Das neue Trio infernale des EVZ (von links): Josh Holden, Dan Tangnes und Stefan Hedlund. (Bild: Instagram EV Zug)
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Das neue Trio infernale des EVZ (von links): Josh Holden, Dan Tangnes und Stefan Hedlund. (Bild: Instagram EV Zug)

So will das neue Trainer-Trio den EVZ zum Erfolg führen

6min Lesezeit

Mit Neo-Trainer Dan Tangnes schlägt der EV Zug neue Wege ein. Dazu gehört, dass nun gleich zwei Assistenzcoaches dem Chef zur Seite stehen. Welchen Mehrwert bringt die personelle Aufstockung und wie teilt sich das Trio um Tangnes, Holden und Hedlund die Aufgaben auf?

Es ist bereits Mittagszeit, 12.45 Uhr. Die EVZ-Spieler stehen noch immer auf dem Eis. Die Trainingseinheiten werden vom neuen Headcoach Dan Tangnes bisher in ihrer vollen Länge ausgenutzt. Nachdem dann die Spieler nacheinander den Gang in die Kabine angetreten haben, tritt einige Minuten später ein Mann im Trainingsanzug des Coaching-Staffs beschwingten Schrittes in den Kabinengang: Josh Holden. Er trägt einen Stock und ein Tablet in den Händen und ein Lächeln auf den Lippen.

«Das Coaching ist wie eine Wissenschaft», beginnt Holden. «Wenn du eine Frage hast, recherchierst du und findest so immer mehr heraus», erklärt der Kanadier mit leiser und nachdenklicher Stimme, als würde er aus einem geheimen Buch vorlesen. Sein Studium des Coachings absorbiere ihn dermassen, dass er bisher gar keine Zeit gehabt habe, darüber nachzudenken, ob er das Spielen vermisse.

Auf den Spuren von Nordamerika und Skandinavien

«Ich muss mich zu 100 Prozent auf meine neue Aufgabe konzentrieren, da ich so viel an Wissen aufzuholen habe», so der langjährige EVZ-Center. Er hat sich diesen Sommer bei ehemaligen Teamkollegen und Coaches – unter anderem auch bei seinen ehemaligen Zuger Gefährten Doug Shedden, Harold Kreis und Waltteri Immonen – intensiv über den Übergang von der Spieler- in die Coaching-Karriere erkundigt.

«Nach dem Training und den Spielen sitzt du mit jedem einzeln zusammen und schaust Video-Clips an.»

Stefan Hedlund, Assistenzcoach EV Zug

Dass Holden nun als Coach arbeiten darf, hängt mit einer im Schweizer Eishockey geradezu pionierhaften Entscheidung der sportlichen Leitung zusammen. Auf Wunsch von Dan Tangnes stellt ihm der EV Zug zwei Assistenten zur Seite. Während es in Nordamerika und den skandinavischen Ligen seit Jahren üblich ist, dass Teams zwei oder gar drei Assistenztrainer beschäftigen, gehört der EVZ zu den Exoten in der hiesigen Liga – obwohl auch andere Teams wie der SC Bern, HC Lugano und Lausanne HC auf einen grösseren Coaching-Staff setzen.

Keine zehn Spieler pro Coach

Tangnes und die Zuger erhoffen sich dadurch, dass die einzelnen Spieler in ihrer individuellen Entwicklung gezielt gefördert werden können. Stefan Hedlund, der das Triumvirat hinter der Bande komplettiert, erklärt: «Jeder von uns ist für circa sieben bis neun Spieler zuständig und arbeitet mit ihnen individuell. Nach dem Training und den Spielen sitzt du mit jedem einzeln zusammen und schaust Video-Clips an, gibst ihm Rückmeldung und spezifische Aufgaben, damit er sich weiter verbessern kann.»

«Dan arbeitet nicht top-down, sondern involviert Josh und mich in jede Entscheidung.»

Stefan Hedlund

Hedlund ist dabei für die Verteidiger, das Spiel in der eigenen Zone, das Unterzahlspiel und das Scouting des gegnerischen Offensivspiels zuständig, während sich Tangnes und Holden um das Offensivspiel kümmern. Wobei Letzterer vor allem auf das Powerplay und die Bullies achtet und mit jenen Spielern den Kontakt sucht, welche zwischen National und Swiss League pendeln. So, wie Holden dies in der vergangenen Saison selbst getan hat.

Am Schluss entscheidet der Chef

Langfristig wohl prägender als die Aufteilung der Aufgaben erscheint die Art der Zusammenarbeit im Coaching-Staff und gegenüber den Spielern. Diese wird durch eine starke Kooperation charakterisiert. «Dan arbeitet nicht top-down, sondern involviert Josh und mich in jede Entscheidung. Zwar entscheidet schlussendlich er, aber wir führen täglich Gespräche über jede Entscheidung, die wir fällen», so Hedlund, dem die Umstellung zum Assistenten nach fast zehnjähriger Tätigkeit als Headcoach dadurch einfacher gefallen sei.

Der neue Academy-Coach Stefan Hedlund ist bereits sehr engagiert dabei.
Der neue Academy-Coach Stefan Hedlund ist bereits sehr engagiert dabei. (Bild: Felix Klaus/EVZ)

Diese offene Gesprächskultur wird ebenso gegenüber den Spielern praktiziert. Holden dazu: «Dan und Stefan vertreten die Ansicht, dass wir den Spielern ein offenes Ohr entgegenbringen sollen. Wir geben ihnen eine Grundstruktur – beispielsweise im Spielaufbau.»

«Ich dachte immer, dass du als Coach den Spielern sagen musst, was sie zu tun haben.»

Josh Holden, Assistenzcoach EV Zug

Weil jeder Spieler seine eigenen Stärken habe und anders vorgehe, würden sie den Akteuren die Möglichkeit geben, bei der Umsetzung eigene Wege zu finden, hält Holden fest, für den diese Art von Coaching mit seinen Erfahrungen als Spieler kontrastiert.

Coaching ist wie Erziehen

«Ich dachte immer, dass du als Coach den Spielern sagen musst, was sie zu tun haben. Aber eigentlich geht es darum, ihnen zu helfen, damit sie den gewünschten Stil spielen können.» So sehr ihm dies neue Perspektiven auf das Coaching eröffne, findet der Vater von drei Töchtern doch Analogien zu elterlichen Erziehungsaufgaben. «Entscheidend ist, wie du mit deinen Kindern kommunizierst. Du kannst nicht etwas von ihnen erwarten, wenn du zuvor nicht mit ihnen darüber gesprochen und eine Abmachung getroffen hast.» Insofern sei Coaching wie Erziehen.

Josh Holden und Stefan Hedlund stellen sich für die Champions Hockey League Zug vor:

Durch die offene Gesprächskultur sollen die Spieler von ihrem Tun überzeugt sein. Dies stelle einen wichtigen Schritt dar, um jeden einzelnen Spieler individuell besser zu machen. Das ist letztlich das Ziel des Coaching-Trios. Das Team soll nicht nur dank der Taktik des Kollektivs sein Potenzial ausschöpfen, sondern auch, indem sich jedes Puzzleteil stetig verbessert. Oder um es mit den Worten von Hedlund zu sagen: «Wenn sich jeder Spieler um fünf Prozent verbessert, ist die ganze Mannschaft letztlich viel stärker.»

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