Vreni Sigrist im Gastrobetrieb des Kleinfelds, wo ein langer Tisch aus dem Balken des alten Stadions steht. (Bild: jal)
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Vreni Sigrist im Gastrobetrieb des Kleinfelds, wo ein langer Tisch aus dem Balken des alten Stadions steht. (Bild: jal)

4’000 Liter Bier warten auf die Krienser Fans

6min Lesezeit

Am Wochenende wird das neue Stadion des SC Kriens offiziell eröffnet. Mittendrin: Vreni Sigrist. 30 Jahre lang war sie ehrenamtlich für den Verein tätig – nun führt sie die Stadionbeiz hauptberuflich. Typisch für den SC Kriens, der den Spagat zwischen Professionalisierung und familiärem Klub übt.

Statt Geruch nach Grillwürsten und Bier wabert der Duft von frischer Farbe über die Zuschauertribüne im Kleinfeld. Statt Fangesänge ertönt Maschinenlärm. Während auf dem Platz Junioren trainieren, hämmern und hantieren ringsum Handwerker. Das neue Kleinfeld-Stadion erhält wenige Tage vor der Eröffnung noch den letzten Schliff.

Mittendrin: Vreni Sigrist. Sie leitet die Beiz, das Herzstück der neuen Spielstätte des SC Kriens. Macht sich einen Kaffee, hält einen kurzen Schwatz mit einem Gast und stellt sich dann an einen Stehtisch auf der Tribüne. Kurz durchatmen, Zeit für ein Gespräch, bevor es wieder an die Arbeit geht.

«Zurzeit verbringe ich mehr Zeit hier als bei uns daheim», sagt Vreni Sigrist und lacht. Bereits seit Ende August kocht sie täglich das Mittagessen für die rund 120 Schüler der Sportklasse im Obergeschoss des Stadions. Dazu kamen die ersten zwei Heimspiele der ersten Mannschaft in der Challenge League. Und immer wieder Vereinsmitglieder und Neugierige, die in den letzten Tagen und Wochen den Weg in die Beiz fanden. «Das Stadion ist ein Schmuckstück geworden», schwärmt Vreni Sigrist, deren Sohn seit Kurzem neuer Präsident der Fanvereinigung ist (zentralplus berichtete).

Kleinfeld Stadion.
Das Kleinfeld-Stadion am Fusse des Pilatus. (Bild: jal)

Das Schmuckstück eröffnet am Wochenende für die Bevölkerung (siehe Box). Aber nicht nur dann. «Es findet ein Umdenken statt, weg vom Klublokal hin zu öffentlichem Restaurant», sagt Sigrist. «Der Verein bekommt nach aussen hin ein Gesicht.» Künftig – aber das sei erst mal für eine Testphase – wird das Restaurant jeweils von 8.30 bis 14 Uhr und dann wieder ab 17.30 Uhr für alle offen sein. Mittags gibt es zwei Menüs, abends die einfachen Sportplatzklassiker. Schweinswürstli mit Kartoffelsalat, Hot Dog, Sandwich. Die rund 55 Freiwilligen, deren Einsätze Sigrist koordiniert, sollen nicht stundenlang in der Küche stehen müssen.

Eröffnungsfest mit den Grasshoppers

Der SC Kriens weiht am 12. und 13. Oktober sein neues Stadion offiziell ein. Die Türen stehen allen Interessierten am Freitag von 10 bis 17 Uhr und am Samstag von 8.30 bis 12 Uhr offen. 

Am Samstagnachmittag spielen die Junioren um 14 Uhr ein Freundschaftsspiel, um 15 Uhr folgt der offizielle Eröffnungsakt. Um 16.30 Uhr empfängt die erste Mannschaft den Grasshopper Club aus Zürich zu einem Freundschaftsspiel. Anschliessend wird im Festzelt und im Stadion bei Musik weitergefeiert.

Ein Stehplatzticket für das Spiel gegen GC kostet 15 Franken. Wer sich am Crowdfunding beteiligt hat, kann mit dem offiziellen Stadionbauer-Shirt gratis ans Spiel. Das Eröffnungsfest ist – abgesehen von diesem Match – kostenlos.

Die Gastro-Chefin ist überzeugt, dass sich das rund 200 Gäste fassende Lokal rentabel betrieben lässt. Weil mit den Sportschülern ein sicheres Standbein steht. Und weil bereits zahlreiche private Anlässe gebucht sind, Weihnachtsessen von Firmen, Schulungen von Unternehmen, Generalversammlungen von Vereinen. Das Kleinfeld fülle eine Nische in Kriens, entsprechende Lokale seien rar. Doch nicht alle haben nur Freude, dass der SCK da mitmischt. Andere Anbieter hätten teilweise negative Andeutungen gemacht, sagt Sigrist. «Aber Konkurrenz belebt und Kriens tut das gut.»

Erfolge und Niederlagen – sie hat alles miterlebt

Aus den Boxen erklingt plötzlich laute Musik. Der Speaker testet die Anlage, spricht mal sachlich, mal emotional ins Mikrofon. Mit dem Aufstieg in die Challenge League ist beim SCK manches professioneller geworden. Das spürt man auch am Zapfhahn. Vreni Sigrist leitet die Beiz nicht mehr wie vorher ehrenamtlich. Gemeinsam mit Betriebsleiter Ueli Mattmann gehört sie zu den Ersten, die beim SCK in einem Vollzeitpensum angestellt wurden und nicht direkt mit dem Sport zu tun haben. Ansonsten wird der Verein noch immer von vielen Freiwilligen getragen, ohne die der SCK kaum funktionieren würde.

Sigrist ist seit rund 30 Jahren beim SC Kriens mit dabei. Zwei Aufstiege in die höchste Liga, zahlreiche Abstiege, der Beinahekonkurs: Die 55-Jährige hat alles miterlebt. Die gelernte Bäcker-Konditorin sagt, sie sei immer mehr reingerutscht und zuletzt nebenberufliche Beizerin und Vorstandsmitglied geworden. Diesen Sommer hat sie ihren alten Job im Verkauf an den Nagel gehängt, um die Stadionbeiz zu managen. «Es ist für mich immer noch ein Hobby, eines, das ich glücklicherweise zum Beruf machen konnte – wer hat schon diese Chance?»

Kleinfeld Stadion.
Auf dem Kunstrasen spielt der SCK am Samstag gegen die Grasshoppers. (Bild: jal)

Gleichwohl bleibt vieles beim Alten. Während grosse Klubs die Gastronomie an Firmen delegieren – wie der FCL zum Beispiel an die Migros –, stehen im Kleinfeld Einheimische am Grillstand. «Am ersten Spiel sagten manche: Das Stadion ist sehr schön, aber noch schöner ist es, dass dieselben Leute hier arbeiten wie letzte Saison», erzählt Vreni Sigrist strahlend. Denn das Neue, das weiss sie, ist immer auch mit Respekt verbunden, der Sorge, dass etwas verloren geht. Dass der Betrieb anonym wird und die Fans nach dem Spiel gleich wieder gehen. Nicht so im Kleinfeld: «Der Geist des SC Kriens ist geblieben.»

Was vom alten Stadion übrig blieb

Davon zeugen auch die zahlreichen Namen an der Decke der Beiz. Es sind die vielen «Stadionbauer» des neuen Kleinfelds (zentralplus berichtete), die auf dem Beton verewigt wurden. Auch ein Teil der früheren Spielstätte ist geblieben: Aus den alten Balken des Tribünendachs ist ein langer Tisch gezimmert worden, der nun inmitten des Lokals steht. Noch sind die Wände ringsum karg. «Wir werden noch Fussballbilder aufhängen», sagt Vreni Sigrist beinahe entschuldigend.

Sie unterbricht das Gespräch für eine kurze Besprechung mit Präsident Werner Baumgartner, der wie so viele an diesem Mittwochnachmittag durch das Gebäude schwirrt und sich erkundigt, ob alle Getränke bestellt sind fürs Eröffnungsfest. Vreni Sigrist bejaht. 4’000 Liter Bier hat sie kühlgestellt. Der Duft der frischen Farbe dürfte am Wochenende endgültig vom vertrauten Geruch der Grillwürste und des Gerstensafts überlagert werden.

Mehr Eindrücke finden Sie in der Galerie:

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