FCL-Sportchef Remo Meyer hat mit der Entlassung von René Weiler auch seinen Job aufs Spiel gesetzt. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)
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FCL-Sportchef Remo Meyer hat mit der Entlassung von René Weiler auch seinen Job aufs Spiel gesetzt. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Kein Geld für neue Spieler – aber für eine kostspielige Trainerentlassung

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Wer hätte das gedacht? Nach drei Niederlagen in Folge zum Rückrundenauftakt ist René Weiler als Trainer des FC Luzern schon Geschichte. Sportchef Remo Meyer hat offensichtlich einen Machtkampf mit Weiler zu seinen Gunsten entscheiden können. Der FCL geht ein hohes Risiko ein. Eine Analyse.

Das 0:3 am Samstagabend gegen Lugano hat es deutlich vor Augen geführt. Der FCL hat ein Qualitätsproblem. Auf der Goalieposition. In der zentralen Abwehr und in der Offensive. Doch FCL-Sportchef Remo Meyer sah sich nicht veranlasst, die Sorgen seines reputierten Trainers mit dem einen oder anderen Zuzug zu lindern. Ungenutzt liess er die am Freitag um Mitternacht zu Ende gegangene Transferfrist verstreichen (zentralplus berichtete) – und weigerte sich darüber hinaus, seine Position in der Öffentlichkeit darzulegen. Es liegt auf der Hand, dass Weiler das als fehlende Unterstützung der FCL-Führung ausgelegt hat.

Gut 24 Stunden nach der dritten Niederlage im dritten Meisterschaftsspiel verschickt der FCL eine Medienmitteilung. Darin wird Sportchef Remo Meyer so zitiert: «Es hat sich in den letzten Wochen herauskristallisiert, dass zwischen dem Cheftrainer und der sportlichen Leitung des Vereins unterschiedliche Auffassungen betreffend der Qualität des Teams und der weiteren Entwicklung der Mannschaft und des Kaders bestanden. Gemeinsam mussten wir uns eingestehen, dass der begonnene Weg nur schwierig fortgeführt werden kann – und die Trennung deswegen für den Verein die einzige mögliche Lösung ist.»

Warum liess man Weiler in die Rückrunde starten?

Was danach tönt, als wäre die Freistellung Weilers einvernehmlich erfolgt, ist Ausdruck eines Zerwürfnisses zwischen Sportchef (und dessen Protegé im Verwaltungsrat) sowie dem Trainer. Das jüngste Beispiel unterschiedlicher Einschätzungen, was Kader und Spieler betrifft, war die von Meyer betriebene Ausmusterung von Tomi Juric. Der Sportchef wollte den 27-jährigen Mittelstürmer, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, zu einem Wechsel drängen. Weiler hatte Juric im ersten Spiel in Neuenburg noch über die volle Distanz laufen lassen.

Doch Meyer, der ausserordentlich zurückhaltend kommuniziert, sagte damals allen Ernstes: «Wir haben den Entscheid gemeinsam gefällt. Weiler und ich sind ein Team.» Doch Juric hat keinen neuen Verein gefunden. Meyer hat sich auf hilflose Art und Weise ein Problem aufgehalst, das einen mittlerweile verunsicherten FCL bis zum Sommer begleiten wird.

Die sportliche Leitung und Weiler waren schon länger keine Einheit mehr, wie es die offizielle Verlautbarung des Vereins bestätigt. Die Frage ist: Warum hat der in einen freien Fall übergegangene Super-Ligist einen Trainer überhaupt in die Rückrunde starten lassen, wenn es schwerwiegende Differenzen gegeben hat? Und darüber hinaus: Ist man auf dem Transfermarkt untätig geblieben, weil man Geld sparen wollte für eine sich abzeichnende Trainerentlassung?

Weilers Entlassung kostet den FCL mindestens eine Million Franken

Dazu muss man wissen: Weilers Vertrag läuft noch zweieinhalb Jahre bis 2021. Und einem Insider zufolge ist es der teuerste Vertrag mit einem Trainer, den der FC Luzern in diesem Jahrtausend abgeschlossen hat. Mindestens eine Million Franken kostet den FCL die Entlassung Weilers.

Darüber hinaus beinhaltete der Vertrag noch eine ab Sommer gültige Ausstiegsklausel, wie Weiler in einem Interview mit zentralplus gestand. Vor Wochen sagte er auf die Frage, ob der Verein auch einen gewissen Ehrgeiz an den Tag legen müsse, um ihn nicht zu frustrieren: «Es ist richtig, dass ich etwas erreichen will. Und es ist einer Zusammenarbeit sicher förderlich, wenn der Verein einen ähnlichen Ehrgeiz und Geist zeigt.»

Es mag geradezu kurios anmuten, dass der FCL mit seinen Investoren im Hintergrund bereit ist, viel Geld in die Hand zu nehmen für eine Trennung von Weiler. Gleichzeitig war er aber nicht bereit, in neue Spieler zu investieren, die dieser FCL dringend benötigt hätte. Der Vorsprung auf einen möglichen Abstiegsplatz (Barrage-Platz 9) ist auf sechs Punkte geschrumpft. Und die nächsten Gegner heissen FC Zürich und der Tabellenletzte GC. Jeweils auswärts im Letzigrund.

Meyer hat sich unter Hochdruck gesetzt

Droht dem FCL nach einem ordentlichen 2018 die Rückkehr ins Chaos? Bis zum Sonntagabend machten die Luzerner den Eindruck, als ob sie sich nun einer professionellen Führung und einer sportlichen Kontinuität verschrieben hätten. Dieser Beweis ist nun aber wieder neu anzutreten.

Im Gegensatz zum gradlinigen Weiler, der sich international schon einen Namen gemacht hat, muss Meyer erst noch den Beweis antreten, dass er den FC Luzern in eine sportlich erbauliche Zukunft führen kann. Mit dem Entscheid, Weiler zu entlassen, hat sich der Sportchef nun unter Hochdruck gesetzt. Der Neue wird der vierte FCL-Trainer in etwas mehr als einem Jahr sein. Meyers Wahl muss sitzen. Sonst darf er keine Zukunft im FC Luzern haben.

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