Yvonne Belin mit ihren beiden Border Collies vor dem KKL, wo sie gerne übt. (Bild: zvg)
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Yvonne Belin mit ihren beiden Border Collies vor dem KKL, wo sie gerne übt. (Bild: zvg)

Yvonne Belin: Die mit dem Hund tanzt

6min Lesezeit

Nach mehreren erfolglosen Hundeerziehungskursen stolperte die Krienserin Yvonne Belin zufällig in einen Dog-Dance-Kurs. Ein Volltreffer: Mit Futter und Fantasie tanzte sie sich mit ihrer Hündin Alice an die Weltspitze. Wieso sie die Bezeichnung Dog Dance nicht mag und was die schwere Krankheit ihres Vierbeiners auslöste.

Schon als Kind hat sich Yvonne Belin einen Hund gewünscht. «Ich verstehe jedoch meine Eltern heute, dass sie dagegen waren. Ein Hund, ob klein oder gross, ist mit sehr viel Verantwortung und Arbeit verbunden», betont die gebürtige Schwedin. Inzwischen ist sie nicht nur Weltmeisterin im Dog Dance Freestyle, sondern wurde von der Gemeinde Kriens – gemeinsam mit neun anderen Sportlern – für ihre Leistungen im Januar als Sportvorbild geehrt.

«Ich mag die Bezeichnung Dog Dance eigentlich gar nicht. Denn Hunde können nicht tanzen.» Es seien die Bewegungen des Hundeführers und die Choreografie, die es zum Tanz werden lassen. «Ich würde Dog Dance mit dem Dressurreiten vergleichen, und es käme auch keinem in den Sinn, das Horse Dance zu nennen», sagt die Krienserin und lacht.

Die Auszeichnung der Gemeinde Kriens als Sportvorbild bedeutet ihr sehr viel. «Nicht nur persönlich, sondern auch, weil es eine wichtige Wertschätzung des Hundesports ist, ihn mit klassischen Sportarten gleichsetzt», betont Yvonne Belin.

Spürt der Hund den Takt? Belin bezweifelt's

Beim Dog Dance würden die natürlichen Bewegungen des Hundes akzentuiert und auf diskrete Kommandos abrufbar gemacht. «Die gemeinsamen Bewegungen des Hundes und der Hundeführerin werden zu einer Kür zusammengestellt und zu Musik gezeigt», sagt Yvonne Belin. «Dabei sind nur Bewegungen erlaubt, die dem Hund weder schaden noch ihn entwürdigen.»

«Der Hund merkt sich die Abfolge der Figuren und führt die Kommandos aus, die ich durch meine Tanzbewegungen gebe.»

Yvonne Belin, Dogdance-Weltmeisterin

Ob der Hund den Takt, die Musik spüre, bezweifelt die Hundesportlerin. «Der Hund merkt sich die Abfolge der Figuren und führt die Kommandos aus, die ich durch meine Tanzbewegungen gebe», erläutert die Hochschuldozentin für Fremd-Fachsprachen. Dog Dance gibt es in den Disziplinen «Freestyle» und «Heelwork to music». Bei dieser Disziplin müssen vorgeschriebene Figuren gezeigt werden.

Als Yvonne Belin 2008 beschloss, sich endlich einen Hund zuzulegen, kam die Border-Collie-Hündin Alice zu ihr: «Zu Beginn war Alice eine eigenwillige Hündin, sie hat mich herausgefordert.» Sie besuchte verschiedene Erziehungs- und Hundesport-Kurse mit ihr, doch Alice schien daran keinen Spass zu haben. Per Zufall landeten die beiden in einem Dog-Dance-Kurs – und Alices Verhalten änderte sich schlagartig. «Das spielerische Training war genau das, was sie brauchte», erinnert sich die Hundehalterin.

Yvonne Belin an der Weltmeisterschaft 2016 in Russland:

 

Da Yvonne Belin selbst als Jugendliche viel Jazztanz trainiert hat, macht auch ihr die Arbeit mit der Musik Spass: «Bereits nach einem Jahr haben wir die ersten internationalen Wettkämpfe gewonnen.» Erst recht auf den Geschmack kam sie, als sie 2013 in Prag Europameisterin wurde. Mehrmals wöchentlich trainiert sie ihre Tiere. «Doch mit einem Hund kann man nicht stundenlang trainieren. Ich arbeite jeweils nur so lange mit ihnen, wie sie noch weitermachen wollen. So bleibt die Motivation erhalten», verrät sie.

Strafen und Schimpfen nützt nichts

Pro Jahr hat Yvonne Belin zwei bis drei unterschiedliche Choreografien erarbeitet. «Wie bei jeder Sportart müssen beim Aufbau und Training der Körper und die Muskulatur von Hund und Hundeführer gezielt aufgebaut werden.» Sie selbst habe ebenfalls Jazztanz-Unterricht genommen. Beim Training ist ihr sehr wichtig, den Hund nur positiv zu motivieren, mit Spiel, Futter und Clicker-Training. «Strafen oder Schimpfen führen beim Training zu nichts», betont sie. Sie arbeitet gern vor dem KKL, denn da kann sie die Ausführung der Figuren in den Glastüren kontrollieren. «Das Training hier hat noch andere Vorteile: Der Hund gewöhnt sich an Ablenkung durch Menschen, Essensgerüche und Lärm: eine ideale Wettkampfvorbereitung.»

«Wir waren mit dem Krebs und dessen Folgen überfordert.»

Dog Dance sei für jedermann lernbar: «Man muss Freude an der Bewegung und der Musik haben und sich, falls man Wettkämpfe bestreiten will, gern vor einem Publikum präsentieren.» Ihre Erfahrungen gibt sie an Seminaren zu musikalischer Interpretation und Choreografie weiter. Ausserdem sei es ein preiswerter Sport, denn es brauche nur Futter und Fantasie. Alle Hunderassen eignen sich für Dog Dance, allenfalls muss die Choreografie an den Hund angepasst werden. Wenn Yvonne Belin die Musik auswählt, nimmt sie ein Stück, das ihr gefällt. «Schliesslich begleitet mich der Song danach für eine lange Zeit», betont sie. Dabei achte sie auf die interessante Struktur des Songs, denn Dog Dance sei ein Publikumssport, es solle den Zuschauern gefallen.

Was der Tod des besten Freundes auslösen kann

Neunjährig erkrankte ihre Hündin Alice plötzlich an Krebs und verstarb. «Wir waren mit der Krankheit und deren Folgen überfordert», sagt Belin. Deshalb hat sie zusammen mit der Tierklinik Hünenberg eine Webseite mit Informationen und Hilfestellungen rund um das Thema Krebs bei Hunden kreiert. «Ich hoffe, damit andere Hundebesitzer in der gleichen Situation zu unterstützen.»

Inzwischen gehören Lisa und Mona, wieder zwei Border Collies, zur Familie. Mit Lisa macht Belin die Ausbildung zum Sprengstoff-Spürhund, Mona sei ebenfalls talentiert. «Ihr Zuchtname ist ausserdem ‹Do you wanna dance by Klok Collies›, da muss ich natürlich Dog Dance mit ihr trainieren», sagt Yvonne Belin schmunzelnd.

Früher reiste sie gern, beschäftigte sich mit Kunstgeschichte. Heute denken sie und ihr Mann über einen dritten Hund nach. Etwa vier bis fünf Jahre Training mit einem Junghund seien nötig, um an die Spitze zu kommen. Nach einer Pause mischt die Weltmeisterin von 2016 also vielleicht bald wieder vorne mit.

Der Hund merkt den Takt nicht: Die Krienserin Yvonne Belin macht sich keine Illusionen.
Der Hund merkt den Takt nicht: Die Krienserin Yvonne Belin macht sich keine Illusionen. (Bild: zvg)

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