Erzürnt: Blessing Eleke ist der dritte FCL-Spieler im dritten Spiel der Rückrunde, der des Feldes verwiesen wird.  (Bild: Martin Meienberger)
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Erzürnt: Blessing Eleke ist der dritte FCL-Spieler im dritten Spiel der Rückrunde, der des Feldes verwiesen wird.  (Bild: Martin Meienberger)

Diese FCL-Krise ist hausgemacht

6min Lesezeit

Dritte Niederlage in der Rückrunde und zum dritten Mal einen Platzverweis kassiert: Der FC Luzern gibt beim 0:3 gegen den FC Lugano ein tristes Bild ab. Wieder leitet ein Goalie-Fehler den Untergang ein. Vergeigt es der FCL mit Trainer René Weiler noch?

Es ist der Tag nach dem Schliessen des Transferfensters in der Schweiz. FCL-Sportchef Remo Meyer schaut dem Treiben auf dem Rasen der Swissporarena mit zuweilen vor der Brust verschränkten Armen zu. Es dürfte ihm nicht gefallen haben, was er zu sehen bekam. Es wirkte so, als habe Meyer die Quittung des Fussball-Gotts für seine erstaunliche Passivität auf dem Transfermarkt verpasst gekriegt. Zum dritten Mal im noch jungen Jahr verloren die Luzerner gegen eine Mannschaft, die nach der Vorrunde noch hinter ihnen klassiert war.

Meyer blieb in der Winterpause untätig, was eine Optimierung des FCL-Kaders betraf. Dabei hielt René Weiler, sein wichtigster Mitarbeiter, unmissverständlich fest, dass die Pause zwischen Vor- und Rückrunde bei jedem Fussball-Team dazu da sei, sich qualitativ zu verbessern. Spieler abzugeben, die keine Rolle mehr in den unmittelbaren Zukunftsplänen des FCL spielen. Und mit dem auf der Lohnliste frei gewordenen Geld Zuzüge zu tätigen, die dem FCL weiterhelfen. Genauso, wie es dem ehrgeizigen Weiler entspricht. Er erwartet, dass sein Arbeitgeber die Vorwärtsstrategie teilt (zentralplus berichtete).

Gegangen ist bloss Valeriane Gvilia nach Polen. Tomi Juric letzte Woche auszumustern und zu einem Abgang aus Luzern zu drängen, erwies sich im Blick zurück als hilflose Aktion Meyers.

Salvi verpatzt seine Bewährungschance

Weiler meldete nach der Verletzung von Stefan Knezevic Bedarf in der Innenverteidigung und auf dem Flügel an. Zudem ist die Baustelle zwischen den FCL-Pfosten schon seit Herbst ausgeschildert (zentralplus berichtete). Mit Mirko Salvi für den zum FC Basel gezogenen Stammgoalie Jonas Omlin hat Meyer im Sommer einen untauglichen Ersatz verpflichtet. 

Es ist darum geradezu eine Konsequenz, dass auch der zweite Heimauftritt der Luzerner in dieser Woche nach einem ähnlich gestalteten Drehbuch ablief. Wie gegen Sion am Mittwoch (1:3), als noch Dave Zibung das FCL-Tor hütete, riss ein Goalie-Fehler die Gastgeber ins Elend. Es wäre Mirko Salvi unbenommen gewesen, die Flanke, die Armando Sadiku aus kurzer Distanz zur Führung verwertete (32.), vom Himmel zu pflücken. Denn der von Carlinhos Junior geschlagene Ball lag eine gefühlte Ewigkeit in der Luft.

Salvi hat seine erste Bewährungschance seit dem 30. September 2018 verbockt. Auch an den beiden weiteren Treffern der Tessiner zur definitiven Siegsicherung trägt der 25-Jährige die Hauptschuld. Es mag Ausdruck der Verzweiflung gewesen sein, dass Weiler hinterher das Thema herunterzuspielen versuchte: «Vielleicht haben unsere Goalies nicht das Spielglück.» Er weiss genau, dass es eine Frage der Qualität ist. Aber das kann Weiler in der aktuellen Situation seines Teams und erst recht in der Öffentlichkeit nicht so formulieren.

Eine Kapitulationserklärung

Was ein fähiger Rückhalt für seine Mannschaft wert ist, demonstrierte Noam Baumann auf der Gegenseite. Der in Luzern seinerzeit für untauglich befundene Junior und aktuelle Lugano-Goalie (zentralplus berichtete) ermöglichte seinen Vorderleuten erst einen für sie positiven Spielausgang. «Wir hätten in den ersten 20 Minuten mindestens zwei Tore machen müssen», kritisierte Weiler. Aber es sei halt auch ein bisschen Pech dabei gewesen, ergänzte er, bevor er bekannte: «Wir hätten es im Abschluss auch besser machen können.» Im Tor des Gegners stand halt ein echtes Hindernis.

Aber es kann freilich auch anderen Teams als dem FCL passieren, dass es nicht so läuft wie nach Plan. Dann ist die Frage, was der Trainer ins Spiel werfen kann. Auf der Bank der Luzerner sassen Ersatzgoalie Dave Zibung, der noch lange nicht fitte Aussenverteidiger Claudio Lustenberger, der ineffiziente Mittelfeldspieler Olivier Custodio, der verletzt geholte Mittelfeldspieler Tsiy William Ndenge, der ebenfalls noch eingesetzte Stefan Wolf, der lange keine Rolle mehr spielende Innenverteidiger Yannick Schmid und der gegen Sion wegen einer frühen FCL-Unterzahl müde gelaufene defensive Mittelfeldspieler Idriz Voca.

Das ist eine Kapitulationserklärung. Da hat selbst der FC Lugano mehr zu bieten. 

Gebracht hat der FCL-Trainer Custodio (66.) und nach dem 0:2 Schmid (78.) sowie zum ersten Mal überhaupt Ndenge (84.). Die Einwechselspieler hatten, wen mag es verwundern, null Einfluss aufs Spiel.

Wenn der FCL-Säckelmeister aufjaulen könnte

Entscheidenden Einfluss auf das Resultat hatte in diesem Jahr stets, wie der FCL seine Ernstkämpfe zu beenden pflegt. Nämlich stets mit einem Mann weniger. In Neuenburg (1:2) bekam Simon Grether, zu Hause gegen Sion (1:3) Ruben Vargas und nun gegen Lugano Blessing Eleke zwei gelbe Karten in zwei Halbzeiten gezeigt. «Nachdem wir nun zum dritten Mal ohne Punkt geblieben sind, haben wir es auch zum dritten Mal nicht geschafft, ein Spiel in Vollbestand zu beenden. Das gibt mir schon zu denken», hielt Weiler fest. Das darf es auch.

Das triste Bild, das der FCL in diesen Tagen und Wochen abgibt, will sich offensichtlich auch die potenzielle Kundschaft der Swissporarena nicht mehr antun. Am Mittwoch waren es nicht mal 7’300 Zuschauer, am Samstag gut 7’700. Da könnte der Säckelmeister der Luzerner bei einem budgetierten Durchschnitt von 10’000 zahlenden Besuchern aufjaulen.

Die nächsten Spiele wird der FC Luzern im Letzigrund bestreiten. Erst am Sonntag gegen den FC Zürich, dann gegen die abstiegsgefährdeten Grasshoppers. Danach steht der Cup-Viertelfinal zu Hause gegen Meister und Leader YB an.

Die Frage angesichts der hausgemachten Krise ist: Vergeigt es der FCL mit Weiler? 

 

 

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