Der Kunstrasenplatz ist vergittert wie ein Gefängnis, damit niemand ihn unbefugt betreten kann. (Bild: Susanna Stalder)
Sport Fussball Gesellschaft

Der Kunstrasenplatz ist vergittert wie ein Gefängnis, damit niemand ihn unbefugt betreten kann. (Bild: Susanna Stalder)

«Anwohner laufen selbst wegen einem Rasensprinkler Amok»

7min Lesezeit 3 Kommentare

Rote Köpfe am Sportplatz Hofmatt in Meggen: Einige Anwohner beklagen sich unsportlich über den Lärm der Sportler. Während die Gemeinde mit Diplomatie nach Lösungen sucht, um die hoch schlagenden Gefühlswogen zu glätten, platzt einigen jungen Fussballern der Kragen und sie lassen Dampf ab.

Susanna Stalder

Meggen – 2017 von der «Weltwoche» als zweitschönste Gemeinde der Schweiz betitelt – trübt seit langer Zeit ein Wermutstropfen: Am Sportplatz Hofmatt im Zentrum erhitzen sich die Gemüter einiger Anwohner ob unzumutbaren Lärms auf dem Fussballplatz.

Dorfgespräch

Beim Glasentsorgen bei der Balm, direkt hinter dem Kunstrasenfeld, schimpfen zwei Anwohner: «Die lassen in voller Lautstärke Musik laufen, dieses, dieses schreckliche Zeugs!» Doch die Schliessung des Kunstrasens könne nicht die Lösung des Konflikts sein, wird argumentiert. Zudem frage man sich, warum eigentlich niemand etwas gegen das illegale Parkieren entlang der Dreilindenstrasse unternehme. Es gehe doch nicht an, dass die Eltern ihre Kinder vom Fussballplatz abholen und sich dabei um keine Fahrverbote scheren.

«Sportplätze in Siedlungsgebieten», erklärt der Megger Gemeindeammann Hanspeter Hürlimann, «bieten Diskussionspotenzial.» Lärm werde von Anwohnern unterschiedlich wahrgenommen, beispielsweise stören laute Musik, Geräusche des Metallzauns oder lautes Rufen. Aus Gründen des «Persönlichkeitsschutzes» könne man keine Namen nennen. Richtig sei, dass viele schon lange dort wohnen, seit vor dem Bau des problembehafteten Sportplatzes. Jedoch: «Gemäss Gesetz gilt nicht, wer zuerst da war, sondern was gemäss Umweltgesetz rechtens ist.»

Schon ein Rasensprenkler stört

Was stört, beantwortet Niels Heini, selbst Fussballer, Wirtschaftsstudent und Anwohner, konkreter: «Manche laufen selbst wegen eines laufenden Rasensprenklers Amok.» Als er im Juniorenteam spielte, habe es bereits Reklamationen geregnet, erklärt Gustaf Wuite, ETH-Student und ebenfalls Mitglied des FCM. Gemäss Gemeindeammann gebe es seit diesem Winter konkret einen intensiven Mailverkehr zwischen einigen Anwohnern und der Gemeinde. Merkwürdigerweise kam, obwohl sich die Anwohner derart gestört fühlen, all die Jahre nie die Polizei zum Einsatz.

«Wer in die Nähe eines Sportplatzes zieht, muss für sich selber entscheiden, ob er den gesetzlich festgelegten Sportlärm akzeptieren will.»

Hanspeter Hürlimann, Gemeindeammann von Meggen

Die Gemeinde habe laut Hürlimann eine auf dem Umweltschutzgesetz basierende Lärmstudie in Auftrag geben. In einem späteren Schritt werde mit Interessengruppen ein Benutzungsreglement erarbeitet.

1,64 Millionen teurer Platz

Gemäss Hürlimann sei 2017 die Baubewilligung mit der Bedingung verknüpft gewesen, diesen Platz beschränkt zu nutzen. Die Stimmbürger willigten ein, diesen für 1,64 Millionen Franken bauen zu lassen, obwohl heute der Nutzniesser vor allem der Fussballclub ist. Grundsätzlich sei dieser aber ebenso den Schulen sowie allen Vereinen zugänglich – konkrete Namen wurden nicht genannt.

Seit Mitte April prangt ein für Unverständnis sorgendes Verbotsschild am Eingang des Fussballplatzes.
Seit Mitte April prangt ein für Unverständnis sorgendes Verbotsschild am Eingang des Fussballplatzes. (Bild: Susanna Stalder)

Hürlimann behauptet, insbesondere der Kunstrasenplatz biete Anlass zu Reklamationen. Was nicht ganz korrekt scheint, denn: «Die ganz verrückten Nachbarn stören sich sogar an schreienden Kindern auf dem Schulhof.» Dies verrät eine anonym bleibende Quelle nicht ohne Zynismus. Diese Person möchte ungenannt bleiben, da sie dem Vorstand nicht dreinreden wolle, es handle sich um eine «heikle» Angelegenheit, aber weil dieses Thema an die Öffentlichkeit gehöre, könne er nicht länger schweigen.

«Die ganz verrückten Nachbarn stören sich selbst an schreienden Kindern auf dem Schulhof.»

Anonymer Fussballer

Der FCM, gegründet 1949, hat 400 Mitglieder, davon 200 Junioren. Man setze auf erfolgreiche Juniorenförderung, sinnvolle Freizeitbeschäftigung, soziale Integration, Gesundheitsprävention, Teamgeist und Generationendialog. Nur scheitert dieser teilweise äusserst unsportlich an den Grenzen des Sportwegs. Der Vorstand des FCM kusche und diktiere den Mannschaften, früher zu trainieren, erläutert die anonyme Quelle, damit spätestens um 21.15 Uhr Ruhe einkehre. Der ganze Trainingsplan sei auf den Kopf gestellt worden, um die Anwohner zu besänftigen. Nur stelle sich die Frage, warum jemand an den Sportplatz ziehe und letztendlich Probleme damit habe, dass dort Fussball gespielt werde, wo bekanntlich Emotionen freigesetzt werden und Rufen wie Schreien unabwendbar seien.

Kein Kommentar vom FC Meggen

Insbesondere schlimm muss sein, wenn der Ball gegen das sportwegseitige Metallgitter prallt, weshalb der FCM Trainern wie Spielern die Anweisungen gibt, möglichst kantonsstrassenseitig aufs Tor zu schiessen, ist auf der Webseite des FCM nachzulesen. Der Vorstandspräsident Philipp Felber, um ja in kein Fettnäpfchen zu treten, enthält sich jeglichen Kommentars: «Fragen Sie auf der Gemeinde nach.» Was einen der drei Fussballer zur Aussage animiert, die würden halt einfach vor den Anwohnern in die Knie gehen, damit das Ganze nicht weiter eskaliere.

Das Clublokal ist ein weiterer Unruheherd, weil dort die Fussballer nach dem Training zusammensitzen.
Das Clublokal ist ein weiterer Unruheherd, weil dort die Fussballer nach dem Training zusammensitzen. (Bild: Susanna Stalder)

Ein weiterer Streitpunkt sei das Beizli des FCM: Üblicherweise genehmigen sich dort die Spieler nach dem Training der 1. und 2. Mannschaft noch etwas, sitzen zusammen – und tun das, was auf der Webseite nachzulesen ist: sich sozialisieren. Dies sei ein weiterer Grund für Anwohner, sich zu beschweren, so drohten sie mehrmals per Telefon bei der Wirtin mit der Gewerbepolizei, da das Beizli nicht alle Auflagen für ein richtiges Restaurant erfüllte, erklärt der anonyme Fussballer.

Aus diesem Grund sei eine neue Lüftung eingebaut worden, um offiziell länger geöffnet zu bleiben. «Da schossen die Anwohner ein Eigentor, um im Fussballjargon zu bleiben, nun hatten sie noch mehr Lärm.» Eine Anwohnerfamilie, die selber drei Kinder habe, die in Meggen zur Schule gegangen seien und einer der Söhne im FCM gewesen sei, stöhne am lautesten. Leider war diese für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Helikoptereltern

Die Sportplätze bestünden seit Jahrzehnten, wieso jetzt so ein Gedöns gemacht werde? Einzig die «Helikoptereltern», die ihre Kinder zum Sportplatz bringen, seien ätzend. Zeitweise stünden diese Elterntaxis auf der Dreilindenstrasse Stossstange an Stossstange, obwohl dort ein Fahrverbot bestehe. Die Polizei mache vermehrt Kontrollen und verteile Bussen, lautet dazu die Antwort gemeindeseits.

Schilder am begehrten Tschuttiplatz weisen auf das Verbot hin: Der Rasen ist für die Öffentlichkeit gesperrt, derweil auf dem Dorfplatz ein WM-Public-Viewing Festlaune verbreitet.

Helikoptereltern sind Eltern, welche ihre Kinder überallhin mit dem Auto kutschieren, was auch von der Gemeinde kritisiert wird.

Helikoptereltern sind Eltern, welche ihre Kinder überallhin mit dem Auto kutschieren, was auch von der Gemeinde kritisiert wird. (Bild: Susanna Stalder)

x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Mehr Sport