EVZ-Trainer Dan Tangnes beim Verteilen von Autogrammen: Werden diese am Ende der Saison noch gefragter sein? (Bild: EVZ/Philipp Hegglin)
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EVZ-Trainer Dan Tangnes beim Verteilen von Autogrammen: Werden diese am Ende der Saison noch gefragter sein? (Bild: EVZ/Philipp Hegglin)

Die Bewährungsprobe für EVZ-Trainer Dan Tangnes

8min Lesezeit

Cupsieg und der zweite Platz in der Qualifikation der National League: Die Arbeit von Dan Tangnes in seiner ersten Saison als EVZ-Trainer darf sich sehen lassen. Aber ausgerechnet vor dem entscheidenden Teil der Meisterschaft zeigt die Formkurve der Zuger nach unten.

Es ist in den Tagen vor dem ersten Playoff-Viertelfinalspiel gegen Lugano (Samstag, 20 Uhr, Bossard-Arena). Aus den verschiedenen Räumen im Bauch des Zuger Eishockeystadions, wo Fitnessgeräte für die Athletik der Spieler stehen, dringen Geräusche. Gelegentlich schlendert ein verschwitzter Profi im Trainingsanzug durch den Garderobengang.

Dan Tangnes, der Übungsleiter der Zuger, lehnt sich locker an jene Wand, der gegenüber ein Bonmot prangt: «Passion for success», also Leidenschaft für den Erfolg, steht da. Der Norweger gibt sich gelassen, lächelt gerne. Er verzieht auch keine Miene, als er sagt: «Unsere Viertelfinalserie gegen Lugano ist die härteste von allen.»

Vorgeschobene Erklärung für späteres Scheitern?

Ein der Polemik nicht abholder Zeitgenosse erkennt darin eine vorgeschobene Erklärung für ein späteres Scheitern der Zuger in der ersten Playoff-Runde. Erst recht vor dem Hintergrund, dass der EV Zug in den letzten sieben Spielen der Qualifikation nur noch zwei Siege errungen hat. Und sein Trainer mit seinem vorherigen Arbeitgeber Linköping in drei Versuchen daran gescheitert ist, eine Playoff-Serie zu gewinnen.

«Du rennst schneller, wenn ein Tiger hinter dir her ist.»

Dan Tangnes, Trainer des EV Zug

Doch für einen neutralen Beobachter greift diese Sichtweise zu kurz. Es liegt wohl in der Natur des Menschen, dass er nachzulassen beginnt, wenn er nicht mehr alles dafür geben muss, um ein Ziel zu erreichen. «Du rennst schneller, wenn ein Tiger hinter dir her ist», veranschaulicht Tangnes das Problem seiner Mannschaft in den letzten Tagen und Wochen. Er weiss aber nur zu gut, dass es nicht auf Knopfdruck geht, um zu jener Spielweise zurückzukehren, die den EVZ über den Grossteil der Qualifikation ausgezeichnet hat.

Bewertung des EVZ-Schlussspurts ist Kaffeesatz-Lesen

Allerdings lässt er sich deshalb auch nicht ins Bockshorn jagen. Tangnes fragt rhetorisch nach, wie viele Siege es denn im Schlussspurt vor einem Jahr gewesen seien. Fünf an der Zahl. Und trotzdem scheiterte der EVZ unter seinem Vorgänger Harold Kreis an den ZSC Lions, dem späteren Meister und aktuellen Teilnehmer an der Abstiegsrunde. Dafür stiess er 2016/17 mit ebenfalls bloss zwei Siegen in den letzten sieben Spielen bis in den Playoff-Final vor (zentralplus berichtete). 

Es ist Kaffeesatz-Lesen, wie der Schlussspurt der Zuger im Hinblick auf den Viertelfinal gegen Lugano bewertet werden soll. Für Tangnes zählt, dass «wir uns in den letzten sieben Monaten zusammen ein Fundament erarbeitet haben. Und genau da wollen wir nun in den Playoffs mit unserer Arbeit fortfahren.»

Tangnes: «Ausreden wirken sich aufs Team aus»

Der am Sonntag 40 Jahre alt gewordene Norweger war in der Schweiz ein völlig unbeschriebenes Blatt, als er im letzten April den aus einem weiterlaufenden Vertrag wegtransferierten Harold Kreis mit einem Zweijahresvertrag ersetzte. Ein Skandinavier in einem seit jeher kanadisch geprägten Hockey-Unternehmen – die Skepsis war gross. Ein Spötter unter den Journalisten beschrieb Tangnes als «perfekten Gärtner für die Zuger Hockey-Wohlfühloase». Die Klubführung hatte in den letzten Jahren einiges an Erfahrung gesammelt, wie der Misserfolg in salbungsvolle Worte verpackt werden kann.

Wie weit geht die Reise der Zuger in den diesjährigen Playoffs?
Wie weit geht die Reise der Zuger in den diesjährigen Playoffs? (Bild: EVZ/ Felix Klaus)

Doch Tangnes scheint auf einem guten Weg zu sein, die letzten Zweifel an seiner Arbeit aus dem Weg zu räumen. Es war wahrlich kein Spaziergang zu Platz 2 in der Qualifikation. Einige Leistungsträger, zumeist unter den Ausländern, fielen mit happigen Verletzungen wochenlang aus. Dennoch setzte sich der EV Zug mit dem SC Bern vom Rest der Liga ab. Tangnes richtete seinen Fokus nicht auf die Abwesenden, sondern auf die Spieler in seinem Aufgebot. «Wenn man wegen der Verletzten 10'000 Ausreden bringt, wirkt sich das aufs Team aus», sagt er. Stattdessen wies er den fitten Zugern eine grössere Rolle und mehr Verantwortung zu. Davon könne das Team nun in den Playoffs profitieren: «Jetzt haben wir mehr Tiefe im Kader. Alle vier Sturmreihen können Tore schiessen.»

Cupsieg verleiht Selbstsicherheit

Selbst in Zeiten personeller Not erlag Tangnes nie der Versuchung, seine besten Kräfte über Gebühr zu forcieren. Er sagt, er hätte gar keine andere Wahl gehabt. «Wir spielen ein intensives und aggressives Spielsystem. Da muss die Arbeit auf verschiedene Schultern aufgeteilt werden. Alles andere wäre unmenschlich.»

Im Gegensatz zu den Zeiten, als Cheftrainer nordamerikanischer Provenienz das Sagen im EVZ hatten, sind die Batterien der Spieler vor Playoff-Beginn aufgeladen. Das lässt sich aus der Statistik betreffend durchschnittlicher Eiszeit der einzelnen Spieler ablesen, die von der National League erhoben wurde. «Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass wir nicht frisch sein sollten», sagt Tangnes mit einem Lächeln.

«Je konsequenter ein Team verteidigt, umso besser sieht der Goalie aus.»

Dan Tangnes, Trainer des EV Zug

Mit dem Cupsieg im Februar hat er den Zugern den zweiten Titelgewinn in der 52-jährigen Klubgeschichte beschert. Dieser Erfolg ist zwar nicht vergleichbar mit dem ersten und bisher einzigen Meistertitel von 1998, aber er mag dem EVZ die Selbstsicherheit und Zuversicht verleihen, dass er sich in entscheidenden Spielen behaupten und durchsetzen kann.

Stephan zur Nummer 1 erklärt

Personell hat Tangnes auf den Ausländer- und der Goalie-Positionen die Qual der Wahl. Dem Schweden Dennis Everberg und dem US-Amerikaner Garrett Roe gönnte er am Montag gegen Fribourg (2:3 n.P.) freiwillig eine Pause. Dem Schweden Carl Klingberg ist nach seinem Halswirbelbruch noch die fehlende Spielpraxis anzumerken. Der Kanadier David McIntyre geizt nicht mit Fehlzuspielen und unnötigen Strafen, und der US-Amerikaner Brian Flynn pflegt eine unauffällige Spielweise. Vorerst erster Anwärter auf einen Tribünenplatz wird Pontus Widerström sein. Seinen technischen Fähigkeiten sind zu enge Grenzen gesetzt. Welche vier seiner sechs Ausländer er aufstellen wird, sagt Tangnes nicht. «Ich würde es auch nicht tun, wenn ich mir darüber schon im Klaren wäre. Der Gegner liest mit.»

In Sachen Goalie wird Lugano indes keine Überraschung erleben. Tangnes hat sich bereits auf Tobias Stephan festgelegt. «Er ist unsere Nummer 1.» Und das, obwohl der 35-Jährige seiner Form hinterherläuft. Doch diese Kritik lässt Tangnes nicht gelten: «Je konsequenter ein Team verteidigt, umso besser sieht der Goalie aus. Und umgekehrt.» Sollte der EVZ in der Viertelfinalserie gegen Lugano in Not geraten, hat der Chef ja noch Sandro Aeschlimann in der Hinterhand. Der Ersatzgoalie hat mehrfach bewiesen, dass er eine valable Alternative zu Stephan ist.

Denn trotz des positiven Fussabdrucks, den Tangnes bislang in Zug hinterlassen hat, gilt im Schweizer Eishockey seit 1985/86: Das Abschneiden in den Playoffs wird über die Güte der Trainerarbeit entscheiden.

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