Höhere Präsenzzeiten und nicht selten weniger Salär als in der Privatwirtschaft: EVZ-CEO Patrick Lengwiler redet über das, womit ein Geschäftsleitungsmitglied im Sportbusiness leben muss. (Bild: sib)
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Höhere Präsenzzeiten und nicht selten weniger Salär als in der Privatwirtschaft: EVZ-CEO Patrick Lengwiler redet über das, womit ein Geschäftsleitungsmitglied im Sportbusiness leben muss. (Bild: sib)

EVZ und FCL mit Personalsorgen: Wo liegt das Problem?

6min Lesezeit

Wie der EV Zug, so der FC Luzern: Beide Zentralschweizer Vorzeigevereine im Eishockey und Fussball haben sich letztes Jahr von leitenden Angestellten getrennt. Ist es wirklich so schwierig, die richtigen und fähigen Leute für das Sport-Business zu rekrutieren?

Gut fünf Monate nach seinem Stellenantritt war schon wieder Schluss. Tom Markwalder, Leiter Marketing/PR und Verkauf, und der EV Zug trennten sich Anfang Dezember. «Für einen Auswärtigen ist es nicht einfach, in unsere Welt reinzufinden. Wir haben über 200 Sponsoren und Partner. Der EVZ ist lokal verankert, da konnte Tom Markwalder sein Beziehungsnetz nicht ausspielen», blickt EVZ-CEO Patrick Lengwiler zurück.

Eine Massnahme, die Verunsicherung im siebenköpfigen Marketing- und Verkaufsteam, das mit personellen Veränderungen konfrontiert war, ausgelöst hat. Darum übernahm der CEO die Bereichsleitung gleich selber. «Ich will mir selber ein Bild machen und die Strukturen wieder setzen, statt gleich einen neuen Leiter für dieses Team zu engagieren. Mit der Neubesetzung lasse ich mir darum die notwendige Zeit.»

Auch der FCL kann ein Liedchen davon singen

Auch beim FC Luzern kann man ein Liedchen singen von unvorteilhaften Personalentscheiden für den Geschäftsleitungsbereich. CEO Marcel Kälin wurde Ende März 2018 gefeuert, und nach acht Monaten haben sie mit Lukas Troxler einen Mann als stellvertretenden Geschäftsführer geholt, der bei seinem vorletzten Arbeitgeber einen Millionenverlust verursacht hat (zentralplus berichtete).

«Es gibt immer weniger Arbeitnehmer, die wirklich Verantwortung und das damit einhergehende Engagement übernehmen wollen.»

Patrick Lengwiler, CEO des EV Zug

Was macht es so schwierig, geeignetes Führungspersonal für ein in der Öffentlichkeit stehendes Sportunternehmen zu finden?

Lengwiler sieht es als «grosse Herausforderung». Er unterscheidet zwischen den Bewerbern, die es unter allen Umständen ins Sportbusiness zieht. Und denen, die aus falschem Anreiz «das Scheinwerferlicht suchen», das der professionelle Mannschaftssport bietet. «Dabei muss man sich im Klaren sein, dass eine Führungsfunktion im Sportbusiness sehr fordernd ist.»

Nur noch selten ein freies Wochenende

Gerade als Leiter Marketing und Verkauf beim EVZ. Er muss bei Sponsorenanlässen und Heimspielen Präsenz markieren. Das Resultat ist, dass man über mehrere Wochen kein freies Weekend mehr hat. «Es ist wie bei einem Wirt und seiner Beiz. Da erwarte ich als Kunde auch, dass der Wirt da ist, wenn ich komme», veranschaulicht Lengwiler.

Deshalb ist es eine Grundvoraussetzung für die Übernahme eines Kaderjobs im Sportbusiness, dass die Familie dahinterstehen und damit leben kann. Und Lengwiler weiss: «Je nach Bereich wird man in der Industrie in aller Regel bei gleichen Qualifikationen besser bezahlt als in einem professionellen Sportklub  – und hat erst noch geregelte Arbeitszeiten.»

Markanter Rückgang bei den Bewerbungen

Wie der FCL im Fall von Troxler liess sich der EV Zug während des Bewerbungsprozesses für einen neuen Leiter Marketing/PR und Verkauf von auswärtiger Fachstelle helfen. Lengwiler: «Die Bewerbungen, die eintreffen, muss man ja auch abarbeiten, sichten und letztlich filtern. Das ist viel Arbeit. Den Entscheid, Tom Markwalder zu engagieren, haben aber letztlich wir getroffen. Es war eine Fehleinschätzung.»

Interessant ist, dass sich der Rücklauf an Bewerbungen bei der Suche nach dem neuen EVZ-Kadermitglied innerhalb von sechs Jahren um rund 60 Prozent verringert hat. Als die Zuger 2012 Marco Baumann als Leiter Marketing und Verkauf verpflichteten, «hatten wir über 200 Bewerbungen», so Lengwiler. Als es letztes Jahr darum ging, Baumanns Nachfolger zu ernennen, «waren es noch 80». 

Die Frage nach dem Warum interessierte selbstredend auch Lengwiler: «Unsere Fachkraft begründete es damit, dass der EVZ vor sechs Jahren noch grosse Entwicklungsmöglichkeiten hatte, das Volumen kleiner war als dies heute mit 120 Festangestellten und rund 30 Millionen Franken der Fall ist. Deshalb trauten sich diese Aufgabe immer weniger Fachkräfte zu.» Lengwilers Beobachtung des Arbeitsmarktes lässt ihn aber auch glauben, dass «es immer weniger Arbeitnehmer gibt, die wirklich Verantwortung und das damit einhergehende Engagement übernehmen wollen. Deshalb gibt es auch den starken Trend zu Teilzeitjobs.»

Seit Beginn dieses Jahres für den FC Luzern im Einsatz: Der designierte Geschäftsführer Lukas Troxler muss neue Geldquellen für den Super-Ligisten erschliessen.
Seit Beginn dieses Jahres für den FC Luzern im Einsatz: Der designierte Geschäftsführer Lukas Troxler muss neue Geldquellen für den Super-Ligisten erschliessen. (Bild: Screenshot SRF)

Beim FCL steht Troxler unter Druck

Es ist aber auch eine Realität, dass weder der EV Zug noch der FC Luzern bei der Sponsorensuche noch grosse Würfe landen können. Sie haben ihr Potenzial in ihrem Einzugsgebiet nahezu ausgeschöpft. «Bei uns geht es vor allem um die Weiterführung der guten Arbeit und der guten Sponsorenbeziehungen», bestätigt Lengwiler. «Insbesondere im digitalen Bereich haben wir Ausbaupotenzial, dies aber im überschaubaren Rahmen.» Mit dem millionenschweren Präsidenten Hans-Peter Strebel an der Spitze des EVZ ist der finanzielle Druck ungleich kleiner als beim FCL.

Als Philipp Studhalter, VR-Präsident des FC Luzern, im letzten November begründete, warum die Wahl auf Lukas Troxler als designierten Geschäftsführer fiel, sagte er: «Wir erhoffen uns einen sofortigen Effekt auf unsere Verkaufsstärke.» Das heisst: Troxler, seit Anfang Jahr an der Arbeit, muss liefern. Unverzüglich.

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