Jubel über eines der fünf Tore des EVZ. (Bild: Fabrizio Vignali)
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Jubel über eines der fünf Tore des EVZ. (Bild: Fabrizio Vignali)

«EVZ allez» – so feierten die Zuger in der Bossard-Arena

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In 46 Cars reisten die Zuger Fans am Sonntag nach Rapperswil, um den Cupsieg ihres Teams live mitzuverfolgen. Doch auch in Zug wurde mitgefiebert: Über 2'000 Fans fanden den Weg ans Public Viewing in der Bossard-Arena. Wo die Stimmung fantastisch war – und es nur in einem Moment richtig still blieb.

Elias Wyrsch

Seit 21 Jahren hat der EVZ keinen Titel mehr gewonnen – das änderten die Zuger mit dem Sieg des Cufinale diesen Sonntag gegen Rapperswil (zentralplus berichtete).

Wer das Spiel vor Ort verfolgen konnte, durfte sich glücklich schätzen. Denn ein Platz war schwierig zu ergattern. 1'200 Tickets gab es für die Zuger, diese waren innert sechs Minuten ausverkauft. Und so machten sich die Glücklichen am Sonntag in 46 Cars auf den Weg über den Hirzel nach Rapperswil.

Doch nicht nur die Fans im Stadion der Lakers konnten live mitfiebern, sondern auch die Besucher in der Zuger Bossard-Arena. Dort wurde ein Public Viewing eingerichtet, dem auch zentralplus beiwohnte.

Welcher Tag ist heute?

Am Eingang werden penibel alle Rucksäcke durchsucht, Getränke dürfen keine mit ins Stadion genommen werden. Drinnen wird man durch eine Live-Band aus Salzburg mit «Atemlos» von Helene Fischer begrüsst.

Die Fenster in der Arena sind abgedunkelt, in kürzester Zeit vergisst man, dass es nicht Samstagabend, sondern Sonntagnachmittag ist. «Der beste Sonntagnachmittag aller Zeiten», ruft ein Zug-Fan, als er die erste Drittelspause zur Rauchpause nutzt.

Einem gewohnten Eishockeyspiel in der Bossard-Arena ähnelt das Public Viewing kaum, es erinnert eher an ein Volksfest. Die Fläche, auf der normalerweise die Spieler dem Puck hinterherkurven, hat nichts mehr vom eigentlichen Eisfeld. Sie ist mit Holz isoliert und mit einem blauen Teppich bezogen. Darauf stehen zahlreiche Festbänke, an denen sich die Fans ihr Bierchen genehmigen.

«Eo eoo, eo eooo.»

Alle

Der Bildschirm könnte etwas grösser sein, hört man einige sagen. Grundsätzlich wirken aber alle zufrieden, als das Spiel um 14.45 Uhr beginnt. Für den Schweizerpsalm erheben sich die meisten Fans brav. Doch viel Zeit für Heimatgefühle bleibt nicht: Wenige Minuten später fällt schon das erste Tor für den EVZ, die Menge tobt.

zentralplus hat sich zu einer Gruppe gesellt, die darum bemüht ist, dass kein Becher auf dem Tisch leer wird. Auch unser Becher wird fortlaufend mit Bier aufgefüllt, ob wir wollen oder nicht. Noch bevor wir protestieren könnten, fällt das zweite Goal für die Zuger. Und wieder stehen alle auf den Bänken, klatschen sich gegenseitig ab und singen «Eo eoo, eo eooo» zum Tor-Song mit.

Die Menge eskalierte bei jedem Zuger Tor mehr.
Die Menge eskalierte bei jedem Zuger Tor mehr. (Bild: ewy)

Die Kommentare der Fans während des Spiels sind ohnehin meist simpler Natur. «Hey», ist der vermutlich meist gehörte Ausdruck des Nachmittags, gleich nach «EVZ allez», mit dem die Fans ihre Mannschaft anfeuern.

Als Brian Flynn eine Strafe kassiert, machen viele Besucher des Public Viewing lautstark ihrem Unverständnis Luft. Auch wenn weder Schiedsrichter noch einer der Spieler das hören kann. «Ich mache das deshalb nicht, ich klatsche auch nicht, das hört sowieso keiner», meint Zuschauer Fridolin Hofmann trocken dazu.

Drei Sekunden der Eskalation

Das dritte Tor des EVZ wird von den Rapperswilern angezweifelt. Die Zuger sind sich aber sicher und feiern entsprechend das Urteil des Fernsehmoderators, der die Zuger Einschätzung teilt. «Nice try, würde man auf Englisch sagen», sagt einer.

Nach dem ersten Drittel steht fest: Der EVZ hat mit dem Dreitorevorsprung gute Aussichten auf den Titel. Umso emotionaler sind die Fans. Laut wird es auch, als das Schweizer Fernsehen für rund drei Sekunden live in die Bossard-Arena schaltet. Es wird geschrien und gejubelt, und die Stimmung eskaliert innert Kürze, nur um dann in einem Bruchteil einer Sekunde wieder abzuebben. Die Besucher wollen ja weiter den Match schauen.

«Keine Zigarette, jetzt gibt es einen Siegesstumpen.»

Lukas Barmettler, Fan

Und was sie dann zu sehen gekommen, gefällt kaum jemandem. Es fällt das letztlich einzige der sechs Tore, bei dem die Menge in der Bossard-Arena still bleibt. Im zweiten Drittel verkürzen die St. Galler auf 1:3, während der EVZ in diesem Abschnitt gar nicht punkten kann. «Das war jetzt ein bisschen langweilig», meint Fan Jakob Schnider dazu.

Der Countdown

Im letzten Drittel geben die Zuger aber nochmals Vollgas. Beim vorentscheidenden 4:1, das dem EVZ den Titel schon fast sichert, rastet die Menge aus. Das Schauspiel wiederholt sich beim 5:1 – denn nun steht fest, dass der Sieg im Trockenen ist.

Drei, zwei, eins – die Zuger Fans zählen den Countdown rückwärts, um dann noch mal mit voller Kraft zu jubeln, zu schreien, zu tanzen und zu feiern. Die Freude ist so gross, dass keine Rücksicht auf Verluste genommen wird. Bierbecher fallen um, Hosen werden mit Bier überschüttet – doch das alles ist zweitrangig.

21 Jahre haben die Zuger darauf gewartet. «Es kommt ein Titel nach Zug!», schreit der Moderator ins Mikrofon und heizt die Menge damit nochmals richtig an.

Lukas Barmettler gönnte sich einen «Sieges-Stumpen»
Lukas Barmettler gönnte sich einen «Sieges-Stumpen» (Bild: ewy)

Während die einen nach dem Abpfiff eine Rauchpause brauchen, sagt Lukas Barmettler freudig: «Nein, keine Zigarette, jetzt gibt es einen Siegesstumpen.» Genüsslich zündet er sich diesen an. Nun warten die Fans in der Bossard-Arena auf ihr Team. Bei Bier, Livemusik und guten Gesprächen vergehen die zwei Stunden im Nu.

Grosses Finale

Und dann ist es so weit: Ein letztes Mal toben die Zuger Fans, als jeder Spieler einzeln willkommen geheissen wird. Die Musik ist ohrenbetäubend laut, doch die Fans noch lauter. Der EVZ versetzt mit seinem Sieg die ganze Bossard-Arena in Ekstase. Wer hätte nach dem Spiel gedacht, dass sich die Euphorie noch steigern lässt!

Die Zuger Spieler werden in der Bossard Arena frenetisch gefeiert.
Die Zuger Spieler werden in der Bossard Arena frenetisch gefeiert. (Bild: ewy)

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