Fabian Lustenberger auf dem Gelände des Hertha BSC Berlin. (Bild: les)
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Fabian Lustenberger auf dem Gelände des Hertha BSC Berlin. (Bild: les)

Fabian Lustenberger kann sich eine Rückkehr zum FCL vorstellen

8min Lesezeit

Mit 19 Jahren zog der Luzerner Fabian Lustenberger hinaus in die grosse Fussballwelt. Erste Station: Hertha BSC. Endstation? Auf jeden Fall ist er immer noch dort, stieg mit dem Club zwei Mal ab und wieder auf und wird deshalb von den Fans verehrt. Auch privat hat er in Berlin sein Glück gefunden. 

Er war 19 Jahre alt und hatte bereits 40 Spiele im Dress des FC Luzern absolviert, als Fabian «Lusti» Lustenberger von der beschaulichen Allmend zum grossen deutschen Hauptstadtclub Hertha BSC Berlin wechselte. Heute ist er der dienstälteste Hertha-Profi und hat am letzten Wochenende seine elfte Saison auf dem 10. Schlussrang abgeschlossen. 

zentraplus traf den Luzerner im vergangen Monat in Berlin. Das Vormittagstraining war gerade zu Ende, die Spieler verliessen in ihren Boliden den Campus. Fabian Lustenberger nahm sich Zeit für ein Gespräch und plauderte über sein Leben in Berlin, seine Karriere und die ersten Schritte in der Weltstadt.

«Ich kann mich schon noch an meinen ersten Tag erinnern», lacht Lustenberger. Zu seinem zehnjährigen Jubiläum habe die Medienabteilung ein Video erstellt mit verschiedenen Szenen seiner Karriere. Darin sieht man Bilder von seinen ersten Schritten im Olympiastadion und seiner ersten Pressekonferenz. «Ich war schon noch sehr jung», erinnert er sich.

Die jungen Spieler haben sich verändert

Jetzt ist er also immer noch dort. «Wenn ein neuer Spieler fragt, wie lange ich schon hier bin, lachen sie jeweils verdutzt über meine Antwort», sagt er. Sein erster Trainer war der Schweizer Lucien Favre. Es folgten Friedhelm Funkel, der spätere FCL-Coach Markus Babbel und Michael Skibbe. Dann sollte die grosse deutsche Trainerlegende Otto Rehagel 2012 den Abstieg verhindern. Lustenberger war zu jener Zeit verletzt, das Unterfangen scheiterte. Jos Luhukay führte den Club zurück in die Erstklassigkeit und seit Februar 2015 hält nun Lustenbergers ehemaliger Mitspieler Pal Dardai die Zügel in der Hand.

Was hat sich seither verändert? «Die Jungen von heute sind anders als ich damals, haben mehr Selbstvertrauen», erzählt Lustenberger. «Ich war zurückhaltender und wollte erst meine Leistung erbringen.»

Fabian Lustenberger spielt seit knapp elf Jahren in Berlin:

 

Was hat ihn denn davon abgehalten, seine Zelte an einem neuen Ort aufzuschlagen? «Ich fühle mich unglaublich wohl in Berlin», erklärt er. «Die Gegensätze der Grossstadt sind spannend.» Man sei rasch im Grünen oder in der pulsierenden Innenstadt. Sein liebstes Lokal? «Momentan bin ich auf dem asiatischen Trip», sagt er. Und ergänzt: «Man möchte am liebsten immer etwas Neues ausprobieren und besucht dann trotzdem wieder die alten Lokale.»

Lusti: «Ich war nie ein Top-Talent»

So hat es Lustenberger auch mit dem Fussballclub. Die «alte Dame» – die Hertha hat den gleichen Spitznamen wie Juventus Turin – hat es ihm angetan. Nichts mit Sprungbrett zur Weltkarriere also. «Ich war nie ein Top-Talent, das bereits nach zwei, drei Jahren hätte wechseln können», sagt er und erwähnt etwa Granit Xhaka.

«Ich will nichts versprechen. Man weiss nie, was kommt.»

Fabian Lustenberger, Bundesliga-Profi

Ein langjähriger Verbleib ist in Zeiten des Transferwahnsinns doch ungewöhnlich. Die Fans honorieren Lustenbergers Loyalität. In Kommentarspalten wird er oft als «Ehrenmann» und «Fussballgott» gelobt. Und dies, obwohl Lustenberger nicht unumstrittener Stammspieler ist. Oder wie die «Berliner Zeitung» vor der Saison feststellte: «Es ist seltsam – Fabian Lustenberger hat es vor jeder Saison bei Hertha schwer.»

Im Februar gewann Lustenberger erstmals Punkte gegen die Bayern. Allerdings verletzte er sich dabei:

 

Dabei hätte es durchaus anders kommen können. Denn nach seinem dritten Jahr in Berlin stand ein wegweisender Entscheid in Lustenbergers Karriere an. Der Club war gerade abgestiegen. Dennoch entschied sich der mittlerweile 29-Jährige für einen Verbleib. «Wegen des Umfelds», wie er betont. Den Abstieg machte er zwei Mal mit – den sofortigen Wiederaufstieg logischerweise auch. «Nie konnte ich mir vorstellen, dass es einen besseren Entscheid geben würde.»

Lustenberger gründete Familie in Berlin

Da spielte sicher auch seine «Dame» eine Rolle. Lustenberger lernte seine grosse Liebe Monique in Berlin kennen. Mittlerweile ist er dreifacher Familienvater. «Klar ist es schön, wenn sich die Familie hier wohlfühlt.» Berlin sei seine zweite Heimat.

Im vergangenen November wurde Lustenberger zum dritten Mal Vater:

 

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Ein Beitrag geteilt von lusti28 (@lusti28) amNov 10, 2017 um 7:06 PST

 

Und die erste fussballerische Heimat, der FC Luzern? «Ich verfolge den FCL so intensiv wie es geht», sagt Lustenberger. Mit Gerry Seoane sei er ab und zu in Kontakt, auch mit seinen ehemaligen Mitspielern Dave Zibung und Claudio Lustenberger (die beiden sind nicht verwandt). «Marvin Schulz lernte ich kennen, weil er denselben Berater hat wie ich.» Er sei froh, habe der Verein nach dem turbulenten Jahresstart den Turnaround geschafft.

Lustenberger würde zur Vision 2021 passen

«Wir integrieren ehemalige Spieler – in verschiedenen Rollen auf und neben dem Spielfeld – in unsere FCL-Familie», heisst es in der Vision 2021 des FC Luzern. Da wäre doch ein Mittelfeld-Duo Pirmin Schwegler und Fabian Lustenberger naheliegend. «Ich würde dann den Innenverteidiger geben, da muss man weniger laufen», sagt Lustenberger laut lachend. Dann wird er ernster. «Ein schöner Traum. Ich könnte mir eine Rückkehr vorstellen, es besteht nach wie vor Kontakt.»

Konkret will Lustenberger jedoch nicht werden. «Ich will nichts versprechen. Man weiss nie, was kommt.» Sein Vertrag in Berlin lauft noch ein Jahr, danach müsse man schauen. Lustenberger sagt jedoch auch, dass er gerne noch zwei, drei Jahre in der Bundesliga spielen würde. «Jetzt schon kann ich mir eine Rückkehr in die Schweiz nicht vorstellen.»  

Kein Thema ist für Lustenberger übrigens die WM diesen Sommer in Russland. Seitdem er mehr Einsatzzeit verlangte, fiel er bei Nati-Trainer Vladimir Petkovic ausser Rang und Traktanden. Lustenberger zuckt mit den Schultern. Er habe die Situation akzeptiert und spüre überhaupt keinen Groll. Er werde der Nati selbstverständlich die Daumen drücken.

Das Olympiastadion in Berlin ist seit zehn Jahren die Heimstätte des Luzerners Fabian Lustenberger.
Das Olympiastadion in Berlin ist seit zehn Jahren die Heimstätte des Luzerners Fabian Lustenberger. (Bild: les)

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