Santeri Alatalo (r.) hätte für das nächste Spiel gerne so wenige Strafen wie möglich – für den EVZ und auch den ZSC. (Bild: Facebook-Page EVZ)
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Santeri Alatalo (r.) hätte für das nächste Spiel gerne so wenige Strafen wie möglich – für den EVZ und auch den ZSC. (Bild: Facebook-Page EVZ)

Wie der EVZ das Ruder herumreissen will

5min Lesezeit

Mit der Niederlage im Heimspiel vom Donnerstag hat der EV Zug den Heimvorteil verspielt. Folgt nun am Samstag eine wütende Reaktion? Die Verantwortlichen versichern auf jeden Fall, das Erfolgsrezept gegen die Zürcher zu kennen.

Das hat kaum jemand kommen sehen. Nach dem souveränen 4:1-Auftaktsieg vom letzten Samstag befinden sich die Zuger nach zwei unnötigen – weil überhaupt nicht zwingenden – Niederlagen in der Serie gegen die ZSC Lions mit dem Rücken zur Wand. 1:2 liegen sie nun hinten.

Zuerst kostete sie ein allzu passiver Auftritt in den ersten beiden Dritteln am Dienstag eine bessere Ausgangslage. Um ein Haar hätten die Zuger im letzten Drittel das Ruder noch herumreissen können. Am Donnerstag schlugen sie sich im zweiten Heimspiel mit zwei Gegentreffern in Überzahl gleich selbst. Entsprechend frustriert zeigten sich die Akteure anschliessend. «Wir haben zwei Gegentreffer in Überzahl erhalten, das darf uns einfach nicht passieren», meinte ein sichtlich enttäuschter Santeri Alatalo.

Das Powerplay plötzlich als Handicap

Das Powerplay, in der Qualifikation noch eines der besten der Liga, hat sich in den Playoffs bisher nicht nur als grosses Sorgenkind, sondern gar als Hypothek erwiesen. In 19 Überzahlsituationen haben die Zuger magere zwei Treffer erzielt – und ebenso viele erhalten.

So hilft es auch nicht weiter, dass die Kolinstädter ligaweit am meisten Gelegenheiten erhalten haben, Powerplay zu spielen. Als Ursache fügt Verteidiger Alatalo an, dass einfache Pässe nicht ankommen würden. Statt sich eine Chance zu bieten, um das Skore zu verbessern, verkommt die Zeit im Powerplay zu einer Quelle der Frustration für die Spieler, was sich auf ihr Selbstvertrauen auswirkt.

«Wir müssen mehr fünf gegen fünf spielen. Die Strafen behindern den Fluss und das Tempo unseres Spiels.»

Santeri Alatalo, Verteidiger EV Zug

So bemerkte Coach Harold Kreis, dass sich seine Schützlinge «verkrampft» hätten, was eben nicht zu flüssigen Kombinationen, sondern zu zahlreichen Flüchtigkeitsfehlern geführt hätte. Alatalo hingegen mochte nicht auf die mentalen Aspekte der Powerplay-Flaute eingehen, sondern dachte daran, künftig solch unangenehme Situationen zu vermeiden. «Wir müssen mehr fünf gegen fünf spielen. Die Strafen behindern den Fluss und das Tempo unseres Spiels», so der 27-Jährige. Seine Worte können auch als Seitenhieb bezüglich der allzu kleinlichen Regelauslegung der Schiedsrichter interpretiert werden.

Der Captain ist nicht an Bord

Sicherlich nicht geholfen hat das Fehlen von Captain Raphael Diaz am Donnerstag, dessen Präsenz als Organisator und Scharfschütze im Powerplay ebenso vermisst wurde wie seine präzisen Pässe und die Übersicht im Spielaufbau. Dennoch darf seine Verletzung, die von Tag zu Tag neu beurteilt wird, nicht als Ausrede für die Gegentreffer in Überzahl benutzt werden. Vielmehr müssen designierte Leistungsträger wie Robin Grossmann, der den Part von Diaz in der ersten Powerplay-Formation übernommen hat, Garrett Roe, Viktor Stålberg oder Lino Martschini konstant ihr bestes Eishockey abrufen.

Nun müssen die Zuger zumindest eines der maximal zwei verbleibenden Auswärtsspiele für sich entscheiden, um ein frühzeitiges Saisonende noch abzuwenden. Dürfen die Fans einen aggressiver aufspielenden EVZ als in der ersten Auswärtspartie erwarten? «Nein, wir müssen bei fünf gegen fünf unser Spiel spielen und nicht viel ändern, sondern weiter probieren und noch härter arbeiten», vertraut Alatalo auf die eigenen Fähigkeiten.

«Wir reisen nach Zürich, um das nächste Spiel zu gewinnen.»

Harold Kreis, Coach EV Zug

Würde eine Heimniederlage überhaupt etwas ändern?

An der Ausgangslage würde die Heimniederlage laut Alatalo nichts ändern, denn «wir brauchen insgesamt vier Siege. Die werden wir holen, wenn wir unser Spiel durchziehen». Dies bedeute auch, sich nicht zu sehr vom Gegner beeinflussen zu lassen.

Diese Worte entsprechen dem Credo seines Coaches, der sich von seinen Schützlingen ein einfacheres und effizienteres Auftreten erhofft und – wenig überraschend – mit ihnen nochmals die Special Teams anschauen wird. Auch für Kreis scheint sich die Ausgangslage für das Gastspiel im Hallenstadion nicht geändert zu haben. «Wir reisen nach Zürich, um das nächste Spiel zu gewinnen», antwortete er auf entsprechende Nachfrage lakonisch.

Trainer Harold Kreis während dem Finalspiel.
Bilden sich etwa die ersten Sorgenfalten auf der Stirn von EVZ-Coach Harold Kreis? (Bild: Fabrizio Vignali)

Dass Kreis und Alatalo nicht bloss Zweckoptimismus verbreiten, zeigt sich an den resultatmässigen Vorteilen der Zuger bei numerischem Gleichstand in allen bisherigen Partien. Ein Schelm, wer dem EVZ rät, nicht nur möglichst wenige eigene Strafen zu nehmen, sondern auch möglichst keine des Gegners zu provozieren.

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