Philipp Studhalter ist überzeugt, mit Lukas Troxler den geeigneten Geschäftsführer gefunden zu haben. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)
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Philipp Studhalter ist überzeugt, mit Lukas Troxler den geeigneten Geschäftsführer gefunden zu haben. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

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Er ist so etwas wie die FCL-Antwort auf die Schweizer Nati und Haris Seferovic: Lukas Troxler (41), der Mann aus Sursee, wird mit Beginn des nächsten Jahres Leiter Vermarktung und stellvertretender Geschäftsführer. Wenn er die Erwartungen erfüllt, wird er im Verlauf der zweiten Jahreshälfte 2019 die Geschäftsleitung von VR-Präsident Philipp Studhalter übernehmen.

Gut sieben Monate nach der Entlassung von CEO Marcel Kälin macht der FCL klar Schiff, wie seine operative Führung in Zukunft aussehen soll. Es ist eine Abkehr vom CEO-Modell: Lukas Troxler, der sich gegen ursprünglich 136 Bewerber durchgesetzt hat, ist dazu vorgesehen, künftig die fünfköpfige Geschäftsleitung des FC Luzern zu führen. «Mit der vor rund einem Monat eingesetzten Geschäftsleitung haben wir die Führungsfunktion, die vorher der CEO innehatte, reduziert», erklärt VR-Präsident Philipp Studhalter.

Konkret heisst das: Der neu verpflichtete Lukas Troxler (Leiter Vermarktung und bis auf weiteres Stellvertreter vom aktuellen Geschäftsführer Philipp Studhalter), Remo Meyer (per sofort vom Sportkoordinator zum Sportchef befördert), Richard Furrer (Leiter Finanzen), Daniel Böbner (Leiter Stadion- und Spielbetrieb), Markus Krienbühl (Leiter Marketing und Kommunikation) und Philipp Studhalter funktionieren nach dem Kollegialitätsprinzip. Also wie der Bundesrat.

Jeder Bereichsleiter bereitet seine aktuellen Themen so vor, dass an der alle zwei Wochen stattfindenden Geschäftsleitungssitzung ein Entscheid gefällt werden kann. Studhalter: «Der Geschäftsführer wird der Primus inter Pares (übersetzt: der Erste unter Gleichen) sein. Er hat wie alle anderen GL-Mitglieder ebenfalls ein Stimmrecht, aber nicht ein alleiniges Recht zum Stichentscheid.»

Lukas Troxler hat künftig in der Swissporarena das Sagen.
Lukas Troxler hat künftig in der Swissporarena das Sagen.

Von diesem System ausgenommen wird Sportchef Remo Meyer sein, wenn es um Transfers geht. Weil da Vertraulichkeit das oberste Gebot ist, rapportiert er direkt dem Verwaltungsrat. «Zudem ist er im Bereich Sport meistens auf schnelle Entscheidungen angewiesen, weil wir uns da in einem dynamischen Umfeld bewegen», sagt Studhalter.

Das gab den Ausschlag für Troxler

Der aus Sursee stammende Troxler hat einen Lebenslauf, der sich in Bezug auf Sportmarketing und Führungserfahrung attraktiv liest. So arbeitete er schon für die ISL Marketing AG, jahrelang für die Fifa im Marketingbereich, als Marketingleiter von Adidas Schweiz, dann als Direktor Marketing und Business Development bei Infront Ringier und zuletzt bei Ringier als Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter des Product Management Sports. Aber das Ausschlaggebende dafür, dass sich Verwaltungsrat und Geschäftsleitung für seine Wahl aussprachen, war Folgendes: «Wir erhoffen uns einen schnellen Effekt auf unsere Verkaufsstärke», so Studhalter.

Troxler muss also zügig neue Sponsoren für den seit Jahren mit einem strukturellen Defizit kämpfenden FCL an Land ziehen. Sein Chef ist sich bewusst, dass es dem neuen Kadermitglied leichter fallen wird, wenn es sportlich rundläuft. Allerdings glaubt Studhalter auch daran, dass das Potenzial auch in weniger erfolgreichen Zeiten noch nicht ausgeschöpft ist: «Wenn Unternehmen den Weg nachvollziehen können, den wir gemäss unserer Vision 2021 beschreiten, und den FCL als leidenschaftliche Einheit wahrnehmen, machen sie bei uns als Sponsoren mit.» Aus Sicht der Klubführung hat der frühere CEO Marcel Kälin in diesem Punkt die Erwartungen nicht erfüllen können.

Wer hat beim FCL künftig das Sagen?

Aber warum hat der FCL Troxler nicht gleich mit der Geschäftsführung betraut? Sie hätten aus der Vergangenheit gelernt, begründet Studhalter. In diesem Zusammenhang steht vor allem die Sozialkompetenz im Zentrum. Diese hatte FCL-Investor Bernard Alpstaeg dem im vergangenen März gefeuerten Kälin abgesprochen. «Sozialkompetenz hat man oder man hat sie nicht», so Studhalter, der bei Troxler nach dem anspruchsvollen Auswahlverfahren zuversichtlich ist, dass sich die Klubführung in diesem Punkt nicht geirrt hat.

«Letztlich stehe ich in jedem Fall hin und übernehme die Verantwortung.»

Philipp Studhalter, VR-Präsident

Zudem will Studhalter, dass sich Troxler einarbeiten und die verschiedenen Arbeitszyklen, die ein Super-Ligist während einer Saison durchläuft, miterleben kann. «Lukas Troxler muss zuerst das System FCL kennenlernen und verstehen, wie der Klub funktioniert. Er muss sich auch erst ins neue Führungsmodell einfinden. Er soll alles erst mal auf sich wirken lassen, bevor wir Inputs erwarten», erläutert Studhalter. Erfüllt der Neue die wichtigsten Anforderungen, wird er in der zweiten Jahreshälfte die Geschäftsführung von Studhalter übernehmen.

Aber ist das in der Privatwirtschaft gängige Geschäftsleitungsmodell für einen Sportklub auf Profi-Ebene, dessen Tagesgeschäft schnelllebig ist, nicht zu schwerfällig? Und wer hat künftig das Sagen und übernimmt Verantwortung?

Studhalter ist überzeugt davon, dass die neue Führungsstruktur auf operativer Ebene so funktionieren wird. «Bei einem Notfall, der von uns eine schnelle Reaktion erfordert, werde ich mich mit dem zuständigen Bereichsleiter absprechen», sagt er und ergänzt: «Letztlich stehe ich in jedem Fall hin und übernehme die Verantwortung. Das ist mein Job als VR-Präsident.»

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