Er sagt über seine Situation: «Ich glaube, dass ich meine Chance bekommen werde, wenn ich es verdiene. Ich bin richtig motiviert.»

Juric: «Ich hatte nie die Absicht, zu gehen»

Was soll er auch anderes sagen? Juric bleibt nichts anderes übrig, als darauf zu vertrauen, dass es nicht bloss ein Lippenbekenntnis war, als FCL-Sportchef Remo Meyer nach der temporären Ausmusterung des Australiers in der zweiten Februar-Woche sagte, Juric werde wieder ins Team integriert, wenn es bis zum Schliessen des Transferfensters nicht mit einem Klubwechsel klappe (zentralplus berichtete).

«Ich brach mir den kleinen Zeh. Ohne es mir bewusst
zu sein, habe ich so gegen Xamax durchgespielt.»

Tomi Juric, Stürmer des FC Luzern

Es hat nicht geklappt. «Ich hatte nie die Absicht zu gehen. Ich wollte meinen Vertrag in Luzern erfüllen», sagt er über eine Erfahrung mit dem FCL, über die «ich nicht erfreut war. Aber wer wäre das schon?»

Juric brach sich einen Zeh

Seither produzierte der FCL um Juric ein regelrechtes Verwirrspiel. Beim allerersten Training mit dem neuverpflichteten FCL-Trainer Thomas Häberli hiess es, Juric fehle, weil er sich am Vortag am Fuss verletzt habe. In den Tagen danach liess Häberli plötzlich wissen, dass Juric zwar am Mannschaftstraining teilgenommen habe, aber noch nicht bereit sei für einen Einsatz. Auf dem Matchblatt erschien Juric abwechslungsweise unter den Abwesenden oder Verletzten. Das erweckte den Eindruck, als sei Juric heimlich aufs Abstellgleis geschoben worden.

Seit Anfang dieser Woche trainiert der 1,91 Meter grosse Stürmer wieder mit dem Team. Vorher konnte er gar nicht. «Kurz vor dem Rückrundenstart erwischte ich einen Schlag am rechten Fuss. Dabei brach ich mir den kleinen Zeh. Ohne mir dessen bewusst zu sein, habe ich so gegen Xamax durchgespielt», erzählt Juric. Offensichtlich machten sich erst danach die Beschwerden bemerkbar.

Die seltsame Geschichte im Oktober

Es ist nicht seine erste Verletzung im Verlaufe dieser Saison. Darum hat er es erst auf sieben Einsätze in 25 Meisterschaftsspielen der Luzerner gebracht. «Es ist die schlimmste Zeit in meiner bisherigen Karriere», fasst Juric seine Gefühlslage zusammen.

Sie hat ihm in der Zwischenzeit den Platz in der australischen Nationalmannschaft gekostet. Für die Asienmeisterschaft im Januar wurde er nicht mehr berücksichtigt.

«Der FC Luzern zeigte sich nicht einverstanden mit den Transferkonditionen des FC Basel.»

Tomi Juric, Stürmer des FC Luzern

Und sie hat wohl auch einiges zur atmosphärischen Störung zwischen ihm und der sportlichen Leitung des FCL beigetragen. Erst fehlte Juric in den ersten Wochen der neuen Meisterschaft, weil er angeblich mit einem Muskelfaserriss von der WM in Russland zurückgekehrt war. Als er sich im Oktober beim FCL einmal mehr nicht einsatzfähig fühlte, folgte er einem Nati-Aufgebot der Australier – und spielte beim 4:0 über Kuwait 25 Minuten lang. In der Swissporarena haben sie sich verwundert die Augen gerieben.

Juric erklärt es so: «Die australischen Fussballer sind überall auf der Welt verstreut. Das macht für uns einen Zusammenzug der Nationalmannschaft umso wichtiger. Aber ich kann die Sichtweise des FC Luzern nachvollziehen.»

Juric: FCL verhinderte Transfer zum FC Basel

Vielleicht kann die Episode aber auch als eine Retourkutsche für eine Transfergeschichte, die sich im letzten Sommer zutrug, interpretiert werden. Der FC Basel zeigte reges Interesse an einer Verpflichtung von Juric und lud ihn zum Medizincheck ein. Danach erhielt er aber eine Absage von FCB-Sportchef Marco Streller. So lautete bisher die offizielle Begründung dafür, dass der Transfer nicht klappte.

Doch Juric fügt der Geschichte nun noch einen brisanten Aspekt hinzu: «Der FC Luzern zeigte sich nicht einverstanden mit den Transfer-Konditionen des FC Basel. Das war mindestens so wichtig wie der Fakt, dass ich zu diesem Zeitpunkt nicht ganz fit war.»

Für ihn war das nicht einfach zu verdauen. Denn schon vor der WM stand er gegenüber einer australischen Zeitung freimütig zu seinen Wechselabsichten. Ein besserer Klub in einer besseren Liga sollte es sein, erhoffte sich Juric (zentralplus berichtete).

Mit dem Plan, seine Spuren in der Business-Class des europäischen Klubfussballs zu hinterlassen, hat er vor vier Jahren seine Heimat Australien verlassen. Er bekräftigt: «Mein Ziel war es von Anfang an, in einer grossen Liga Fuss zu fassen oder dann zu einem Spitzenklub wie dem FC Basel wechseln zu können.»

Doch die Erfüllung dieses Traums scheint derzeit so weit weg zu sein wie Luzern von Australien.

 

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