So lief die Protestaktion der FCL-Fans gegen die frühe Anspielzeit des Cup-Viertelfinals gegen die Young Boys am Mittwochabend in der Swissporarena ab. (Bild: SRF)
Sport

So lief die Protestaktion der FCL-Fans gegen die frühe Anspielzeit des Cup-Viertelfinals gegen die Young Boys am Mittwochabend in der Swissporarena ab. (Bild: SRF)

FCL-Fans verriegeln Tor vor Cupspiel mit Kette

5min Lesezeit 1 Kommentare

Weil der Cup-Viertelfinal des FCL gegen YB bereits um 18 Uhr begann, organisierten die FCL-Fans eine Protestaktion. In ihrem Schreiben richten sie harte Worte an die Verantwortlichen beim Verband – und an die FCL-Führung.

«Das wichtigste Spiel der bisherigen Saison wird wochentags um 18 Uhr angepfiffen». Gemeint ist der Cup-Viertelfinal diesen Mittwoch des FCL gegen YB. «Ob für Gäste- oder Heimfans: Dies ist ein Skandal. Zum wiederholten Male wird das Versagen von Club und Liga auf dem Buckel der Fans ausgetragen», schreibt die Fan-Vereinigung USL in einer Mitteilung.

Die Fans protestierten auf ihre Weise. «Wir sagen nicht nur ‹schloss› damit, wir sorgen auch mit einem ‹Schloss› dafür», so die Ankündigung. Als das Spiel dann beginnen sollte, hatten die Fans das Tor mit einer Kette abgeriegelt. Ein Ordner musste diese mit einem Bolzenschneider entfernen. Das Spiel begann mit fünf Minuten Verzögerung.

Wer arbeite, schaffe es nicht ans Spiel

Anstatt Vorfreude und Spannung aufzubauen, wurde im Vorfeld der Affiche vor allem eins veranstaltet: Ein unsägliches Theater, monieren die Fans. «Ein Affront gegenüber jedem einzelnen Stadionbesucher.»

Mit einer Kette vor dem Tor und Plakaten protestierten die FCL-Fans.
Mit einer Kette vor dem Tor und Plakaten protestierten die FCL-Fans. (Bild: SRF)

Auf 18 Uhr schaffe es niemand, der nicht unmittelbar in Stadtnähe arbeitet (und direkt vom Büro oder der Baustelle anreist), rechtzeitig ins Stadion. Alternativen wären früher Feierabend zu machen, die Abholung der Kinder neu zu organisieren oder eine Grippe vorzutäuschen. Die Fans sind sauer: «Feierabendverkehr? Who cares! Das vorfreudige Bier, die Diskussionen in der Beiz oder vor dem Stadion? Fehlanzeige! Von den Gästefans aus Bern wollen wir dabei erst gar nicht sprechen.»

Die FCL-Fans klären in ihrem Statement auf, wie die Anspielzeit zu Stande kam. Es hat zu tun mit der Uefa und dem heutigen Champions League Spiel, welches vom SRF auch übertragen wird. Klar fände die Spielzeit keiner gut. Weder die Liga, noch die Clubs und schon gar nicht der FCL. Aber die Verträge und «Partner»-Vereinbarungen seien «halt so».

«Schuld sind die anderen»

Für die Fans ist klar: «Schuld am Schlamassel sind immer ‹die anderen›. Für die Clubs die Liga, für die Liga die Uefa. Niemand will Verantwortung für sein Handeln übernehmen.» Die Ansage der Fans ist klar: «Leute, wer geht alle diese Knebelverträge ein? Wer? Ihr! Hört endlich auf, die Schuld an andere, höhere Stellen und Gremien weiter zu delegieren. Ihr habt es selber in der Hand!»

Auch der FCL scheine sich diesbezüglich nicht ganz klar zu sein. Beim Verein läuten aufgrund des besorgniserregenden Zuschauerschwunds zwar die Alarmglocken, er akzeptiere aber widerstandslos Anspielzeiten, welche genau diesen zusätzlich befeuern. «Zum wiederholten Male zeigt sich: Wenn es darauf an kommt, zieht der FCL den Schwanz ein!» In der vielbeschworenen Vision 2021 proklamiere der FCL selbstbewusst: «Wir haben den Mut zur eigenen Meinung.» Davon sei nichts zu spüren, kritisieren die Fans.

Das «Problem» wurde entfernt.
Das «Problem» wurde entfernt. (Bild: SRF)

Im Gegensatz zum Club nähmen sich die Fans für sich in Kauf, für Werte und Ideale einzustehen. Die Fans boten im Statement dem Club an, den Schlüssel für die Kette zu überreichen. Schliesslich wurde die Kette aber gewaltsam entfernt.

Am Ende ihrer Mitteilung führten die Fans nochmals ein ganzes Paket an Forderungen: 

  • Fangerechte Anspielzeiten (keine Rücksicht auf TV-Zuschauer)
  • Rechtzeitige Kommunikation der Spielansetzungen (höchstens halb- statt vierteljährlich)
  • Stärkung des Cupgedankens (Reduktion der Auflagen für Amateure, Cuppartien am Wochenende, Cupfinal im Wankdorf)
  • Reduktion der Liga-Lizenzvorschriften (insbesondere bzgl. Stadioninfrastruktur)
  • Günstigere Eintrittstickets für alle
  • Anständige Behandlung (auch) von Gästefans
  • Stadionmängel beheben (Treffpunkt, Catering und mehr)

Und vor allem:

  • FCL, steh endlich für deine Ansichten ein!

Das sagt der FC Luzern

Im Interview mit «SRF» sagt Stadionmanager Daniel Böbner zur Aktion: «Das sind Dinge, die scheinbar passieren können.» Man habe eine Kurzbeurteilung gemacht und entschieden, dass die Fanverantwortlichen erst das Gespräch suchen würden. Man entschied daraufhin, keine Sicherheitsleute auf den Platz zu holen. 

Es sei einfach, auf den Platz zu gelangen, so Böbner. Man könne schliesslich nicht 500 Securitas-Angestellte hinstellen. «Wir appellieren an die Vernunft der Fans und an das faire Verhalten. Solche Ereignisse gehören nicht zum Fussball.» Dass Ketten ins Stadion gelangen können, sei auch eine Folge des Einlassprozederes beim FCL. Im Vorfeld habe der FCL nichts gewusst von der Aktion.

SRF-Moderator Rainer Maria Salzgeber kommentierte Böbners Ausführungen als «Bankrotterklärung für die Sicherheit im Stadion.»

x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Mehr Sport