Filip Ugrinic, Otar Kakabadze, David Zibung und Silvan Sidler jubeln nach dem Spiel gegen Xamax vor den Fans. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)
Sport Analyse

Filip Ugrinic, Otar Kakabadze, David Zibung und Silvan Sidler jubeln nach dem Spiel gegen Xamax vor den Fans. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Dieser FCL ist ein Spätzünder

6min Lesezeit

Nach einem Drittel der laufenden Super League lässt sich sagen: Würde der FC Luzern nicht vieles in den letzten zehn Minuten zurechtbiegen, er stünde abgeschlagen am Tabellenende. Aber ganz offensichtlich verfügt die Mannschaft von Trainer René Weiler trotz aller Defizite über viel Moral und Kondition.

Vor dem Cup-Achtelfinal am Donnerstag auswärts gegen den Challenge-Ligisten Chiasso (19.30 Uhr) hat sich der FC Luzern in seinem wichtigsten Wettbewerb der laufenden Saison etwas Luft und Erleichterung verschafft: Mit dem späten Siegtreffer zum 2:1 durch Christian Schneuwly (81. Minute) in Neuenburg ist der Vorsprung der Luzerner (7.) in der Super League auf den Tabellenletzten, auf eben dieses Xamax, von zwei auf fünf Punkte angewachsen.

Dieser FCL scheint ein regelrechtes Mysterium zu sein. Er pflegt dann zu siegen, wenn die Vorzeichen nicht vorteilhaft stehen, und er verliert dann, wenn man zumindest einen Punktezuwachs erwarten dürfte. Nach 12 von insgesamt 36 Super-League-Spielen steht Weilers Team bei fünf Siegen und sieben Niederlagen. Also bei 15 Punkten. Das ist Platz 7 von insgesamt zehn Teams. Der Letzte steigt ab, der Zweitletzte muss in die Barrage.

Ein Blick zurück erklärt das FCL-Manko

Aber der FCL liegt aktuell auch nur fünf Punkte hinter dem Zweitplatzierten FC Basel und deren zwei hinter dem viertplatzierten FC Zürich, dem nächsten Gegner am Sonntag in der Meisterschaft. Wo liegt jetzt die Wahrheit für diesen FCL? Was liegt noch drin?

zentralplus stellt fest: Im Vergleich zu den vier Spitzenteams (Leader Young Boys, Basel, Thun und FC Zürich) hat der FC Luzern ein Defizit, was die Persönlichkeit im Team betrifft. Selbst Thun beschäftigt mit Dennis Hediger einen Leader, den sich Weiler wahrscheinlich in seiner Mannschaft wünschen würde. Achtung: In diesem und im weiteren Vergleich geht es nicht um fussballerische Fähigkeiten, sondern um Leadership. Um das Führen einer Mannschaft. Um Persönlichkeit.

Das Alphatier des FC Thun, Dennis Hediger, hier im Zweikampf mit Ruben Vargas und Valeriane Gvilia.
Das Alphatier des FC Thun, Dennis Hediger, hier im Zweikampf mit Ruben Vargas und Valeriane Gvilia. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)
 

Ein Blick zurück erklärt das Manko im FCL. Vor dieser Saison hat die von Sportkoordinator Remo Meyer zusammengestellte Mannschaft den Abgang von zwei Stammspielern zu verkraften. Vom 25-jährigen, defensiven Mittelfeldspieler Hekuran Kryeziu (neu beim FC Zürich) und vom 24-jährigen Goalie Jonas Omlin (neu beim FC Basel). 

Ein paar Schuhnummern zu gross für die FCL-Talente

«Na und?», möchte man aus Luzerner Sicht fragen. Doch genau darin scheint die Krux zu liegen. Man glaubte in der sportlichen Führung, ein Idriz Voca, ein Filip Ugrinic oder ein Olivier Custodio könnte den im Verhandlungspoker mit dem FCL selbstbewusst auftretenden Kryeziu adäquat ersetzen. Es sollte sich als Irrglaube erweisen. Kryeziu dirigierte die FCL-Abwehr, die im Frühjahr brillierte. Er führte das Team, auch mit seiner unerbittlichen Aggressivität im Zweikampf. Ein paar Schuhnummern zu gross für die talentierten Kräfte im FCL. Jetzt ist Kryeziu ein Leistungsträger im Team der Zürcher.

Ähnlich bei Omlin. Der Obwaldner strahlt Selbstsicherheit aus, den Willen und die Zuversicht, alles für sich entscheiden zu können. Man vergleiche den Saisonstart mit Omlin bei Basel und die Entwicklung des früheren Ligakrösus, als sich die Neuverpflichtung verletzte.

Auf den Punkt gebracht: Omlin-Ersatz Mirko Salvi hätte die Chance bei seinem früheren Arbeitgeber Basel bekommen, hätten Qualität und Gesamtpaket überzeugt. Hat er aber nicht. Stattdessen ist er danach von GC an Luzern ausgeliehen worden. Der neuverpflichteten Nummer 1 zwischen den Pfosten des FCL fehlt es – im Vergleich zu Omlin – nicht nur an Klasse, sondern vor allem auch an Persönlichkeit. Seit letzter Woche ist Salvi ohnehin mit einer Knieverletzung ausser Gefecht gesetzt. Das Problem der Luzerner: Oldie Dave Zibung (34) hat zwar lichte Momente wie gegen YB (3:2) oder Xamax (2:1), aber auch dunkle wie gegen Thun (0:2).  

Summa summarum: Die sportliche Führung hat den Wert von Kryeziu und Omlin für die Mannschaft nicht erkannt. Ein grosser Beitrag zu diesem unberechenbaren FCL.

FCL im positiven Sinne unberechenbar

Zum Glück für die Klubverantwortlichen und alle, die den FCL im Herzen tragen, ist Weilers Team vorab im positiven Sinn unberechenbar. zentralplus klärt auf: 8 der 15 Punkte, die der FCL bis dato errungen hat, realisierte er in den letzten zehn Spielminuten. Also ab Minute 81.

Die fette Beute im Detail:

  • Zuletzt am Sonntag in Neuenburg: Als Christian Schneuwly mit einem schönen Kopfball das 2:1 gelang. Das sind zwei Punkte mehr als vor dem Finish. 
  • Gegen den zuvor verlustpunktlosen Leader und Titelverteidiger YB: Es ist das Meisterstück von FCL-Trainer René Weiler. In der 82. und 87. Spielminute machen die Defensivspezialisten Marvin Schulz und Stefan Knezevic aus dem 1:2 ein 3:2 auf dem Kunstrasen im Stade de Suisse. Also drei Punkte im Schlussspurt geholt.
  • Im richtungsweisenden Heimduell gegen GC wird es vor einigen Wochen noch dramatischer: Von der 84. bis zur 94. Spielminute macht der FCL aus einem 0:1 noch ein 2:1. Noch ein «Dreier». 

Es gibt nur eine schlüssige Erklärung

Aber wie viele Punkte haben die FCL-Spätzünder im bisherigen Meisterschaftsverlauf in den letzten zehn Minuten (ab der 81.) verloren? Nicht einen einzigen. 

zentralplus stellt sich die Tabelle also lieber nicht vor, in der die Luzerner mit sieben Punkten am Tabellenende der Super League gelegen hätten. Und all die Konkurrenten, die jene Zähler erhalten hätten, die vor der 80. Minute verteilt worden wären. 

Was können die Fans in diesem Jahr vom FCL erwarten?
Was können die Fans in diesem Jahr vom FCL erwarten? (Bild: fcl.fan-fotos.ch/ Dominik Stegemann)

Aber wie kann es sein, dass die Luzerner immer mal wieder auf den letzten Metern eines Duells die Oberhand gewinnen ohne gewinnbringende Persönlichkeiten?

Es gibt nur eine schlüssige Erklärung: Dieser FCL muss konditionell parat sein. Und darüber hinaus hat er auch eine ganze Menge Moral.

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