Die Gala von Raphael Diaz (links) im letzten Heimspiel gegen den HC Davos mündete in einen Klubrekord: EVZ-Teamkollege Dominic Lammer gratuliert gerne. (Bild: Bild EV Zug)
Sport

Die Gala von Raphael Diaz (links) im letzten Heimspiel gegen den HC Davos mündete in einen Klubrekord: EVZ-Teamkollege Dominic Lammer gratuliert gerne. (Bild: Bild EV Zug)

Diaz schnappt sich den Rekord

5min Lesezeit

Seit letztem Samstag und dem 5:3 gegen Davos ist er der Verteidiger mit den meisten Punkten in der Vereinsgeschichte: Raphael Diaz' zwei Tore und der Assist waren die Punkte 254, 255 und 256 für den EV Zug. Auch in einem anderen Punkt gehört er zu den besten drei im Team des aktuellen Vizeleaders der NL-Qualifikation .

Es war vor 16 Jahren. Meistertrainer Sean Simpson fing sein zweites Engagement als Coach des EV Zug an und die Stars im Team hiessen Paul Di Pietro, Chris Tancill und NHL-Legende Claude Lemieux, der kurz vor Playoff-Beginn 2003/04 verpflichtet wurde. Damals betrat ein 17-jähriger Jungspund die Bühne, der zuvor von Elitetrainer Leo Schumacher vom Stürmer zum Verteidiger umfunktioniert worden war.

Raphael Diaz, so der Name des Rookies, war ein hochanständiger und zurückhaltender Teenager. Für seine ersten Gehversuche im Profigeschäft bekam er den routinierten Gaetan Voisard als Abwehrpartner zur Seite gestellt. Es resultierte eine Partnerschaft, die bis heute Bestand hat: Nach seinem Karriereende nahm der heute 45-jährige Jurassier als Spieleragent Einfluss auf den Werdegang von Diaz.

Diaz erfährt zum ersten Mal von seinem Rekord

Dass der Sohn eines Spaniers und einer Schweizerin aussergewöhnliches Talent besitzt, war auf den ersten Blick ersichtlich. Die Frage drehte sich bloss darum, wie weit seine Reise gehen könnte. Die Antwort kennen wir mittlerweile: Diaz hat 214 NHL-Partien bestritten und dabei 50 Punkte produziert. Er ist zweifacher WM-Silbermedaillengewinner mit dem Schweizer Nationalteam (2013 und 2018) – und nun auch der produktivste EVZ-Verteidiger aller Zeiten. Bisher hielt Dino Kessler den Bestwert (254 Punkte).

Was bedeutet ihm der Bestwert in seinem Stammklub?

«Ich höre davon zum ersten Mal, weil es mir nicht bewusst war, dass ich auf einen Klubrekord zusteuere», sagt Diaz und ergänzt, dass die Bestmarke vielleicht mal im Rückblick auf seine Karriere eine Bedeutung erlange. «Aber jetzt ist das nur für Statistiker interessant.»

Vier Mal erster Verlierer

Am Ende des Tages zählt für den Captain ausschliesslich der Erfolg mit dem Team. Mit dem EVZ. «Ich rede später lieber mal von Meistertiteln als von persönlichen Statistiken», macht er klar. Nahe dran an einem Titelgewinn war er schon viermal, scheiterte aber jeweils in der Endausmarchung: 2013 mit der Schweiz im WM-Final, 2014 mit den New York Rangers im Stanleycup-Final (auch wenn meist überzählig), 2017 mit dem EV Zug im Playoff-Final und im letzten Frühling wiederum mit der Nati im WM-Final.

«Eine solche Klubtreue, wie sie erst recht Fabian Schnyder vorlebt,
ist im heutigen Profibusiness eher die Ausnahme.»

Raphael Diaz, Captain des EV Zug

Die nächste Chance, einen Titel zu erringen, bietet sich Diaz und dem EV Zug am 3. Februar. Im Endspiel des Schweizer Cups gegen Titelverteidiger, NL-Aufsteiger und Gastgeber Rapperswil-Jona. Auch wenn ein Cupsieg bloss eine Randnotiz im Vergleich zum Gewinn einer Meisterschaft darstellt.

Diaz streicht hohe Trainingsintensität heraus

Diaz ist selbstredend guter Dinge, dass die erste Runde in den nächsten Playoffs nicht schon wieder Endstation für den Zweiten der laufenden Qualifikation bedeutet. So wie dreimal in den letzten vier Austragungen. Seine Zuversicht zieht er daraus, dass «eine hohe Intensität in den Trainings herrscht und sehr viel gefordert wird». Und erläutert: «So wie man trainiert, so spielt man auch.»

Als eine der spielbestimmenden Figuren im EV Zug ist er sich auch sicher, dass die Beschäftigung eines zweiten Assistenten und das Individualtraining vor der Einheit mit dem Team jeden Einzelspieler weitergebracht haben. «Man kann sich gezielt verbessern.» Bleibt die Frage, in welchen Bereichen sich ein feiner Techniker wie Diaz weiterentwickeln konnte. «Ich habe vor allem Gelerntes aufgefrischt und an meinen Direktschüssen gefeilt.»

Fabian Schnyder (vorne) begann seine Karriere 2003 mit dem EV Zug: 16 Jahre später hält der Flügelstürmer die Bestmarke in der Klubgeschichte mit 804 Einsätzen.
Fabian Schnyder (vorne) begann seine Karriere 2003 mit dem EV Zug: 16 Jahre später hält der Flügelstürmer die Bestmarke in der Klubgeschichte mit 804 Einsätzen. (Bild: Bild EV Zug)

Lange Klubtreue findet Diaz «cool»

Diesen Freitag gegen Lausanne (19.45 Uhr, Bossardarena) wird Diaz noch in einer weiteren EVZ-Bestenliste aufrücken. Zumindest aufs Podest. Es wird sein insgesamt 597. Einsatz für die Zuger in der höchsten Spielklasse sein. Damit teilt er sich Rang 3 mit dem viel zu früh verstorbenen Duri Camichel. Platz 1 nimmt dabei Fabian Schnyder (804 Spiele) ein. Vor Patrick Oppliger, der seine Karriere nach 694 Spielen für die Zuger 2012 beendet hat.

Dieser Wert scheint Diaz etwas zu bedeuten. «Cool, bald 600 Spiele für den Stammverein gemacht zu haben. Eine solche Klubtreue, wie sie erst recht Fabian Schnyder vorlebt, ist im heutigen Profibusiness eher die Ausnahme.» Der Botschafter der EVZ Academy besitzt noch einen gültigen Vertrag bis 2021. Bei dessen Ablauf wird er 35 sein, ein Karriereende überhaupt nicht zwingend. Diaz weiss aber schon jetzt: «Auf eine Züglete werde ich keine Lust mehr haben.» Er wird also im Dress der Zuger aufhören.

Stürmerfloh Schnyder hat noch mindestens bis zum Ende der nächsten Saison Zeit, weitere Spiele für den EVZ sammeln. Vor allem aber bietet sich den beiden Urzugern voraussichtlich noch zweimal die Gelegenheit, gemeinsam Meister zu werden.

x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Mehr Sport