Enttäuscht über Schwarzhändler: der Luzerner Marco von Ah, Medienchef der Schweizer Nationalmannschaft. (Bild: Screenshot SRF)
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Enttäuscht über Schwarzhändler: der Luzerner Marco von Ah, Medienchef der Schweizer Nationalmannschaft. (Bild: Screenshot SRF)

Überteuerte Tickets vermiesen günstige Fussball-Party

5min Lesezeit

Der jubilierende Hauptsponsor der Schweizer Fussballmannschaft wollte Gutes tun und verkaufte für das Luzerner Länderspiel Tickets für schlappe 25 Franken – jetzt versteigern sie Schwarzhändler für mehr als 200 Franken im Internet. Fans sind vergrault, zudem sind gefälschte Billette im Umlauf. Wie kommt man günstig zum Hammerspiel Schweiz - Belgien?

Mathias Haehl

Solches kennt man nur von grossen Rock- oder Popkonzerten: Das entscheidende Spiel um den Gruppensieg in der auf diese Saison hin neu geschaffenen Nations League zwischen der Schweiz und WM-Halbfinalist Belgien war offiziell innerhalb einer Stunde ausverkauft.

Mit Grund waren diesmal auch die äusserst günstigen Sitzplätze: Weil der Verband in Luzern das 25-Jahr-Jubiläum mit Hauptsponsor Credit Suisse feiern wollte, gingen die Tickets für einmalige 25 Franken weg. Die Partie in der Luzerner Swissporarena vom Sonntag, 18. November, findet vor vollen Rängen statt. Die Kapazität beträgt 15'600 Plätze, Anpfiff ist um 20.45 Uhr.

Fussballverband ist sauer

Doch bereits im Vorfeld kommt es zu einem Abpfiff: Zwischenhändler vermiesen vielen Fans die scheinbar günstige Fussball-Jubiläumsparty. Sie verkaufen die Billette auf diversen Online-Portalen – Viagogo, Ricardo und anderen – für mehr als 200 Franken. Der Weiterverkauf von Tickets ist zwar legal, es ist allerdings ein Handel im Graubereich: Weil suggeriert wird, dass Spiele ausverkauft sind. Mehrkosten werden von den Käufern erst spät bemerkt, deshalb gehen auch häufig Beschwerden ein. Fazit: Auch wenn die Nati gewinnt, viele Fans verlieren.

Die Begehrlichkeit für diese Schnäppchentickets war nicht nur bei den Fans gross, Grauhändler wurden mit auszurechnenden hohen Margen angelockt. Marco von Ah, Medienmann des Schweizerischen Fussballverbandes, ist sauer.

«Es scheint leider immer jemanden zu geben, der auf Kosten von anderen profitieren will.»

Marco von Ah, Medienchef des Schweizerischen Fussballverbandes

zentralplus: Marco von Ah, der Nati-Hauptsponsor, verkaufte Tickets für 25 Franken – jetzt sind sie für 200 Franken oder mehr im Internet zu haben. Enttäuscht?

Marco von Ah: Ja, enttäuscht, aber nicht überrascht. Die Credit Suisse und der Schweizerische Fussballverband wollten den Fans des A-Nationalteams einfach eine Freude machen und die langjährige Partnerschaft zusammen mit ihnen feiern. Aber es scheint leider immer jemanden zu geben, der auf Kosten von anderen profitieren will.

Am Sonntag prominenter Gast in Luzern: Liverpool-Goalgetter Xherdan Shaqiri im Natidress.
Am Sonntag prominenter Gast in Luzern: Liverpool-Goalgetter Xherdan Shaqiri im Natidress. (Bild: Screenshot SRF)

zentralplus: Sie feiern 25 Jahre Sponsoring mit einem Fest, viele Fans sind enttäuscht. Wie wollen Sie so etwas das nächste Mal umgehen?

von Ah: Zuerst: Wir freuen uns, dass die Schweizer Nati sehr gut ankommt bei den Leuten und wir in den letzten Jahren sehr viele ausverkaufte Heimspiele hatten. Das kann zur Folge haben, dass Interessierte ohne Ticket bleiben. Aber wir haben den Eindruck, dass die Fans sehr schätzen, wie viel wir dafür tun, dass wir zum einen volle Stadien mit toller Stimmung haben und zum anderen immer möglichst vielen Zuschauerinnen und Zuschauern den Stadionbesuch ermöglichen.

zentralplus: Die Musikbranche hat neu die Tickets im Kampf gegen den Schwarzmarkt personalisiert – auch eine Option für Sie?

von Ah: Das ist natürlich eine Option. Wobei es nicht so ist, dass wir grad gar nicht wissen, aus welchen Kontingenten oder Bestellungen gewisse Tickets stammen, die bei Zweit- und Drittanbietern zu erstehen sind.

zentralplus: Es scheinen überdies auch gefälschte Tickets im Umlauf. Was empfehlen Sie Fans ohne Billette: Wo kommen diese legal zu letzten Karten?

von Ah: Für das Sonntagsspiel Schweiz - Belgien gibt es keine Karten mehr im offiziellen Verkauf. Wer kein Ticket ergattern konnte bisher, soll sich bitte mit der TV-Direktübertragung auf SRF 2 trösten und nicht überhöhte Preise zahlen. Wir hatten schon solche Ticketholder, die beim Stadioneingang die Meldung erhielten, ihre Eintrittskarte habe das Drehkreuz schon passiert. Oder Erwachsene entdecken, dass sie viel Geld für Kindertickets ausgegeben hatten und dann noch nachzahlen müssen.

Auch Kultur-Veranstalter wehren sich gegen Viagogo

Was für die grosse Tschutti-Sause und für Stadiongigs von AC/DC oder Bruce Springsteen gilt, darunter leiden auch Konzertlokale wie die Luzerner Schüür. Die Schüür-Verantwortlichen posteten letzte Woche einen Aufruf, direkt bei der Schüür oder dann via Starticket zu buchen. Und drohten gleich mit dem SRF-Format «Kassensturz».

 

Andere gehen weiter: Unter dem Slogan «Viagogo – NO-GO!» schreibt etwa der kleine Circus Monti, der diesen Sommer im Luzerner Lido gastierte: «Lassen Sie sich nicht von massiv überhöhten Preisen und Buchungsgebühren täuschen.» Bis zu 20 Franken Gebühren pro Ticket soll Viagogo in die eigene Kasse fliessen lassen.

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