Carl Klingberg bei seinem Comeback für den EV Zug gegen Ambri am Dienstagabend. (Bild: zvg/Fabrizio Vignali)
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Carl Klingberg bei seinem Comeback für den EV Zug gegen Ambri am Dienstagabend. (Bild: zvg/Fabrizio Vignali)

Der Schreckmoment beim Comeback von Klingberg

6min Lesezeit

Mit seiner Wucht und seinem Skorerinstinkt ist Carl Klingberg ein Reisser im EV Zug. Am Dienstagabend bei der 3:6-Niederlage gegen den HC Ambri-Piotta gab der 28-jährige sein Comeback nach 21 Spielen Zwangspause. «Ich fühle mich noch etwas rostig», sagte Klingberg hinterher.

Es lief die 50. Minute. Zwei Tore lag der EV Zug im Hintertreffen, als Carl Klingberg zu seiner besten Chance kam. Über die rechte Seite zog der Flügelstürmer mit hohem Tempo auf Daniel Manzato zu, scheiterte aber am Goalie der Leventiner. Darauf prallte er gegen die Bande - und blieb für ein paar Sekunden liegen. Es war ein Schreckmoment, weil der Schwede Ende November in Langnau kopfvoran in die Spielbegrenzung gekracht war. Dabei zog er sich jene Halswirbelverletzung zu, die ihn in seiner dritten Saison für Zug für zweieinhalb Monate von Einsätzen in der National League fernhielt.

Was war denn in dieser Szene los? «Nichts», versicherte Klingberg hinterher, «ich hatte bloss Mühe, mein Gleichgewicht wiederzufinden und auf die Schlittschuhe zu stehen. Mir geht's gut.»

Die Zahlen zu seinem Comeback lesen sich so: über 17 Minuten Eiszeit, Einsätze im Über- und Unterzahlspiel, ein Assist beim zwischenzeitlichen 2:5 durch Dennis Everberg, als die Zuger gar mit zwei Mann mehr agieren konnten. Aber er stand aber auch bei einem Gegentreffer bei personellem Gleichstand auf dem Eis. Wie ist also Klingbergs Comeback einzuordnen? «Ich weiss es nicht», sagte der Spieler selber. «Wenn sie mir die Frage vor drei Monaten gestellt hätten, hätte ich wohl okay gesagt. Aber im Spiel hatte ich das Gefühl, ich sei ein wenig rostig.»

Mein Ziel ist es, mich für einen neuen Vertrag in Zug aufzudrängen.

Carl Klingberg, Stürmer des EV Zug

Die gleiche Frage beantwortete sein Trainer Dan Tangnes so: «Es wäre unfair, ihn aufgrund der Leistung gegen Ambri zu beurteilen. Es war ja auch ein schwieriges Spiel für ein Comeback.»

Swiss League wie «ein Dschungel»

Das kann man wohl so sagen: Nach 8 Minuten und 40 Sekunden lag der EV Zug bereits mit 0:4 hinten. Auf dem Weg zu dieser Vorentscheidung hatten es die Zuger fertig gebracht, während der Zweiminuten-Strafe gegen Ambris Marco Müller gleich zwei Tore in Überzahl zu kassieren. Das ist im Eishockey etwa so selten, wie wenn man in der Lorze einen schönen Goldklumpen fände. «Ich kann mir nicht erklären, warum wir so schlecht gestartet sind. Ich glaubte, wir seien parat, aber Ambri hat uns mit seinem Vollgas-Hockey überrascht.»

Genau genommen ist es für Klingberg das zweite Spiel nach seinem Comeback «light» in der Swiss League. Eine Stufe tiefer hat er am Freitag mit einem Tor und einem Assist für die EVZ Academy den Wegweiser zu einem wichtigen Sieg gegen die GCK Lions, den einzig verbliebenen Konkurrenten im Kampf um einen Playoff-Platz, gespielt. «Ich fühlte mich auch in diesem Spiel noch etwas rostig», blickte Klingberg zurück.

Aber gab es für ihn einen spürbaren Unterschied zwischen seinem ersten Spiel in der Swiss League und der Rückkehr in die National League? Es sei ein gutes Tempo in der Swiss League, aber der grösste Unterschied sei die systematische Defensivarbeit in der höchsten Schweizer Spielklasse. «In der Swiss League ist es wilder, eher wie in einem Dschungel.»

Frölunda-Gerücht wegen «falscher Übersetzung»

Klingberg sagt, dass er nach seiner schweren Verletzung nie Angst gehabt habe, wieder der Spieler zu werden, der er vor dem verhängnisvollen November-Abend war. «Hätte ich das gehabt, hätte ich aufhören müssen. Meine Spiel beruht nicht zuletzt auf physischen Komponenten.» Jetzt gehe es darum, das Timing zu finden, auf die richtige Art in die Zweikämpfe zu kommen und seine Form wieder zu erlangen. «Darauf liegt mein Fokus, und das klappt nur über Ernstkämpfe.»

Sechs Qualifikationsspiele sind es für die zweitplatzierten Zuger noch bis zum Start der Playoffs am 9. März. Klingberg ist mit seiner Wucht und seiner Fähigkeit, die Zuger mitreissen zu können, ein wichtiger Einzelspieler in den Plänen von Trainer Dan Tangnes. Auch wenn diesem mit Garrett Roe, Dennis Everberg, David McIntyre, Brian Flynn und eben Carl Klingberg fünf Ausländer für vier spielberechtigte Plätze zur Verfügung stehen, ist davon auszugehen, dass Klingberg in nächster Zeit fix zum Aufgebot gehören wird. «Ich bin zuversichtlich, dass er bereit ist beim Start zu den Playoffs», sagt Tangnes.

«Das Gerücht wegen meiner möglichen Rückkehr zu Frölunda ist kompletter Unsinn.»

Carl Klingberg, Stürmer des EV Zug

Für Klingberg steht einiges auf dem Spiel. Es geht um seine berufliche Zukunft, weil sein Vertrag mit dem Ende der laufenden Spielzeit ausläuft. EVZ-Sportchef Reto Kläy will erst sehen, wer sich von den Ausländern – nur McIntyre hat einen Vertrag bis 2020 – in den Playoffs bewährt. Darum braucht Klingberg erstens einen Platz im Team und zweitens gute Leistungen in erfolgreichen Spielen. «Mein Ziel ist es, mich für einen Vertrag in Zug aufzudrängen», sagt er, der seit 2016 für den EV Zug stürmt, ohne Wenn und Aber.

Aber was war denn mit dem Gerücht bezüglich seiner möglichen Rückkehr zu seinem Stammverein Frölunda in Göteborg? «Das ist kompletter Unsinn. Ich habe das Interview einer schwedischen Zeitung gegeben. Auf die Frage, ob ich mir vorstellen könne, wieder mal für Frölunda zu spielen, sagte ich ja. Aber mit der einer wichtigen Einschränkung: nicht in den nächsten Jahren. Das muss irgendjemand dann aus dem Schwedischen komplett falsch übersetzt haben.»

Wenn das nicht Musik in den Ohren der EVZ-Fans ist …

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