Der FCL verliert gegen ein effizientes Neuchâtel Xamax das Eröffnungsspiel der Saison 2018/2019. (Bild: fan-fotos.ch)
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Der FCL verliert gegen ein effizientes Neuchâtel Xamax das Eröffnungsspiel der Saison 2018/2019. (Bild: fan-fotos.ch)

Mit einem Kaltstart in die Ära Weiler

5min Lesezeit

Kein Tor und schon gar kein Punktgewinn: So haben sich der neue Trainer René Weiler und seine enttäuschenden Luzerner die Saisonpremiere vor eigenem Anhang gewiss nicht vorgestellt. Sie verlieren gegen ein effizientes Neuchâtel Xamax 0:2.

Schwarzes T-Shirt und eine fast genauso schwarze Jeans: So stand er da in seiner Trainer-Zone, fast die ganze Spielzeit lang. Mal verschränkte er seine Arme vor der Brust, mal hielt er sich eine Hand ans Kinn, mal klatschte er energisch in die Hände. Das, was René Weiler in seinem ersten Spiel als neuer Übungsleiter des FC Luzern zu sehen bekam, konnte nur selten nach seinem Gusto sein.

Als Schiedsrichter Pascal Erlachner dem aus Luzerner Sicht uninspirierten Treiben vor gut 8’900 Zuschauern um genau 20.52 Uhr ein Ende setzte, war es vielleicht auch für Weiler so etwas wie eine Erlösung. Auch wenn der FCL zweimal die Torumrandung traf, so machte er nicht den Eindruck, als könnte er an diesem Samstagabend wenigstens einen Treffer erzielen und eine Null tilgen.

Eine gute halbe Stunde später stellte sich Weiler im Bauch der Swissporarena den Medien. Trotz Kaltstart nach einer bescheidenen Teamleistung wirkte der neue FCL-Trainer nicht angefressen und trat souverän auf. Er sagte nachvollziehbare Sätze wie: «Natürlich sind wir nicht glücklich, ohne Tor und Punktgewinn in die Saison gestartet zu sein.» Oder: «In der zweiten Halbzeit erzeugten wir weniger Druck und hatten kaum gute Aktionen.» Und auch: «Die Fehler, die wir gegen Xamax gemacht haben, wollen wir schnell abstellen.»

Dem FCL fehlt die Balance

Woran lag's? Der Gegner spielte so, wie man es von einem Aufsteiger erwartet. Auf die Defensive fokussiert und das eigene Heil in Kontern suchend. Xamax machte das effizient. Von drei Torschüssen waren zwei drin. Und das reichte getrost gegen einen FC Luzern, der nicht nur mit dem kompakten Gegner, sondern auch mit den eigenen Unzulänglichkeiten zu kämpfen hatte.

Im Vergleich zum Sturmlauf im Frühjahr, der den anfänglich abstiegsgefährdeten FCL bis auf Platz 3 trug, war er in seinen Offensivbemühungen weniger klar und konkret – und in der Defensive längst nicht mehr so aufsässig und konsequent. Bei beiden Gegentoren blieb der Torschütze ungedeckt.

Ist die fehlende Balance im FCL-Spiel ein Grund zur Sorge? Nicht unbedingt. Weiler hatte einen taktischen Schlachtplan und verzichtete deshalb auf einen nominellen Stürmer in der Startformation: «Ich wollte mit einem verstärkten Mittelfeld in die Tiefe kommen.» Hätte Ruben Vargas in der 9. Minute das Skore eröffnet oder Christian Schneuwly kurz vor der Halbzeit, als er alleine vor Xamax-Goalie Laurent Walthert aufgetaucht war, wenigstens das 1:1 gemacht, es wäre ein anderes Spiel mit einem vielleicht erfreulicheren Ausgang geworden.

Stattdessen waren die weiteren Offensivbemühungen der Luzerner meist unbelastet von zündenden Ideen und kreativen Ansätzen, dafür aber öfters unpräzis in der Ausführung und darum keine echte Gefahr für das gegnerische Abwehrdispositiv. Und im Abwehrverhalten hat Weiler erkannt, dass «wir aggressiver gegen den Ball agieren müssen».

Weiler ist kein Verwalter

Hat sich Weiler mit seiner Aufstellung verspekuliert? Kreativ-Spieler Valeriane Gvilia und Idriz Voca, beide Stammkräfte unter Weilers Vorgänger Gerardo Seoane, verfolgten das erste Heimspiel von der Ersatzbank aus. Captain Christian Schneuwly mühte sich in der Rolle des Ideengebers meist glücklos ab, aber auch von einem Olivier Custodio oder Filip Ugrinic kamen in einem variablen 4-2-3-1 kaum taugliche Akzente.

 

«In der Rolle von Gvilia und Voca haben wir einige Spieler, und jene, die zum Zug kamen, haben es sich in den Trainings unter der Woche verdient», verteidigte Weiler seine Aufstellung. Und machte damit auch gleich klar: Er ist kein Verwalter der erfolgreichen Rückrunde 2017/18. Unter ihm muss sich jeder Spieler neu beweisen. Das kann eine neue Dynamik auslösen.

Wie ist Weilers Premiere letztlich einzuordnen? Sie verlief so, wie man es als neuer Cheftrainer vermeiden will: Heimniederlage gegen den Aufsteiger nach einem blassen Auftritt. Trotzdem war es auch nicht die Mutter aller Niederlagen. Mit Blick auf die nächsten Aufgaben in Thun und zu Hause gegen Lugano muss es in Weilers vordringlichstem Interesse sein, dass man dereinst mit Blick zurück von einem Betriebsunfall schreiben wird.

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