Dennis Everberg darf sich zweifacher Weltmeister nennen. (Bild: Instagram)
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Dennis Everberg darf sich zweifacher Weltmeister nennen. (Bild: Instagram)

Dennis Everberg trifft auf seinen alten Förderer: Dan Tangnes

7min Lesezeit

Am Mittwochabend hat der EV Zug die Verpflichtung von Dennis Everberg bis Ende der Saison bekanntgegeben. Der bald 27-Jährige soll Viktor Stålberg vergessen machen und trifft in der Kolinstadt auf einen alten Bekannten.

Schwede, Flügel, Linksschütze, mit Gardemassen gesegnet, NHL-erfahren, Olympionike – auf dem Papier weist der Neuzugang einige Parallelen zu seinem Vorgänger auf. Wie Stålberg kann Everberg als Wunschkandidat von Sportchef Reto Kläy betrachtet werden. Dass die Verpflichtung jedoch gelingt, stand bis zuletzt auf der Kippe und hängt mit den Eigenheiten von nordamerikanischen Spielerverträgen zusammen. Doch der Reihe nach.

Kometenhafter und unkonventioneller Aufstieg

Obwohl erst in seiner siebten vollen Saison Profi, kann Everberg bereits auf eine abwechslungsreiche und turbulente Karriere mit vielen Klubwechseln zurückblicken. Geboren im circa 100 Kilometer westlich von Stockholm gelegenen Västerås, startete der Flügel seine Laufbahn in seiner Heimatstadt, bevor er sich 2007 ins südschwedische Ängelholm wagte, wo er sich den U18-Junioren von Rögle BK anschloss. Dort kreuzten sich seine Wege mit einem blutjungen norwegischen Coach – Dan Tangnes.

Von 2010 bis 2014 trainierte der heutige EVZ-Coach den talentierten Flügel bei den U20-Junioren und danach in der ersten Mannschaft. Gemeinsam stiegen sie 2012 in die oberste schwedische Spielklasse auf, konnten jedoch den sofortigen Abstieg nicht verhindern. Nahm die sportliche Entwicklung des Teams nicht den gewünschten Verlauf, gelang es Tangnes immerhin, den Jungprofi in seinen ersten beiden Profisaisons zu einem Spieler mit NHL-Potenzial zu formen.

«Es war eine sehr komplizierte Verpflichtung und ein sehr langer Prozess, der auch hätte schiefgehen können.»

Reto Kläy, EVZ-Sportchef

2014 unterzeichnete Everberg einen Vertrag bei Colorado Avalanche – aus der zweithöchsten (!) Spielklasse Schwedens kommend. Zur allgemeinen Überraschung konnte sich der physisch starke Stürmer (93 Kilogramm auf 193 Zentimeter) bald einen Stammplatz in der NHL ergattern. Sein kometenhafter Aufstieg wurde allerdings in der zweiten Saison von Verletzungen und offensiver Ladehemmung gebremst, weshalb er mit Einsätzen im Farmteam Vorlieb nehmen musste.

Dennis Everberg spielte in der NHL für Colorado Avalanche:

 
 
 
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Nach je einer Saison in Schweden und Russland sowie zwei von Gold gekrönten Teilnahmen an der Weltmeisterschaft unternahm Everberg diesen Herbst in Winnipeg einen neuerlichen Anlauf in Nordamerika. Aufgrund der stark bestückten Offensive des kanadischen Spitzenteams erhielt er jedoch keine Chance.

Stundenlange Telefongespräche und banges Hoffen des Sportchefs

EVZ-Sportchef Kläy, der die Entwicklung des Schweden seit mehreren Jahren näher verfolgt, wusste dank regelmässigen Kontakten mit dem Spieler über dessen Unzufriedenheit und kontaktierte deshalb die Organisation der Winnipeg Jets. «Es war eine sehr komplizierte Verpflichtung und ein sehr langer Prozess, der auch hätte schiefgehen können», so der erleichterte Sportchef, nachdem er Vollzug vermelden konnte.

Die Jets wollten zuerst einen Ersatz finden, bevor sie eine Vertragsauflösung mit Everberg ins Auge fassten. Danach war die Sache freilich noch nicht ausgestanden. Denn jeder Spieler, dessen Vertrag aufgelöst werden soll, wird in der NHL auf eine sogenannte Waiver-Liste (vom englischen «to waive»: auf etwas verzichten) gesetzt, wo jedes andere Team die Möglichkeit erhält, die Rechte des betreffenden Spielers zu übernehmen.

Ein kanadischer Eishockey-Journalist twitterte, dass Everberg auf die Waiver-Liste gesetzt wurde:

 

Kläy, der in den Wochen zuvor bereits unzählige Stunden am Telefon in die Verhandlungen investiert hatte, musste also seit Mittwochnachmittag noch einmal 24 bange Stunden darauf hoffen, dass kein NHL-Team ausreichend Interesse an Everberg bekundet, bevor der Deal abgeschlossen werden konnte. 

Mannschaft ermöglichte Kläy eine ausgedehnte Suche

Die Geduld des Sportchefs wurde belohnt, indem er nun seine langwierige Suche nach einem neuen Ausländer mit seiner Wunschbesetzung «krönen» konnte. Seit Anfang Oktober und dem wochenlangen Ausfall von Garrett Roe, der seit dieser Woche wieder mit dem Team trainiert und in nützlicher Frist ins Line-up zurückkehren dürfte, hat Kläy den Ausländermarkt durchforstet.

Verschiedene Spieler seien ihm angeboten worden, doch er habe stets nur einen Spieler verpflichten wollen, der ins Teamgefüge passen würde. Entgegen kam ihm dabei, dass «sich die Mannschaft trotz zahlreicher Ausfälle gut gehalten hat» und ihm so Zeit gegeben hat, den in der Zwischenzeit dazugekommenen Abgang Stålbergs zu kompensieren.

Nun liegt es an Everberg, unter einem altbekannten Coach das Vertrauen zurückzubezahlen. Am besten tut dies der defensiv verlässliche, jedoch nicht als eiskalter Vollstrecker berüchtigte Flügel, indem er eine weitere Parallele zu seinem Vorgänger in Zug auflöst: Die bisher eher magere Ausbeute in den Playoffs.

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