Philipp Studhalter ist Verwaltungsratspräsident und CEO ad Interim des FC Luzern. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)
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Philipp Studhalter ist Verwaltungsratspräsident und CEO ad Interim des FC Luzern. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

FCL: Neuer CEO kommt nicht mehr dieses Jahr

6min Lesezeit

Der FCL wird die Saison auf dem dritten Schlussrang abschliessen. Im Interview berichtet Verwaltungsratspräsident Philipp Studhalter über seinen turbulenten Frühling, die Suche nach einem neuen CEO und erklärt, weshalb man beim FCL auf einen neuen Star-Spieler verzichten wird.

zentralplus: Diesen Samstag geht für den FCL die Saison zu Ende. Zeit ein Fazit zu ziehen. Wie lautet Ihres?

Philipp Studhalter: Ich bin sehr stolz auf die Leistung des Teams. Wir konnten die ganze Region begeistern. Wir hatten diese Saison schwierige Phasen – das gehört dazu – aber die sportliche Bilanz der Rückrunde entschädigt dafür.

zentralplus: Ein wichtiger Baustein ist sicher der neue Trainer Gerry Seoane. Sahen Sie diese Entwicklung kommen?

Studhalter: Wir wünschten uns das. Wir waren in der Winterpause wirklich in einer schwierigen Situation. Die Mannschaft hat an sich gearbeitet und die Tugenden, die der Trainer vorlebt, umgesetzt. 

«Unser Fokus nächste Saison wird so oder so auf der Meisterschaft und dem Cup liegen.»

zentralplus: Wie gelingt es, diesen positiven Drive über den Sommer zu konservieren?

Studhalter: Vorab: Die Saison ist noch nicht zu Ende, wir wollen gegen Basel noch einmal alles geben. Danach gehen die Spieler in den Urlaub, das haben sie sich auch verdient. Jeder Sportler will weiterkommen, deshalb werden wir auch in der nächsten Saison wieder angreifen. Wir auf der Geschäftsstelle wollen dafür die Grundlagen schaffen.

zentralplus: Helfen würden die Millionen aus der Europa League. Welche Bedeutung hätte ein YB-Cupsieg für den FCL?

Studhalter: Es wäre das Sahnehäubchen auf die Saison. Aber unser Fokus nächste Saison wird so oder so auf der Meisterschaft und dem Cup liegen. Ob wir in die Gruppenphase der Europa League einziehen oder nicht, wirft uns nicht aus den Bahnen. Wir richten unsere Planung nicht daran aus. 

Nach dem Spiel in St. Gallen jubeln Philipp Studhalter und Trainer Gerry Seoane über die Europa League Qualifikation. 
Nach dem Spiel in St. Gallen jubeln Philipp Studhalter und Trainer Gerry Seoane über das definitive Erreichen von Rang 3. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

zentralplus: Die Finanzen sind beim FCL immer wieder ein Thema. Wurden die Budgets in der abgelaufenen Saison eingehalten?

Studhalter: Für eine Aussage dazu ist es zu früh. Wir sind auf einem guten Weg.

zentralplus: Sie sind seit Ende März und der Entlassung von Marcel Kälin der interimistische CEO. Wie läuft’s?

Studhalter: Es ist ein sehr schöner Job, in dem vieles passiert. Die ganze Geschäftsstelle ist zusammengerückt. Wir verfügen über viel Know-how und ziehen an einem Strang. Aber die Aufgabe ist auch anspruchsvoll – ein Fussballclub ist kein normales Unternehmen.

«Ob wir bei der Bezeichnung CEO bleiben, ist noch völlig offen.»

zentralplus: Wie weit sind Sie mit der Suche nach einem neuen CEO?

Studhalter: Grundsätzlich gehen wir das sehr entspannt an. Wir haben im Verwaltungsrat ein Anforderungsprofil erstellt. Eine wichtige Anforderung ist sicher eine hohe Sozialkompetenz. Aber wir lassen uns Zeit. Wenn wir die Stelle einmal ausgeschrieben haben, dauert es bestimmt noch sechs Monate.

zentralplus: In diesem Jahr wird man den neuen CEO also wohl nicht mehr präsentieren. Braucht es überhaupt noch einen zusätzlichen starken Mann beim FCL?

Studhalter: Wir halten am System fest, damit wir die operative von der strategischen Ebene trennen können. Ob wir bei der Bezeichnung CEO bleiben, ist noch völlig offen. Es geht um die Leistung und nicht darum, wie die Stelle heisst. Wer diese Rolle dereinst erfüllt, muss aber sicher auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse mitbringen. Die finanzielle Gesundung des Vereins muss weiter gehen.

zentralplus: Sie sind beim FCL in keiner einfachen Situation eingesprungen. Gleichzeitig war ihr Bruder in Frankreich in Untersuchungshaft, was die Arbeit in ihrem Familienunternehmen sicher nicht vereinfacht hat. Wie bringen Sie alles unter einen Hut?

Studhalter: Dieses Frühjahr war tatsächlich ausserordentlich in jeder Hinsicht. Man muss mich als Mensch verstehen. Beim Rudersport habe ich gelernt, an meine Grenzen zu gehen. Ich verfüge über eine hohe Selbstreflexion und weiss, dass man in Extremsituation zusammenstehen muss. Gleichzeitig ist es wichtig, dass man seinen Mitspielern viel Vertrauen schenkt. Zwei Dinge erleichtern mir meine Arbeit gewaltig: Ich weiss, dass der Verwaltungsrat zu hundert Prozent hinter mir steht. Und zweitens gibt es einfach wahnsinnig viel Energie, wenn man sieht, wie sich die jungen Menschen beim FCL im Sport und auch neben dem Platz entwickeln.

«Interne Dinge sollen auch intern bleiben.»

zentralplus: Was für ein Präsident sind Sie?

Studhalter: Ich bin Teil eines Teams – das ist meine Grundüberzeugung. Gleichzeitig blicke ich auch nach vorne. Als Präsident ist man immer im Jetzt, muss aber auch in der Zukunft tätig sein. Ich muss schliesslich wissen, wohin die Reise gehen soll. 

zentralplus: Sie standen schon in der Kritik, weil ihre Medienkonferenzen nicht sehr ergiebig sind und Sie vor allem Floskeln liefern.

Studhalter: In diesen Momenten ist es wichtig, dass man hinsteht und eine klare Botschaft vermittelt. Bei Trennungen kommen juristische Gründe dazu, wieso man keine Details Preis gibt. Und wenn es um Spieler geht, müssen wir auch unsere persönliche Verantwortung wahrnehmen, indem wir sie schützen. Interne Dinge sollen auch intern bleiben.

zentralplus: À propos Spieler: Holen Sie im Sommer einen Star nach Luzern?

Studhalter: Nein. Das würde nicht zu unserer Mannschaft passen. Das Team ist bei uns der Star. Eine glanzvolle Neuverpflichtung würde in diesem Gefüge eine viel zu grosse Rolle einnehmen. Das passt nicht zu unserem eingeschlagenen Weg.

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