Präsentieren stolz die Goldmedaille: Benjamin Steffen, Lucas Malcotti, Max Heinzer und Michele Niggeler (von links nach rechts). (Bild: Facebookseite Max Heinzer)
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Präsentieren stolz die Goldmedaille: Benjamin Steffen, Lucas Malcotti, Max Heinzer und Michele Niggeler (von links nach rechts). (Bild: Facebookseite Max Heinzer)

«Wir alle hatten Hühnerhaut und Tränen in den Augen»

6min Lesezeit

Die Schweizer Degenfechter um Max Heinzer haben im chinesischen Wuxi erstmals WM-Gold mit dem Team geholt. «Ich spüre ein riesiges Glücksgefühl in mir», sagt der 30-jährige Luzerner nach dem grössten Erfolg in seiner bisherigen Karriere. Doch Zeit, den Titel gebührend zu feiern, blieb wenig.

Erstmals in der Geschichte des Schweizer Sports holten die Degenfechter diesen Donnerstag WM-Gold. Im Final besiegten sie Südkorea mit 36:31 (zentralplus berichtete). Einen grossen Anteil am Erfolg im chinesischen Wuxi hat der gebürtige Luzerner Max Heinzer.

Der 30-Jährige erzählte zentralplus wenige Stunden nach dem Titelgewinn, wieso Teamgold schöner ist als ein Einzeltriumph und wie er, Benjamin Steffen, Lucas Malcotti und Michele Niggeler die Goldmedaille feiern werden.

zentralplus: Max Heinzer, was geht bei Ihnen nach dem Gewinn von WM-Gold gerade ab?

Max Heinzer: Nicht gerade viel. Wir hatten mit all den Mediengesprächen ziemlich Stress, nun ist es Mitternacht und ich bin gerade daran, das Zimmer zu räumen. Nachher wollen wir noch ein bisschen Party machen, bevor wir um 4 Uhr in den Bus steigen. Nach drei Stunden Fahrt werden wir dann den Flughafen in Shanghai erreichen. Mit dem Erfolg im Gepäck fällt das allen leichter.

zentralplus: Beschreiben Sie bitte, was die Gefühle in Ihnen nach dem grossartigen Erfolg machen?

Heinzer: Ich bin ziemlich ruhig, weil ich eigentlich noch gar nicht richtig einordnen kann, was die Teamkollegen und ich gerade erreicht haben. Ich bin dankbar für dieses einmalige Erlebnis. Seit 25 Jahren investiere ich all meine Zeit und Liebe ins Fechten, auch meine Familie hat viele Anstrengungen auf sich genommen. Der WM-Titel sorgt für ein riesiges Glücksgefühl und Genugtuung.

«Wir waren auf Wundergefechte von jedem Einzelnen angewiesen, um dieses WM-Gold zu realisieren.»

zentralplus: Als Ihr Teamkollege Benjamin Steffen den packenden Final-Wettkampf gegen Südkorea mit 36:31 entschieden hatte, brachen alle Dämme.

Zur Person

Max Heinzer ist 1987 in Luzern geboren und gehört zu den erfolgreichsten Schweizer Degenfechtern. Zehn Weltcupsiege sowie 15 EM- und WM-Medaillen zieren sein Palmarès. Neben dem Fechtsport hat er einen Abschluss in Sportwissenschaften an der Uni Basel absolviert. Der 30-Jährige ist letzten Dezember erstmals Vater geworden und lebt mit seiner Freundin und dem gemeinsamen Sohn im Kanton Schwyz. 

Heinzer: Ja, das war sehr emotional. Als mir unser Physiotherapeut eine Sekunde vor Schluss die Schweizer Fahne um die Schultern legte, wurde mir klar, dass wir uns ein grosses Ziel erfüllt hatten. Schon unser Weg in den Final war begleitet von grossen Gefühlen, wir standen ja gegen die Israelis in der zweiten Runde schon nahe am Ausscheiden.

zentralplus: Was für eine coole Socke muss man denn sein, um ein enges Gefecht zu den eigenen Gunsten zu entscheiden?

Heinzer: Es war eine Teamleistung von A bis Z. Wir waren auf Wundergefechte von jedem Einzelnen angewiesen, um dieses WM-Gold zu realisieren. Lucas Malcotti und Michele Niggeler brillierten zu Beginn des Finals, was die Aufgabe für Benjamin Steffen und mich erleichterte. Wir beide spürten wohl etwas die Müdigkeit aus den vorangegangenen Duellen, die sehr intensiv waren.

Auf Instagram freuen sich die Fans von und mit Max Heinzer:

 

zentralplus: Ist es für Sie schöner, eine Medaille mit dem Team als im Einzel zu gewinnen?

Heinzer: Etwas im Team zu erreichen, macht alles viel schöner und bewegender. Wir alle hatten nach dem Titelgewinn Hühnerhaut und Tränen in den Augen. Alle vier Teammitglieder hatten Entscheidendes geleistet – und das ist viel befriedigender als eine One-Man-Show.

zentralplus: Ist der WM-Titel auch eine Genugtuung für den missglückten Auftritt an den Olympischen Spielen 2016?

Heinzer: Olympia ist bei mir schon lange nicht mehr im Kopf, auch wenn wir damals richtig am Team-Aus gegen Italien zu kauen hatten. Meinen Einzelwettkampf habe ich erst recht verdaut, ich scheiterte wie schon vier Jahre zuvor gegen den späteren Olympia-Sieger. Im Fechten ist eine Weltmeisterschaft schwieriger zu gewinnen, weil mehr Teams am Start sind als bei den Olympischen Spielen. Wir haben also etwas Einmaliges geschafft.

«Solange ich noch so viel Spass habe, mache ich mir keine Gedanken über ein Ende meiner Karriere.»

zentralplus: Was bedeutet der WM-Titel in Bezug auf die Fortsetzung Ihrer Karriere?

Heinzer: Sicher Rückenwind und ein gutes Gefühl. Solange ich noch so viel Spass habe, mache ich mir keine Gedanken über ein Ende meiner Karriere. Ich bin ja erst 30, das ist im Fechten noch relativ jung, und ich habe Tokio 2022 schon vor Beginn der Olympischen Spiele in Rio thematisiert. Ich habe ja schon vor dem WM-Titelgewinn vieles realisieren dürfen, Weltcupsiege und EM-Titel – davon können andere nur träumen. Jetzt will ich erst einmal die nächste Zeit geniessen.

zentralplus: Was bringt Ihnen der WM-Titel finanziell?

Heinzer: Es gibt ein Preisgeld vom Organisator, aber ich weiss echt nicht, wie hoch das ist. Und dann werde ich Geld von meinen Sponsoren bekommen. Es lohnt sich bestimmt, aber ausgerechnet habe ich das nicht.

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