Dejan Sorgic fühlt sich wohl in der Stockhorn-Arena. (Bild: sib)
Sport Fussball

Dejan Sorgic fühlt sich wohl in der Stockhorn-Arena. (Bild: sib)

Dejan Sorgic ist endlich in der Super League angekommen

8min Lesezeit

Er kennt die Sonnen- wie Schattenseiten des Fussballs: Dejan Sorgic. Als talentierter Jugendlicher hat er beim FC Luzern nie den Durchbruch geschafft, kämpfte mit schweren Verletzungen. Über Umwege ist er beim FC Thun nun doch noch in der Super League durchgestartet – auch dank einem ehemaligen FCL-Teamkollegen.

Der FC Thun ist ein familiärer Verein. Dies wird schon nach wenigen Trainingsminuten in der Stockhorn-Arena deutlich. In breitem Berndeutsch gibt Coach Marc Schneider seine Anweisungen. Mittendrin beim «Mätschle» als Vorbereitung für das nächste Spiel: Dejan Sorgic.

Der in Unterägeri aufgewachsene Stürmer schätzt genau diese familiäre Atmosphäre, die den Verein aus dem Berner Oberland seit jeher auszeichnet. «Ich habe Spass daran, mit dieser Mannschaft Fussball zu spielen», sagt der gebürtige Serbe.

Kein Transfer um des Transfers willen

Dies war auch der Hauptgrund, weshalb er im Sommer seinen Vertrag bei Thun um ein weiteres Jahr bis 2022 verlängert hat – trotz zahlreicher Angebote aus dem Ausland. Doch waren es alles Klubs, die nicht gerade ums Eck sind (Krylia Sovetov Samara, Ankaragücü, Maccabi Haifa, Yokohama). Sorgic dazu: «Ich wollte nicht wechseln, bloss damit ich gewechselt habe. Auch wenn ein Transfer ins Ausland schon immer ein Traum von mir war.» Doch müsse dabei eben alles stimmen.

«Durch die Verletzungen wurde ich undisziplinierter – ging einmal öfter in den Ausgang.»

Dejan Sorgic, Stürmer FC Thun

Dass der 29-Jährige sein «Standing» in der Super League nicht leichtfertig verspielen will, ist verständlich. Er ist in der Form seines Lebens, hat in dieser Saison in neun Spielen bereits sechsmal eingenetzt. Sein FC Thun ist einer der ersten Verfolger von Kantonsrivale und Ligadominator Young Boys.

Doch es gibt noch einen weiteren Grund, weshalb der 1,77 Meter grosse Stürmer nicht aus dem Berner Oberland wegzulocken ist. Dies hat mit seinem Karriereverlauf zu tun.

Unter Sforza debütiert

Beim FC Aegeri hat er die ersten fussballerischen Schritte gemacht. Er war talentiert, schoss Tor um Tor. Sodass der grosse FC Luzern auf den Angreifer aufmerksam wurde und ihn in die U15 lotste. Auch dort lief es zu Beginn nach Plan, er durchwanderte sämtliche Juniorenstufen. Nachdem er bereits in der Super League unter Coach Ciriaco Sforza debütiert hatte, schoss er in der Saison 08/09 für die U21 in 24 Spielen 15 Tore.

Sorgic hat sichtlich Spass im Training.
Sorgic hat sichtlich Spass im Training. (Bild: sib)

Doch der steile Aufstieg sollte jäh gestoppt werden. Eine Adduktorenverletzung setzte ihn ab Oktober 2010 fast ein ganzes Jahr ausser Gefecht. Es sollte nur der Anfang einer beispiellosen Verletzungsserie sein. Insgesamt musste Sorgic während seiner Karriere bereits neun Operationen über sich ergehen lassen.

Aus der Bahn geworfen

So wurden die Einsatzminuten weniger und der Frust mehr. Sorgic gibt zu, dass dies als junger Spieler mental nicht einfach gewesen sei. Zudem sei auch seine Disziplin nicht immer die beste gewesen. «Dies hat mich recht aus der Bahn geworfen: Durch die Verletzungen wurde ich undisziplinierter – ging vielleicht einmal öfter in den Ausgang, da ich am Wochenende jeweils kein Spiel hatte. Heute denke ich anders als damals, wenn ich verletzt bin.»

«Durch die Verletzungen bin ich auch der, der ich jetzt bin.»

Trotz spärlicher Einsatzminuten blieb er bis zum Sommer 2013 in der Leuchtenstadt. «Wenn ich zurückschaue, habe ich schon das Gefühl, dass ich ein paar Jahre meiner Karriere verpasst habe», sagt er. «Wer weiss, wie die Karriere verlaufen wäre, wenn ich öfters fit gewesen wäre. Denn es waren meist Verletzungen, die mich lange ausser Gefecht gesetzt haben.»

Doch trauere er dem nicht nach. «Durch die Verletzungen bin ich auch der, der ich jetzt bin. Ich geniesse es nun umso mehr, auf dem Platz zu stehen. Und ich habe ja doch noch ein paar Jahre vor mir als Fussballer», blickt Sorgic voraus.

Zurück als Hobbyfussballer

Nachdem der Vertrag mit dem FCL auslief, musste sich der Zuger einen neuen Arbeitgeber suchen. Er kam in der Challenge League beim FC Schaffhausen unter. Doch der ehemalige Kriens-Coach Maurizio Jacobacci setzte Sorgic nicht in der Spitze ein, er musste auf den Flügel ausweichen. Hinzu kam ein Knochenriss. Das Resultat: nur 17 Spiele und zwei Tore.

Steht unter Beobachtung: Dejan Sorgic.
Steht unter Beobachtung: Dejan Sorgic. (Bild: sib)

Anschliessend zog es Sorgic zurück in die Innerschweiz, er heuerte beim SC Kriens in der 1. Liga Classic an. Der Profifussball war plötzlich weit weg. Gänzlich fit war er zu Beginn seiner Kleinfeld-Zeit immer noch nicht. Er gibt zu: «Zu Beginn meiner Zeit beim SCK dachte ich, nun wird Fussball nur noch mein Hobby sein.» Er wohnte wieder bei den Eltern, beendete die abgebrochene KV-Lehre und arbeitete in einem Lager.

Teamkollege damals beim SC Kriens: Ridge Munsy, mit Sorgic beim FCL gross geworden. Zu Juniorenzeiten hatten sie gemeinsam Videospiele gezockt, zusammen den Traum vom Profifussballer geträumt. Nun stürmten sie vor ein paar Hundert Zuschauern in der 1. Liga.

Die Gala gegen Monaco

Doch Munsy gelang wieder der Sprung nach oben, er wechselte im Januar 2015 in die Super League zum FC Thun. Inzwischen spielt er in der türkischen Süper Lig. Der Weg seines Jugendfreundes gab Sorgic Mut und Hoffnung, ebenfalls den Weg zurück ins Profigeschäft zu schaffen. «Zumindest in die Challenge League», wie er sagt.

«Ich bin mit der Region immer noch sehr verbunden, habe viele Freunde und Familie in Zug und Luzern.»

Dann kam der 3. Juli 2016. Der SC Kriens absolvierte ein Testspiel in Lugano gegen die grosse AS Monaco. Dejan Sorgic gelang in diesem Spiel ein Hattrick. Zwei Tage später klingelte sein Telefon. Ein Verantwortlicher des FC Thun lud ihn zum Probetraining ein.

In Thun eingeschlagen

Plötzlich war die Tür wieder offen und Sorgic stiess sie noch weiter auf. Er bekam einen Vertrag und erzielte in seiner ersten Saison für die Rot-Weissen in der Liga gleich 15 Tore. Den Stammplatz hat er seither nicht mehr hergegeben, auch wenn die «Verletzungshexe» letzte Saison gleich mehrmals wieder zuschlug.

Auch sonst ist er im Berner Oberland angekommen, wohnt nur fünf Minuten vom Stadion entfernt. Die Zeiten des nächtelangen Aufbleibens sind längst Geschichte. Steht er nicht auf dem Rasen, investiert der Fan von Real Madrid und Roter Stern Belgrad viel Zeit in die Regeneration.

Den Kontakt nicht verloren

Oder er ist in der Innerschweiz anzutreffen. «Ich bin mit der Region immer noch sehr verbunden, habe viele Freunde und Familie in Zug und Luzern», sagt er. Auf die Begegnung in der Swisspor-Arena gegen den FCL freut sich Sorgic besonders: «Es ist nach wie vor etwas Spezielles für mich, dort zu spielen. Ich mag die Atmosphäre, kenne jede Ecke des Stadions.»

Dejan Sorgic bei seiner Lieblingsbeschäftigung: Toreschiessen.

Apropos FCL: Sorgic pflegt immer noch Kontakt zu zahlreichen Spielern, mit denen er gemeinsam für Blau-Weiss auf dem Rasen stand: Janko Pacar, Sava Bento, Hekuran Kryeziu, Adrian Winter, Nelson Ferreira, mit dem er beim FC Thun nun wieder zusammenspielt – und natürlich Ridge Munsy.

Was die Zukunft nach seiner aktiven Karriere bringen soll, weiss er noch nicht genau. «Das Trainerdiplom möchte ich aber auf jeden Fall machen.» Doch vorerst gilt Dejan Sorgics Fokus voll dem FC Thun. «Wenn wir so spielen wie bislang, werden wir mit dem Abstieg nichts zu tun haben», ist er überzeugt. So spricht einer, der endlich beschwerdefrei spielen kann.

x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Mehr Sport