Seit Beginn dieses Jahres für den FC Luzern im Einsatz: Der designierte Geschäftsführer Lukas Troxler muss neue Geldquellen für den Super-Ligisten erschliessen. (Bild: Screenshot SRF)
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Seit Beginn dieses Jahres für den FC Luzern im Einsatz: Der designierte Geschäftsführer Lukas Troxler muss neue Geldquellen für den Super-Ligisten erschliessen. (Bild: Screenshot SRF)

Lukas Troxler, ein Mann der tiefroten Zahlen

6min Lesezeit

Er steigt mit Beginn des nächsten Jahres beim FC Luzern ein: Lukas Troxler ist designierter Geschäftsführer. Sein neuer Arbeitgeber hat den Mann aus Sursee als «ausgewiesenen Sportmarketingfachmann mit breiter Führungserfahrung» dargestellt. Bei seinem vorletzten Arbeitgeber hat der 41-Jährige einen Millionenverlust verursacht. Aus purer Naivität.

Irgendetwas passte am letzten Mittwoch nicht. FCL-Präsident Philipp Studhalter redete über die neuen Strukturen in der operativen Führung des Superligisten. Und darüber, dass Lukas Troxler der «primus inter pares (der erste unter Gleichen)» in der Geschäftsleitung der Luzerner werden solle, falls er sich im ersten Halbjahr 2019 bewährt haben wird.

Warum soll sich einer mit der Vita von Troxler das Provisorium als Geschäftsführer des FCL antun? Schliesslich war er schon für die ISL Marketing AG tätig, danach für adidas Schweiz, für die Fifa, als Direktor Marketing und Business Development bei Infront Ringier Sports & Entertainment Switzerland und seit letztem September Geschäftsleitungsmitglied sowie Leiter Product Management Sports bei der Blick-Gruppe.

Und warum engagiert der FCL den Sieger aus 136 Bewerbern nicht gleich als Geschäftsführer? Schliesslich hat sich der Verein gut sieben Monate Zeit für eine sorgfältige Wahl gelassen.

Nachfragen in der Welt des Schweizer Tennis bringen Licht ins Dunkel. Und sie zeichnen kein vorteilhaftes Bild von Lukas Troxler. Die überlieferte Geschichte geht so:

Von zwei alten Tennisfüchsen über den Tisch gezogen

Unter der Leitung des damaligen Direktors Gian Gilli (Verwaltungsrat des EV Zug und OK-Präsident der Eishockey-WM 2020 in der Schweiz) schien bei Infront Ringier jeder das zu machen, was ihm gerade passte. Es war die Zeit, als René Stammbach, Präsident von Swiss Tennis, versuchte, ein WTA-Turnier in die Schweiz zu holen. Der Plan, die Lizenz für ein 225’000-Dollar-Turnier der Frauen aus Brasilien zu bekommen, ging in die Hosen, weil die WTA (Dachorganisation der Frauen) die Lizenz vom Markt nahm.

Was Stammbach bis zum Abschluss nicht ahnte: Auch Gstaad bemühte sich damals darum, ein Frauenturnier veranstalten zu dürfen. Der Österreicher Peter-Michael Reichel verkaufte die Lizenz von Bad Gastein für fast zwei Millionen US-Dollar. Im Juli 2016 ging die Premiere im Berner Oberland über die Bühne.

Der Amerikaner Phil de Piciotto, einst Manager von Steffi Graf und heute als Chef der Agentur Octagon einer der einflussreichsten Agenten im Tennis, war bereit, die Lizenz des Turniers von Katowice zu veräussern. Stammbach hatte seinerzeit die Lizenzen seines Damenturniers in Genf (1980 bis 1991) und jene des Frauenevents in Kloten und Zürich (1984 bis 2008) für rund sechs Millionen an den mittlerweile 63-jährigen De Piciotto verkauft. Sie kannten sich also bestens.

Der wesentliche Inhalt des verlustreichen Vertrages

Hier kommt Lukas Troxler ins Spiel. Der Direktor Marketing und Sports Development wollte sich mit einem eigenen Anlass im Portefeuille bei Infront Ringier emanzipieren. Aber das Tennis-Greenhorn setzte sich mit zwei alten Füchsen im Filzballgeschäft an einen Tisch. Und liess sich über diesen ziehen, ohne dass er es merkte. Der 41-Jährige ging folgenden Vertrag ein:

  1. Sein Arbeitgeber Infront Ringier wird alleine ins unternehmerische Risiko gezogen.
  2. Für die Turnierrechte ist eine jährliche Leasinggebühr von 300’000 US-Dollar zu entrichten. Über einen Zeitraum von zehn Jahren, die ersten drei davon fix.
  3. Weil dem Turnier noch ein ideales Stadion fehlte, vermietete ihm Stammbach gleich die neu erstellte Mehrzweckhalle in Biel für rund 250’000 Franken im Jahr.

Die erste und einzige Austragung im April 2017 endete im finanziellen Fiasko. Bei einem Budget von 2,2 Millionen Franken resultierte ein Verlust von 1,4 Millionen. Das sollte Troxler den Job kosten. Deshalb wurde er sozusagen zur Blick-Gruppe transferiert, als der hoch kotierte Marketingchef des FC Basel, Martin Blaser, neu die Chefposition von Gilli bei Infront Ringier übernahm.

Belinda Bencic erhielt hohe Startgage

Die Vertragsunterzeichnung war beileibe aber nicht der einzige Fehler, der Troxler aus einem Mix aus Unwissenheit und Naivität unterlief. Weil Timea Bacsinszky vor der Premiere in Biel ankündigte, sie wolle in Gstaad und nicht in Biel antreten, verpflichtete Troxler für die im Frauentennis hohe Startgage von 200’000 US-Dollar Belinda Bencic. Eine total unsinnige Aktion. Bencic, die in die bisher grösste Krise ihres bisherigen Schaffens schlitterte und nur dank einer Wildcard teilnehmen konnte, wäre so oder so nicht darum herumgekommen, in Biel zu starten. Nur schon wegen ihrer Schweizer Sponsoren.

Troxler konnte sein Versagen vor Martin Blaser, einst Mitarbeiter von De Piciotto bei den legendären Frauenturnieren in Zürich, nicht kaschieren. Blaser erkannte sofort, dass Biel eine Eishockey-Stadt ist, und verschob das Turnier 2018 nach Lugano in den TC Lido. Das Minus soll sich mit dieser Massnahme von 1,4 Millionen auf geschätzte 500’000 Franken reduziert haben. Jetzt muss Blaser Troxlers Erbe noch 2019 aushalten. Dann ist wieder De Piciotto auf eigene Rechnung am Drücker.

Troxler sei zugutegehalten: Frauentennis ist wahrscheinlich das Schwierigste, was es im Sport zu vermarkten gibt. Superstars und Leitfiguren wie bei den Männern mit einem Roger Federer, Novak Djokovic oder Rafael Nadal gibt es bei den Frauen nicht. Die Rankings der Besten sind volatil, seit Mama Serena Williams nur noch Turniere nach dem eigenen Gusto auswählt. So will auch Gstaad mit seinem Turnier 2019 nach Lausanne zügeln.

Doch die Folgelast von Troxlers Geschäftsidee belastet nach wie vor Infront Ringier. Der Sportvermarkter verantwortet neben dem Frauentennisturnier auch die Austragung der Tour de Suisse und das Cup-Format im Schweizer Eishockey finanziell. Ein Geschäft, das vor allem im Rad seit Jahren mit roten bis dunkelroten Zahlen begleitet wird.

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