Gegentor vor leeren Rängen: Torhüter David Zibung muss den Ball im letzten Heimspiel gegen den FC Thun zweimal aus dem Netz fischen. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)
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Gegentor vor leeren Rängen: Torhüter David Zibung muss den Ball im letzten Heimspiel gegen den FC Thun zweimal aus dem Netz fischen. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

FCL-Heimschwäche verschärft Zuschauerschwund

9min Lesezeit

Dem FCL unter Trainer René Weiler behagt das Defensiv- besser als das Offensivspiel. Darum ist er in der Fremde ein König und zu Hause ein Bettler. Das wirkt sich negativ aus auf das Zuschaueraufkommen in der Swissporarena. Vor dem siebten Heimspiel gegen den FC Zürich (Sonntag, 16 Uhr) sind die aktuellen Zahlen alles andere als erfreulich.

Nach einem Drittel der laufenden Saison lässt sich salopp formulieren: Je defensiver der FCL agieren kann, desto grösser sind seine Erfolgsaussichten. Das bestätigt die bisherige Ausbeute: In der Fremde hat Weilers Team in sechs Spielen drei Siege eingefahren. Mit neun Punkten liegt es in der Auswärtsstatistik nach aktuellem Stand auf Rang 3. Meister und Leader YB rangiert mit 13 Zählern in 5 Partien und Thun mit 10 Zählern in 7 Duellen vor dem FCL.

Doch vor dem eigenen Anhang wird vom Gastgeber für gewöhnlich erwartet, dass er sich zumindest zu gleichen Teilen an der Spielgestaltung beteiligt wie der Kontrahent. Und das ist in dieser Saison nicht die Stärke der Luzerner. 6 Punkte in 6 Spielen (je ein Sieg gegen Lugano und GC) sind keine Erfolgsmeldung, die dazu dient, die eigentlich fussballverrückten Zuschauer der Zentralschweiz in Scharen auf die Allmend zu locken.

Nur Sion (4 Punkte in 5 Heimspielen) und Xamax (5 Punkte in 6 Heimspielen) schneiden im eigenen Stadion noch schlechter ab. «Selbstverständlich wäre es gut gewesen, wenn wir zu Hause mindestens gleich viele Punkte wie auswärts geholt hätten», sagt FCL-Medienchef Markus Krienbühl.

«Wir müssen unsere Glaubwürdigkeit steigern»

Natürlich hat das unangenehme Folgen für die wirtschaftliche Zwischenbilanz des FCL. In den bisher sechs Heimspielen kann das Minus auf durchschnittlich rund 800 Zuschauer pro Partie geschätzt werden. Und das im Vergleich zur letzten Saison, die mit 10’050 Zuschauern den tiefsten Durchschnitt erbrachte, seit die Swissporarena im Jahr 2011 eröffnet wurde (zentralplus berichtete).

Die bisherigen FCL-Heimspiele 2018/19 im Detail:

 

 

 

Summa summarum: Bis heute haben 58’594 Leute Einlass begehrt in der Luzerner Fussballkathedrale. Im Schnitt sind das 9’766 pro Partie. Am meisten kamen gegen Sion. Aber: Es waren nicht die Walliser, welche die Innerschweiz am 30. September mit unzähligen Fans bevölkert hätten. Nein, damals lud der FCL nach offiziellen Angaben 5’000 Nachwuchskräfte und deren Trainer gratis zum Spiel gegen Sion ein.

Weil beim FCL auch ins Gewicht fällt, was die 5’000 Leute im Stadion konsumieren (rund 10 Franken pro Person), rundet zentralplus bloss auf 55’000 Zuschauer in der laufenden Saison ab. Ergibt also einen aufgerundeten Schnitt von 9’200 Zuschauern. Bisher also mindestens 800 weniger als beim Negativrekord in der letzten Runde mit dem fussballerisch traumhaften Frühling (von Platz 9 auf 3).

«Mit der aktuellen Entwicklung sind wir sicher nicht zufrieden», hält Krienbühl fest und nennt dafür fünf aus Sicht des FCL relevante Faktoren:

  1. Die Spannung in der Liga habe mit einem Serienmeister nachgelassen. «Nicht nur wir, sondern praktisch alle Konkurrenten kämpfen gegen sinkende Zuschauerzahlen. Selbst der FCB.»
  2. Für den Fussballkonsumenten habe sich das Angebot stark verbreitert. «Hat man ein Pay-TV-Abo, kann man schon unter der Woche reichlich Spitzenfussball schauen.» Das sei eine spürbare Konkurrenz für Super-League-Klubs geworden.
  3. In der Swissporarena bestünde zwar ein attraktives Angebot für den Kunden. «Aber wir müssen über die Höhe unserer Preise nachdenken. Jedoch muss das auch immer wirtschaftlich vertretbar sein und soll am Ende des Tages dem FCL nicht schaden.» Krienbühl führt aus, dass die Preise für den Stehplatz-Sektor und den «CSS Family Corner» attraktiv seien. «Ein Platz auf der Haupttribüne sowie auf der Gegentribüne bewegt sich aber eher im oberen Segment.»
  4. Als Unternehmen müssten sie mehr Kontinuität im Sport und Verein hinkriegen. «Wir müssen unsere Glaubwürdigkeit steigern. So können wir auch wieder mehr Fans in die Swissporarena bringen.»
  5. Bis jetzt sei der FCL vom Spielplan nicht begünstigt worden. «Die ersten beiden Heimspiele gegen Xamax und Lugano an einem Samstag waren nicht attraktiv. Die beiden Gegner brachten total rund 300 eigene Fans mit. Bei YB oder dem FC Zürich kann man mit mindestens 800 Fans rechnen. Das macht einen massiven Unterschied auf die durchschnittliche Zuschauerzahl aus.»

Pro 1’000 Zuschauer weniger fehlt dem FCL 1 Million

Betrachtet man den Zuschauerdurchschnitt der Luzerner in den letzten fünf Jahren, so lag er in der Saison 2013/14 noch bei 11’291. Und hat sich bis im Sommer 2017 (mit negativen Ausschlägen von rund 300 Zuschauern in den Meisterschaften 14/15 und 16/17) kaum signifikant verändert. Die Talfahrt begann letzte Saison – das Ziel lag erst bei 10’050 Zuschauern.

Was Krienbühl aber keinen Kummer bereitet, ist der Verkauf von Saisonabos. «Die Anzahl ist in den letzten Jahren nicht gesunken.» Wie viele es konkret sind, darüber will der Verein keine Angaben machen. Schätzungsweise bewegt sich die Anzahl zwischen 5’000 und 6’000.

«Der Spielplan wird uns hoffentlich in den nächsten Monaten wieder günstiger gesinnt sein.»

Markus Krienbühl, FCL-Medienchef

Was bedeutet aber ein solcher Zuschauerrückgang für die Erfolgsrechnung der Luzerner? Ein FCL-Insider, der die konkreten FCL-Zahlen fehlerfrei buchstabieren kann, aber keinesfalls mit Namen genannt werden möchte, erzählt in einem von Vorsicht geprägten Moment: «1’000 Zuschauer weniger über eine ganze Saison bedeuten mindestens eine Million Franken weniger Einnahmen.» Man rechne: Geht man von einem durchschnittlichen Eintrittspreis von 50 Franken und einer Konsumation von 10 Franken pro Spiel aus, liegt man bei 18 Heimspielen schon bei fast 1,1 Mio. Franken.

Krienbühl glaubt, dass der FCL das aktuelle Minus bei den Zuschauerzahlen bis Saisonende aufholen kann. Dabei vertraut er darauf, dass «wir uns in der Gruppe hinter Leader YB etablieren werden. Zudem werden wir noch verschiedene attraktive Aktionen machen, um mehr Zuschauer für einen Besuch zu gewinnen. Und der Spielplan wird uns hoffentlich in den nächsten Wochen und Monaten wieder günstiger gesinnt sein».

In der Liga geht es wieder aufwärts

Aber was sagt uns die Zuschauertendenz in der Super League über die letzten fünf Jahre? Zunächst kaum was anderes als jene des FCL. Von 2013 bis 2016 auf einem hohen Zuschauerdurchschnitt von rund 10’800 schwankend, dann auf 9’943 einbrechend, bis sie im Gegensatz zur Entwicklung beim FCL in der letzten Saison auf 11’183 Zuschauer (YB-Euphorie) ansteigt. Stand heute liegt der Wert gar bei 11’658, wobei der Anstieg nur schon zwischen dem Absteiger Lausanne (gut 4’000 Zuschauer im Schnitt) und Xamax (5’700) erklärbar ist.

So stellen sich die Fans das vor: Aktion am Heimspiel gegen den FC Thun.
So stellen sich die Fans das vor: Aktion am Heimspiel gegen den FC Thun. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Wie kann sich der FCL also für die Zukunft rüsten? Es gibt eigentlich bloss zwei Wege: weiterhin die Strategie des Sparens verfolgen als Reaktion auf schwindende Zuschauereinnahmen. Oder in das Spielerkader investieren, um attraktiver zu werden für das zahlende Publikum. Eine Erfolgsgarantie gibt es im Sport nicht. Darüber hinaus sind die Ertragsmöglichkeiten im Schweizer Sportmarkt überschaubar. Es gibt nur eine todsichere Methode, wie man im Schweizer Sport ein kleines Vermögen generiert: wenn man mit einem grossen anfängt.

Aber lassen wir den Kalauer. Vielleicht hilft ja gerade der Europa-League-Vertreter aus Zürich, die Heimbilanz des FC Luzern aufzupolieren. Auswärts steht der FC Zürich bei sechs Spielen erst mit sieben Punkten da. Das ist Rang 7 – und der soll am Sonntag in Luzern nicht besser werden.

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