Die Idylle trügt: Schon bald wird Zug-West von bis zu 350'000 Schwinger-Fans geflutet.
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Die Idylle trügt: Schon bald wird Zug-West von bis zu 350'000 Schwinger-Fans geflutet.   (Bild: zvg)

Noch mehr Spektakel: Was man zum «Eidgenössischen» schon heute wissen muss

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Noch grösser, noch teurer, noch mehr Spektakel – in knapp einem Jahr findet das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Zug statt. Schon jetzt zeigt sich: Da kommt was Gigantisches auf die Stadt zu. Wir zeigen, worauf sich Zuger gefasst machen müssen.

«Alles in allem sind wir sehr gut unterwegs. In manchen Belangen sind wir dem Zeitplan gar deutlich voraus.» Heinz Tännler, Zuger Regierungsrat und OK-Präsident des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests (Esaf) 2019, zeigt sich guter Dinge. Ob in Sachen Logistik, Finanzen, Sicherheit, Marketing oder Helfer – seitens der Organisatoren macht man sich keine Sorgen, dass es irgendwo harzen könnte.

Dabei ist bereits heute klar: Das «Eidgenössische» in Zug wird in mancherlei Hinsicht Rekorde brechen. Das fängt bereits damit an, dass die 45. Austragung des Grossanlasses erstmals in einer Stadt über die Bühne gehen wird, rund um das Herti-Quartier, direkt im Siedlungsgebiet. Für die Stadtzuger Bevölkerung heisst das: drei Tage Ausnahmezustand.

Zehnmal Zug in Zug

Bis zu 350'000 Besucher werden über das Festwochenende vom 23. bis 25. August 2019 laut den Organisatoren erwartet, also mehr als zehnmal die Zuger Stadtbevölkerung. Zum Vergleich: Die letzte Ausgabe des «Eidgenössischen» in Estavayer 2016 zog nach Veranstalterangaben rund 280'000 Besucher an – allerdings fand dieses nicht in der Stadt, sondern rund um den Militärflugplatz Payerne statt.

Das gesamte Festgelände im Quartier Zug-West umfasst gut 75 Hektaren. 2016 konnten sich die Besucher zwar noch auf rund 90 Hektaren vertun, jedoch bietet die Schwinger-Arena in Zug Platz für 56'500 Zuschauer und übertrifft damit das Hexagon von Estavayer um 4500 Plätze. Bei den Dimensionen des Public Viewings setzt man nächstes Jahr ebenfalls nochmals einen drauf: In Estavayer fanden 5000 Zuschauer Platz, in Zug werden es 8000 sein.

Übersicht über das Festgelände des Esaf 2019 in Zug.
Übersicht über das Festgelände des Esaf 2019 in Zug. (Bild: zvg)

Neuer Budgethöchststand

Auch bei den Kosten wird der Aufwärtstrend des Megaevents fortgesetzt. Stolze 33 bis 34 Millionen Franken lässt man sich die Sause in Zug kosten. Das entspricht mehr als 1000 Franken pro Stadtbewohner – für ein Wochenende. «Allein das Stadion schlägt mit gut zwei Millionen zu Buche», sagt Tännler. Weitere zwei Millionen werden für das Schlecht-Wetter-Szenario zur Seite gelegt.

Die Budget-Spirale des alle drei Jahre stattfindenden Esaf dreht sich damit weiterhin munter nach oben: Estavayer (2016) kostete 29 Millionen, Burgdorf (2013) 25, Frauenfeld (2010) 21 Millionen. Das «Eidgenössische» in Luzern 2004 war mit einem Budget von knapp neun Millionen Franken vergleichsweise ein Schnäppchen.

Schwinger-Luft schnuppern am Stierenmarkt

Wer nicht bis zum nächsten Jahr warten mag, kann bereits Ende August eine erste Prise «Eidgenössisches» in Zug nehmen. Das Organisationskomitee lädt am 25. August 2018, exakt ein Jahr vor dem Grossanlass, zur öffentlichen Informationsveranstaltung inklusive Rahmenprogramm auf dem Stierenmarktareal in Zug.

Für weitere Infos siehe Linkbox.

Ticketpreise im Allzeithoch

Tiefer in die Tasche greifen müssen auch die Schwinger-Fans: Kostete ein gedeckter Sitzplatz in Estavayer noch 215 Franken, sind es in Zug 245 Franken. Ein ungedeckter Platz kostete bei der vergangenen Ausgabe des Esaf 150 Franken, in Zug 180 Franken. Für einen Rasensitzplatz zahlte man in Estavayer 115 Franken, in Zug 150 Franken. Einzig der Preis für einen Stehplatz bleibt mit 50 Franken pro Tag gleich. Der Zutritt aufs Festivalgelände ist kostenlos.

Mit Ausnahme der Stehplätze werden nur Zweitagespässe verkauft. Und: «Im Ticketpreis inbegriffen ist die An- und Abreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln aus der ganzen Schweiz», betont OK-Präsident Tännler. In Estavayer war der Transport nicht inklusive. 2013 in Burgdorf hingegen schon, damals kostete die Zweitageskarte auf der gedeckten Tribüne 225 Franken.

Damit Zug nicht unter die Räder kommt

Mit der öV-Kombi sollen möglichst alle Besucher von ausserhalb dazu animiert werden, auf das Auto zu verzichten. «Zug ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erschlossen», weibelt Organisator Tännler. «In unmittelbarer Nähe zum Festgelände befinden sich drei Bahnstationen. Ausserdem verkehren zahlreiche Extrazüge aus allen Regionen der Schweiz.»

Es werde alles unternommen, damit es in der Stadt nicht zum Verkehrskollaps komme, fügt Tännler an. «Gewisse Strassen werden für das Festwochenende gesperrt. Und Autofahrer werden bereits früh dazu angehalten, mit dem öV weiter in die Stadt zu gelangen», so der OK-Präsident.

«Es ist schwierig, an Tickets zu kommen.»

Heinz Tännler, OK-Präsident Esaf 2019 Zug

Begehrtes Gut

Der Grossteil der Tickets (ca. 35'000 Stück) geht an Schwingklubs aus der ganzen Schweiz. Weitere rund 25'000 Tickets sind für Partner, Ehrengäste und Sponsoren reserviert. Für den Offenverkauf bleiben da lediglich noch um die 4000 Tickets übrig. Immerhin: Mittels Sponsoringvertrag hat sich die Stadt Zug 3600 Billetts für die eigene Bevölkerung gesichert (zentralplus berichtete). Und auch die Zuger Gemeinden bemühen sich um ein Ticket-Kontingent (zentralplus berichtete).

Und doch: «Es ist schwierig, an Tickets zu kommen», sagt Tännler unumwunden. «Die Erfahrung zeigt, dass die Billetts, sobald diese auf den freien Markt kommen, innerhalb von wenigen Minuten weg sind.» Wann genau der öffentliche Verkauf der begehrten Tickets startet, ist indes noch nicht bekannt. «Frühestens im April oder Mai 2019», präzisiert Tännler.

Keine Betten mehr

Schwierig bis unmöglich wird es auch für all jene, die während des Esaf in Zug zu nächtigen gedenken. Die Zuger Hotels sind für die Dauer des Schwingfests nämlich längst restlos ausgebucht (zentralplus berichtete).

Abhilfe schaffen soll ein Campingpatz, der nahe dem Festivalgelände für bis zu 20'000 Menschen Übernachtungsmöglichkeiten bieten wird. Die maximale Campingdauer ist von Donnerstagabend bis Montagmorgen. Wie viel die Plätze kosten, wird das Organisationskomitee Ende August bekannt geben (siehe Box). Allerdings könne man davon ausgehen, dass es keine grossen Abweichungen im Vergleich zu Estavayer und Burgdorf geben werde, sagt Tännler. Das wären dann um die 50 Franken pro Platz. Reserviert werden können die Campingplätze ab Herbst 2018.

Keine Kornkreise, sondern Infrastruktur unter dem Boden. Darüber steht in einem Jahr die grösste temporäre Arena der Welt.
Keine Kornkreise, sondern Infrastruktur unter dem Boden. Darüber steht in einem Jahr die grösste temporäre Arena der Welt. (Bild: zvg)

Hoselupf auf englischem Rasen

OK-Präsident Heinz Tännler macht keinen Hehl daraus, dass die Durchführung des «Eidgenössischen» einer Herkulesaufgabe gleicht. «Gleichzeitig ist es aber auch eine grosse Chance, Stadt und Region Zug nach aussen zu präsentieren.» Angst davor, dass in gut einem Jahr in Zug alles drunter und drüber geht, hat Tännler jedenfalls nicht. «Zug kann das schlucken», ist er überzeugt. «Es ist einzig eine Frage der Organisation. Und diesbezüglich haben wir alles im Griff.»

Auf dem Arena-Gelände wurden jüngst die Leerrohre für Strom, IT und Wasser verlegt. Nun geht es darum, den Rasen der künftigen Schwinger-Manege zu sähen. «Momentan ist es dafür aber zu heiss», merkt Tännler an. Bahnt sich etwa ein meteorologischer Strich durch die Rechnung an? Tännler winkt ab: «Da mache ich mir keine Sorgen. Nächstes Jahr, das versichere ich, wird auf dem Gelände ein schöner englischer Rasen liegen.»

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