Der Schwede Dennis Everberg (links) und der Amerikaner Brian Flynn bejubeln das 1:0 der Zuger im letzten Heimspiel gegen die ZSC Lions. (Bild: EVZ/Fabrizio Vignali)
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Der Schwede Dennis Everberg (links) und der Amerikaner Brian Flynn bejubeln das 1:0 der Zuger im letzten Heimspiel gegen die ZSC Lions. (Bild: EVZ/Fabrizio Vignali)

Sechs Ausländer für vier Plätze – wer empfiehlt sich für neuen Vertrag?

6min Lesezeit

Nicht immer schaffte es der Cupsieger in dieser Saison, vier einsatzfähige Ausländer aufs Eis zu schicken – wegen der vielen Verletzten. Mit der bevorstehenden Rückkehr des Schweden Carl Klingberg hat EVZ-Trainer Dan Tagnes plötzlich die Qual der Wahl: Er muss mindestens einen Ausländer auf die Tribüne schicken.

Es ist ein Kuriosum: Der ausländische Stürmer, der vor Saisonbeginn als Verstärkung für die zweite EVZ-Mannschaft vorgesehen war, hat bislang am meisten Einsätze aller Zuger Söldner für den aktuellen Leader der National League. In seinen 33 Spielen machte Pontus Widerström fünf Tore und fünf Assists. Und das ist angesichts seines überschaubaren Talents in der Offensive eine respektable Bilanz. Nun ist der 24-jährige Schwede wieder an seinem Bestimmungsort im Einsatz: Er kämpft mit der EVZ Academy um den Einzug in die Playoffs der Swiss League. Dafür muss sie in den letzten beiden Spielen noch die achtplatzierten und vier Punkte vor ihr liegenden GCK Lions überholen. Sonst ist Saisonende.

Die Geschichte um Widerström macht deutlich, wie gross die Not der Zuger auf den Ausländerpositionen in der National League war. Am zweitmeisten Spiele machte bisher Garrett Roe (26 von aktuell 42). Ihm folgen Dennis Everberg (25), David McIntyre (23), Carl Klingberg (22) und Brian Flynn (7). Dennoch kämpfen die Zuger gegen den SC Bern um den Qualifikationssieg. Das ist ein deutlicher Hinweis auf die Qualität der Schweizer Spieler im EVZ.

Everberg, der schwedische Weltmeister, ist der Ersatz für den Ende Oktober nach Omsk verkauften Landsmann Viktor Stalberg. Und Flynn wurde vor gut drei Wochen geholt, als McIntyre und Klingberg gemeinsam ausgefallen waren.

Playoff entscheidet über eine weitere Zusammenarbeit

Mit den Zuzügen von Leonardo Genoni (SCB), Grégory Hofmann (Lugano) und Jérôme Bachofner (ZSC Lions) und den Abgängen von Tobias Stephan (Lausanne), Reto Suri, Dominic Lammer (beide Lugano) sowie Fabian Haberstich (noch kein neuer Arbeitgeber) herrscht im EVZ für nächste Saison Klarheit, was die Schweizer Spieler betrifft. Bei den Ausländern sieht das anders aus. Von den sechs aktuellen Söldnern besitzt nur David McIntyre einen über diese Saison hinaus gültigen Vertrag (2020). Die anderen müssen sich in dem nun beginnenden Konkurrenzkampf um die vier Plätze in der Aufstellung durchsetzen und dann im Playoff Leistung abliefern, wenn sie sich für eine weitere Zusammenarbeit mit ihrem bisherigen Arbeitgeber aufdrängen wollen. EVZ-Sportchef Reto Kläy spürt in der Ausländerfrage keinen Zeitdruck zu handeln, wie er selber sagte.

«Die überzähligen Ausländer werden das Team unterstützen und keinen Stunk machen.»

Reto Kläy, Sportchef des EV Zug

So präsentiert sich der Ausländerkampf um die vier EVZ-Plätze vor dem Playoff-Start am 9. März:

  • Dennis Everberg: Der 27-jährige und 1,93 Meter grosse Flügelstürmer ist ein steter Gefahrenherd fürs gegnerische Tor. Der Schwede lässt dem Gegner keine ruhige Sekunde. 8 Tore und 13 Assists in 25 Spielen sind eine ansprechende Quote. Seine Karriere hat Tangnes schon in der Zeit bei Rögle BK geprägt. Everberg scheint einen der vier Ausländerplätze auf sicher zu haben. 
  • Brian Flynn: Der 30-jährige Amerikaner ist ein unscheinbarer Spieler. Doch bringt er es in sieben Spielen auch auf zwei Tore und drei Assists. Sein grösster Vorteil, dass er als Flügel und Center einsetzbar ist. Er scheint in der Favoritenrolle auf den Tribünenplatz zu sein.
  • David McIntyre: 5 Tore und 13 Assists sind für einen Zweiweg-Stürmer keine schlechte Zwischenbilanz. Doch sie sagt nur die halbe Wahrheit über den 32-jährigen Kanadier. Er produziert zu viele Scheibenverluste, die zu Gegentoren führen. Und darüber hinaus holt er sich immer wieder sinnlose Strafen. Deshalb sind seine Aktien beim Trainer im Sinkflug. Doch ausgerechnet er hat einen weiterlaufenden Vertrag. Kläy nimmt ihn in Schutz: «Die Verletzungen haben ihn der Form beraubt. Aber er ist nicht der einzige im Team, der noch nicht im Flow ist.»
  • Carl Klingberg: Wird der 28-jährige Schwede wieder der Antreiber und Aggressivleader, der er vor seiner schweren Verletzung (Halswirbel) Ende November war? Einen ersten Anhaltspunkt gibt es vielleicht schon am Freitag gegen die SCL Tigers (19.45 Uhr, Bossard-Arena). Wenn ja, ist dem Flügel ein Platz im Team der Zuger auf sicher. Und auch eine Vertragsverlängerung, wenn Klingberg nicht zu seinem Stammklub Frölunda zurück will.
  • Garrett Roe: Ist der 30-jährige Center ein König in der Qualifikation und ein Bettler im Playoff? Die Statistiken des nur 1,73 Meter grossen Amerikaners bei seinen letzten drei Arbeitgebern lassen darauf schliessen. Roe ist ein feiner Techniker mit guter Vista – aber ohne Durchschlagskraft nützt ihm das im Playoff nichts. Er wird vorerst einen Platz im Team haben.
  • Pontus Widerström: Für weitere Einsätze im Tangnes-Team wird er höchstens noch in Frage kommen, wenn wieder Not am Mann sein sollte unter den EVZ-Ausländern. Und die EVZ-Academy in der Swiss League den Kampf um den Playoff-Einzug verliert. Letzteres ist spätestens am Sonntag bekannt.

Kläy: «Es sind alles gute Charaktere»

Ein weiterer Ausländer wird aller Voraussicht nach nicht mehr in Zug eintreffen. Diese Tendenz ist in Kläy am Mittwoch gereift (zentralplus berichtete). Er freut sich auf den Konkurrenzkampf unter den Ausländern um die vier einsatzberechtigten Plätze: «Es geht darum, die optimale Zusammensetzung im Hinblick auf die Playoffs herauszufinden.»

Die Befürchtung, dass sich der Konkurrenzkampf unter den Ausländern negativ auf die Teamchemie der Zuger auswirken könnte, hegt Kläy nicht. Klar seien jene, die nicht spielen, nicht happy mit ihrer Situation. «Aber es sind alle gute Charaktere, die das Team unterstützen und keinen Stunk machen werden.»

 

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