FCL-Prasident Philipp Studhalter verurteilt die Ketten-Aktion der FCL-Fans.  (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)
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FCL-Prasident Philipp Studhalter verurteilt die Ketten-Aktion der FCL-Fans.  (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Und schon folgt der nächste Fan-Ärger für den FCL-Präsidenten

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Es rumpelte in seiner Buchstabenbüchse. Zahlreiche geharnischte Reaktionen erreichten FCL-Präsident Philipp Studhalter per E-Mail nach dem Fanprotest am Mittwoch in der Swissporarena. Am Sonntag droht ihm abermals Ärger – diesmal wegen gegnerischer Fans. Deshalb schlägt er jetzt Alarm.

Dem FC Luzern laufen die Zuschauer davon. In den elf Heimspielen der laufenden Meisterschaft besuchten durchschnittlich 9'362 Leute die Swissporarena. Damit steuern die FCL-Verantwortlichen auf einen neuerlichen Tiefstwert hin. Diese Marke wurde in der letzten Meisterschaft mit 10'050 Zuschauern aufgestellt. Trotz Rang 3 kamen noch nie so wenig Interessierte seit der Stadioneröffnung 2011. Rund eine Million Franken fehlt dem FCL an Einnahmen, wenn durchschnittlich 1'000 Tickets weniger verkauft werden können.

Und wenn die Fans für Wirbel sorgen mit Protestaktionen, schadet das dem Image des FCL und lässt dessen Attraktivität bei der potenziellen Kundschaft gewiss nicht steigen. «Solche Vorfälle kosten uns Zuschauer», sagt Studhalter. Ganz zu schweigen davon, dass er zum Teil «extreme Rückmeldungen» erboster Kunden erhält. Wie nach der Protestaktion der eigenen Fans am Mittwoch vor dem Cup-Viertelfinal gegen YB wegen der frühen Anspielzeit (zentralplus berichtete). «Wenn es bloss 100 Beschwerden sind, schätze ich mich glücklich», sagt er mit einem gequälten Lächeln.

Studhalter: «Am Gängelband der Uefa»

Dabei unterstützt der Präsident die Botschaft der FCL-Fans. «Wir konnten mit der Anspielzeit auch nichts anfangen. Wir befinden uns tatsächlich am Gängelband der Uefa», sagt er. Als Mitglied des Liga-Komitees hat Studhalter vor, eine Debatte dazu in Gang zu bringen, um ein gemeinsames Vorgehen zu definieren.

«In der Folge wären noch mehr Fans auf den Platz gestürmt.»

Philipp Studhalter, Präsident des FC Luzern

Doch für das Vorgehen der gut 30 maskierten FCL-Fans, die vor dem Anpfiff über die Spielbegrenzung kletterten, sich mit einem Spruchband auf der Fünferlinie aufstellten und das Tor mit einer Kette und einem Veloschloss verriegelten, bringt er kein Verständnis auf. «Unser deeskalierendes Verhalten war richtig. Wären wir mit 60 Sicherheitsleuten, die dazu nötig gewesen wären, aufgefahren, hätte das für eine Aggression gesorgt. In der Folge wären noch mehr Fans auf den Platz gestürmt», ist sich Studhalter sicher.

So lief die Protestaktion der FCL-Fans gegen die frühe Anspielzeit des Cup-Viertelfinal gegen die Young Boys am Mittwochabend in der Swissporarena ab.
So lief die Protestaktion der FCL-Fans gegen die frühe Anspielzeit des Cup-Viertelfinal gegen die Young Boys am Mittwochabend in der Swissporarena ab. (Bild: SRF)

Die Frage ist, wie man eine so massive Kette ins Stadion schmuggeln kann. Es sei eine Illusion zu glauben, dass die an den Eingangskontrollen vorbei geschmuggelt worden wäre, sagt Studhalter. «Sowas passiert in den Tagen vor einem Spiel.» Damit deutet er an, dass solche Utensilien – wie in diesem Fall eine Kette und ein Fahrradschloss – bis zur Benutzung im Stadion versteckt werden.

Die Videoaufnahmen des Klubs über die Protestaktion der Luzerner wird nun von der Polizei ausgewertet. Auf deren Antrag wird die Staatsanwaltschaft aktiv und wird wohl ein schweizweit geltendes Stadionverbot aussprechen, falls einzelne FCL-Fans identifiziert werden können.

Was ist Hüppis Zusicherung wert?

Aber der FCL-Führung steht möglicherweise weiteres Ungemach ins Haus. Wie sie am Donnerstag in einer zweiseitigen Medienmitteilung bekannt machte, wollen Fans des FC St. Gallen am Sonntag beim nächsten Spiel in der Swissporarena (16 Uhr) eine Protestaktion starten. Sie wollen nicht in den für sie vorgesehenen Fansektor (C6) und kauften Tickets für den gleich daneben liegenden Familiensektor (D1). Sie wollen damit ein Zeichen setzen gegen die Polizei, die Staatsanwaltschaft und die als streng empfundenen Kontrollen beim Eintritt in die Swissporarena (zentralplus berichtete).

«Wir müssen in der Liga über repressive Massnahmen nachdenken.»

Philipp Studhalter, Präsident des FC Luzern

Laut den FCL-Verantwortlichen geht es um rund 200 Fans aus der Ostschweiz, die sich den Match im Familiensektor zu Gemüte führen wollen. Von Matthias Hüppi, dem Präsidenten der St. Galler, hat Studhalter die Zusicherung erhalten, dass das Ganze gesittet und friedlich ablaufen solle. Aber was, wenn es eine deutliche Niederlage für den Gegner absetzt und ziemlich viel Alkohol im Spiel ist, fragt er sich. «Wenn nur schon einer unserer Saisonabo-Besitzer von seinem Platz vertrieben werden sollte, erleidet unsere Reputation einen Totalschaden», sagt Studhalter.

Ist Studhalter für mehr Repression?

Alle Inhaber einer FCL-Abocard oder eines Einzeltickets haben am Spieltag die Gelegenheit, ihr Ticket einzutauschen gegen einen Platz auf der Gegentribüne (Sektor C). Dafür wird ein Helpdesk neben dem TV-Übertragungswagen eingerichtet. «Das ist ein upgrade und nur gültig für diesen Match», sagt Studhalter und hält fest: «Es tut mir aufrichtig leid, dass das nach dem Spiel gegen den FC Zürich schon zum zweiten Mal innerhalb einer Saison vorkommt. Dafür möchte ich mich entschuldigen.»

Vor dem Hintergrund, dass sich ähnliche Sektor-Geschichten schon in Thun und bei den Grasshoppers abgespielt haben, will Studhalter zum Anlass nehmen, das 2015/16 in der Liga eingeführte «Good Hosting»-Konzept zu hinterfragen. «Es basiert darauf, dass wir die Fans im Vertrauen ins Stadion reinlassen. Aber wenn sie sich nicht an Abmachungen halten, kollabiert das System. Folglich müssen wir in der Liga über repressive Massnahmen nachdenken», so Studhalter.

Das entsprechende Stichwort hierfür heisst Identifizierung des Ticketkäufers. Ist er ein Befürworter eines Systems, wie es in Italien schon jahrelang praktiziert wird? «Dazu kann ich mich nicht äussern, weil ich mich damit noch nicht grundlegend auseinander setzen konnte», entgegnet Studhalter.

Die entscheidende Frage ist: Wie würde sich ein solches Regime auf die Zuschauerzahlen in der Swissporarena auswirken?

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