Martin Elmiger, im Dress seines letztjährigen Teams BMC Racing. (Bild: zvg)
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Martin Elmiger, im Dress seines letztjährigen Teams BMC Racing. (Bild: zvg)

Ein Chamer fährt zum achten Mal die Königsetappe der Tour de France

4min Lesezeit

16 Jahre lang war er Radprofi, sieben Mal hat er die Tour de France absolviert. Doch auch nach seinem Rücktritt als Profisportler ist der gebürtige Hagendorner Martin Elmiger am grössten Radrennen der Welt als Fahrer mit dabei. Nur hat er das Verkehrsmittel gewechselt.

Markus Mathis

«Es fühlt sich gut an – einfach richtig», sagt Martin Elmiger (39). Das Wetter ist prächtig und im Tross der Tour de France herrscht Hochbetrieb. Denn heute findet die 175 Kilometer lange Königsetappe der diesjährigen Tour statt.

Das Steckenprofil sieht aus wie die Aneinanderreihung von drei Mal Matterhorn. Drei mythische Berge stehen auf dem Programm. Erst der Col de la Madeleine (2’000 Meter), dann der Col de la Croix de Fer (2’067 Meter) und abschliessend kämpfen sich die Fahrer unter den frenetischen Anfeuerungsrufen der über 100’000 Zuschauer die berühmten 21 Kehren zum Wintersportort Alpe d’Huez (1’850 Meter) hoch.

Hochfliegen statt still leiden

«Bei meiner ersten Tour-de-France-Teilnahme fand ein Bergzeitfahren auf die Alpe d’Huez statt», erinnert sich Elmiger. «All diese Menschen sorgen für eine einmalige Kulisse und der ohrenbetäubende Lärm beflügelt.» So ganz anders als sonst in den Bergen, wo Radrennfahrer an den steilen Rampen oft still vor sich hin leiden.

«Als Fahrer stehst du voll unter Strom, nimmst aber den Stress der anderen weniger wahr.»

Martin Elmiger

Für Martin Elmiger ist die Anstrengung passé. Von 2001 bis 2017 war er Radprofi, vier Mal Schweizermeister. Er war sechzehnmal die Tour de Suisse und siebenmal die Tour de France gefahren, bevor er im vergangenen Oktober in Japan seine Profikarriere abschloss. 

Mal eben mit dem Velo nach Paris

Dennoch ist er nun als Fahrer wieder mit dabei. Nur eben nicht mehr auf einer Rennmaschine, sondern am Steuer eines VIP-Autos im Tross. Und er absolviert auch nicht mehr die ganze Tour, sondern lediglich die drei Bergetappen in Savoyen. «Ich wurde für die ganzen drei Wochen der Tour de France angefragt», sagt er. «Aber ich war früher genug lange weg.»

Jetzt arbeitet Elmiger vor allem für Neoprop, seine Firma für Lichtwerbung in Affoltern am Albis. «Aber als Hobbyfahrer sitze ich immer noch häufig auf dem Rad.» Nach seiner Rückkehr von der Tour de France will Elmiger von Grenchen nach Paris pedalen – 150 Kilometer pro Tag.

Zwei Zentralschweizer aktiv dabei

Doch erst ist die Tour de France angesagt – das Wiedersehen mit der Alpe d’Huez und den alten Kollegen. Natürlich stehe er in Kontakt mit seinem früheren Team, BMC Racing und den anderen Schweizern an der Tour, sagt er zentralplus. Tauscht sich mit dem Zeitfahrspezialisten Stefan Küng aus oder begegnet Mathias Frank, der am Mittwoch in der Fluchtgruppe fuhr, aber in der letzten Abfahrt stürzte.

Legendär: Der Aufstieg zur Alpe d'Huez.
Legendär: Der Aufstieg zur Alpe d'Huez. (Bild: BBC)

Der Luzerner Hinterländer Mathias Frank (31), der fürs französische Team Ag2r La Mondiale fährt, ist nicht der einzige Zentralschweizer Profi an der diesjährigen Tour de France. Auch Michael Schär (31) aus Geuensee ist als Helfer des schweizerisch-amerikanischen Teams BMC Racing mit dabei.

Der dritte mögliche Kandidat, Grégory Rast (38) aus Ebikon, der wie Elmiger dem Veloclub Cham-Hagendorn angehört, steht in seinem letzten Profijahr. Er wurde aber von seinem amerikanischen Team, Trek Segafredo, bei der «Grande Boucle» – der grossen Schleife – nicht eingesetzt.

Blick fürs Ganze

«Als Fahrer stehst du unter Druck, nimmst das Drumherum der Tour weniger wahr», beschreibt Elmiger den Unterschied zu 2016, als er letztmals die Tour fuhr. Nun aber beobachte er das Geschehen von aussen. Er sei erstaunt, wie viele Leute an der Tour de France mitwirken, die mit ihren jeweiligen Aufgaben ebenfalls voll ausgelastet sind und unter Druck stehen.

Elmiger kann’s selber etwas gelassener angehen. «Ich muss ja jetzt nicht mehr auf dem Velo performen», meint er. Demententsprechend herrsche eine gelöste Stimmung. «Wir können nun auch mal feiern und das ganze Volksfest, das rund um die Tour stattfindet, geniessen.»

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