Zugs Topskorer Lino Martschini gibt Luganos Bösewicht Maxim Lapierre (rechts) und Verteidiger Thomas Wellinger das Nachsehen. (Bild: EVZ/Fabrizio Vignali)
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Zugs Topskorer Lino Martschini gibt Luganos Bösewicht Maxim Lapierre (rechts) und Verteidiger Thomas Wellinger das Nachsehen. (Bild: EVZ/Fabrizio Vignali)

Vor diesem Lugano fürchtet sich kein Zuger mehr

5min Lesezeit

Luganos harte Hunde versuchten es mit Provokationen, doch es nützte nichts. Die Zuger waren die schlauere, schnellere und bessere Mannschaft. Und sie haben bei diesem 3:2 zum Start eine Menge Mumm für die Fortsetzung der Serie getankt.

Erst ein Blick zurück macht deutlich, wie wertvoll und bedeutend dieser erste Auftritt der Zuger ist: Vor drei Jahren stieg der EVZ ebenfalls mit Heimrecht in die Viertelfinalserie gegen Lugano. Doch die Tessiner um Feuerkopf Maxim Lapierre kauften den kleineren Zuger den Schneid ab. Sie bekamen Angst und wurden mit vier Niederlagen in Folge in die Ferien geschickt.

Lapierre spielt immer noch für Lugano. Julian Walker auch. Die harten Kerle, und nicht die Schönwetterspieler, machen in der entscheidenden Phase der Meisterschaft den Unterschied auf dem Weg zum Titel aus. Walker versuchte es in der 20. Minute mit einem altbewährten Mittel: Er fuhr in den Zuger Goalie hinein, um ihm weh zu tun und ihn aus der Bahn zu werfen. Doch stattdessen liess ihn Tobias Stephan seinen Unmut spüren.

Das unmissverständliche Signal der Zuger

Lapierre unternahm zu Beginn des Schlussdrittels seinen letzten Anlauf, den Gegner einzuschüchtern. Der kanadische Bösewicht checkte Carl Klingberg gegen den Kopf und kassierte dafür eine Zwei- plus 10-Minuten-Strafe. Der Zuger Stürmer machte zunächst einen benommenen Eindruck, doch beim nächsten Einsatz seiner Sturmreihe stand er wieder auf dem Eis.

Das Signal der Zuger war unmissverständlich: Schaut her, Luganesi, wir haben keine Angst mehr vor euch. Und wir lassen uns auch nicht durch Provokationen aus dem Tritt bringen.

Martschini so gut wie noch nie

Es waren vorab die Zuger «Hockeyzwerge», die diese Attitüde unverhohlen zum Ausdruck brachten. Allen voran Lino Martschini (1,67 m). So gut und wertvoll wie in seinem 46. Playoff-Match war der begnadete Techniker und Präzisionsschütze noch nie für die Zuger. Er markierte nicht nur das frühe 1:0 nach 137 Sekunden, als er im Überzahl-Spiel einen herrlichen Pass von Garrett Roe (1,73 m) nur noch einzuschieben brauchte. Er setzte Akzente im Offensivspiel, als sei der Topskorer schon immer eine treibende Kraft im Playoff gewesen. Und man höre und staune: Selbst Checks brachte er an.

«Persönlich habe ich in diesem Match einen
grossen Schritt vorwärts gemacht.»

Lino Martschini, Topskorer der Zuger

Dabei war Martschini in all den Jahren bloss ein König in der Qualifikation – und ein Bettler im Playoff (zentralplus berichtete). «Das kann man schon so sehen», gab der 26-Jährige nach seiner grossen Leistung freimütig zu. «Früher hätte es mich aus der Bahn gekippt, wenn das Spiel hart wurde. Aber genau das habe ich mir vorgenommen, zu ändern. Persönlich habe ich mit diesem Match einen grossen Schritt vorwärts gemacht.»

Lammer und Suri mit entscheidendem Einfluss

Eine grosse Leistung hat auch Dominic Lammer (1,73 m) vor 7200 Zuschauern gezeigt. Der Mann hat das 2:0 der Zuger (7.) initiiert, indem er in der gegnerischen Zone hartnäckig eine Scheibe zurückeroberte. Zusammen mit Reto Suri wird er nächste Saison das Lager wechseln und seine Karriere fortsetzen. Und Suri legte zu Beginn des Schlussdrittels für Brian Flynn zum Siegtor auf.

Anders als Grégory Hofmann, der mit 30 Toren bester Torjäger der Qualifikation war und nächste Saison zum EV Zug wechseln wird, hatten Lammer und Suri entscheidenden Einfluss auf den positiven Start der Zuger in die Viertelfinalserie. Und das wirkte nach bloss zwei Siegen in den letzten sieben Spielen wie eine Beruhigungspille für die Skeptiker im kritischen Zuger Umfeld.

Auch im Goalieduell führen die Zuger

Selbst auf der Torhüterposition waren die Zuger besser besetzt, und das lag nach den bescheidenen Leistungen von Tobias Stephan im Endspurt der Qualifikation nicht unbedingt auf der Hand. In Sachen Abwehrquote war er mit 90,91 Prozent zwar nur ein halbes Prozent besser als Elvis Merzlikins. Doch dieser hätte das Siegtor der Zuger in die nahe Torhüterecke verhindern müssen.

Werfen wir aber nochmals einen Blick in die jüngere Vergangenheit: Vor einem Jahr fing der EV Zug ebenfalls nahezu perfekt gegen die ZSC Lions an – und schied dann nach vier Niederlagen de suite gegen den späteren Meister aus. Ist das noch in den Köpfen? Martschini winkt ab: «Daran denken wir nicht mehr. Wir sind als Team jetzt ganz anders unterwegs.»

Das lässt sich gerade auch von Martschini sagen.

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