FCL-Trainer René Weiler (links) im lockeren Gespräch mit Offensivspieler Ruben Vargas während des Trainingslagers in Spanien. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)
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FCL-Trainer René Weiler (links) im lockeren Gespräch mit Offensivspieler Ruben Vargas während des Trainingslagers in Spanien. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

René Weiler: «Eigenverantwortung versuche ich täglich zu fordern und zu fördern»

6min Lesezeit

Der im Sommer neuverpflichtete FCL-Trainer René Weiler und die Spieler arbeiten nun seit gut einem halben Jahr zusammen. Bevor es am Sonntag in der Super League wieder losgeht, sagt der 45-Jährige, was geschehen muss, dass er zum Saisonende mit sich und seiner Mannschaft im Reinen ist. Und wie er die Spieler in der täglichen Arbeit weiterbringen will.

Mit zwei Siegen zum Abschluss der Vorrunde hat sich der FC Luzern eine ruhige Winterpause erarbeitet. Am Sonntag wartet im ersten Pflichtspiel des Jahres 2019 der FC Sion (16 Uhr, Swissporarena). Die Mannschaft des früheren FCL-Trainers Murat Yakin ist neben dem FC Zürich und dem FC Thun einer von drei Gegnern, gegen die der FCL in bislang zwei Direktduellen noch keinen Punkt ergattern konnte.

zentralplus: René Weiler, bei Juventus hat Cristiano Ronaldo die Mannschaft nicht nur auf dem Platz besser gemacht, sondern sie mit seiner fast schon ungeheuren Professionalität auch in der täglichen Arbeit mitgerissen. Haben Sie seit ihrem Jobantritt in Luzern etwas in Sachen Eigendynamik im Team anstossen können?

René Weiler: Ich setze viel auf Eigenverantwortung – auf und neben dem Platz. Die Spieler müssen auch auf dem Platz in der Lage sein, schnelle Entscheidungen zu treffen, ohne dabei Anweisungen zu erhalten. Dies versuche ich täglich zu fordern und zu fördern.

«Ich will elf Spieler haben, die Verantwortung übernehmen.»

zentralplus: Wer hat Ihrer Meinung nach im FCL das Potenzial, ein Reissertyp zu werden?

Weiler: Ich glaube, es sind einige Spieler dabei, die das Potenzial dazu haben. Allerdings ist es wie mit der Captainfrage: Auch hier will ich elf Spieler haben, die Verantwortung übernehmen. Und das verlange und erwarte ich auch von einem Reissertypen.

zentralplus: Was muss in der Rückrunde passieren, damit Sie am Ende sagen können, Sie seien mit sich und dem Team im Reinen?

Weiler: Wir müssen in der Meisterschaft noch konstanter werden. Und es muss uns gelingen, das Spiel grösstenteils zu bestimmen. Ich möchte eine Mannschaft, die kreativ und aktiv spielt. Gegen klar bessere Gegner wie YB oder Basel werden auch wir nicht darum herumkommen, mit einer defensiveren Ausrichtung zu agieren. Aber mir ist wichtig, dass die Zuschauer dem FC Luzern gerne zusehen, weil eine Mannschaft spielt, die engagiert ans Werk geht.

zentralplus: Worin sehen Sie ihre wichtigste Aufgabe auf diesem Weg?

Weiler: Ich sehe mich vor allem als Fussball-Lehrer für junge Spieler. Ich will jeden Spieler weiterbringen, damit er die Grundvoraussetzungen dafür erlangt, seinen eigenen Weg in die Zukunft zu gestalten. Daran orientiere ich mich. Und nicht an Resultaten.

«Für mich ist das schnelle Köpferollen im Trainerbusiness eine Zeiterscheinung und oft ein Anzeichen für mangelnden Realitätssinn.»

zentralplus: Aber wie wollen Sie diese Denkweise dem ganz gewöhnlichen Fussball-Konsumenten beibringen?

Weiler: Sie erinnern sich bestimmt: Der FC Aarau hat vor dieser Saison massiv in sein Spielerkader investiert, um den Aufstieg in die Super League zu realisieren. Und was passierte? Er startete mit null Punkten aus sechs Spielen. Heute sind sie im Verein froh, dass sie den Trainer (ex-FCL-Assistent Patrick Rahmen, Anm. d. Red.) behalten haben. Dafür bewundere ich Aaraus Sportchef Sandro Burki. Er hat in seiner Verantwortung Weitsicht bewiesen und sich nicht einfach bloss an den nackten Resultaten orientiert. Für mich ist das schnelle Köpferollen im Trainerbusiness eine Zeiterscheinung und oft ein Anzeichen für mangelnden Realitätssinn.

zentralplus: Konkretes Interesse hat in der Winterpause kein anderer Verein an Spielern des FC Luzern gezeigt. Würden Sie folglich die Einschätzung teilen, dass Ihre Mannschaft zwar sehr willig, aber auch ziemlich talentfrei ist?

Weiler: Nein, da stimme ich mit Ihnen überhaupt nicht überein. Jeder Spieler in unserem Kader besitzt genug Talent. Die Frage ist bloss, was er daraus macht. Jeder hat die Möglichkeit, sein Maximum auszuloten. Bei uns geht das über jedes einzelne Training und jedes einzelne Spiel.

zentralplus: Ein paar Baustellen in Ihrem Team sind nach wie vor nicht behoben. Mit der Vertragsverlängerung von David Zibung um eine weitere Saison hat sich Sportchef Remo Meyer zumindest ein halbes Jahr mehr Zeit gegeben, eine fähige Nummer 1 nach Luzern zu holen, dem man den Stammplatz ruhigen Gewissens anvertrauen kann.

Weiler: Das ist Ihre Sichtweise, die ich so nicht ganz teile. Wir haben mit Loïc Jacot einen jungen, talentierten Goalie, mit Mirko Salvi einen Leihspieler und mit David Zibung einen Routinier, der in vielerlei Hinsicht helfen kann.

zentralplus: Und was ist mit Francisco Rodriguez und Tomi Juric? Sie haben den FCL nicht verlassen, obwohl sie unter ihrer Führung nur noch eine untergeordnete Rolle spielen.

Weiler: Francisco Rodriguez ist im Moment leicht angeschlagen. Tomi Juric hingegen hat kein Training in der Vorbereitung verpasst. Ich gehe davon aus, dass beide die Rückrunde mit uns bestreiten und die Chancen ergreifen werden, die sich ihnen bieten.

zentralplus: Juric entschärft das Problem auf der Mittelstürmer-Position, indem er eine Option mehr darstellt.

Weiler: Wir haben mit Shkelqim Demhasaj, Blessing Eleke und Tomi Juric drei Spieler im Zentrum, die sich voneinander unterscheiden. Und gleichzeitig stellen sie auch eine Ergänzung zueinander dar. Sie alle haben aber auch noch Potenzial nach oben.

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