Hans Kossmann dirigiert die ZSC Lions. (Bild: ZSC Lions/ Waldemar Da Rin)
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Hans Kossmann dirigiert die ZSC Lions. (Bild: ZSC Lions/ Waldemar Da Rin)

Wie der ZSC-Coach die Startniederlage schönredet

5min Lesezeit

Der EV Zug ist diesen Samstag erfolgreich in die Playoffs gestartet und hat die ZSC Lions über weite Strecken dominiert. Die Zürcher übten sich nach der Partie derweil in Zweckoptimismus und rhetorischer Schadensbegrenzung.

Playoffs ist, wenn sich die Spieler bereits vor dem ersten Puckeinwurf am Anspielkreis mit Mätzchen unter die Haut zu gehen versuchen. Wenn gegnerische Checks mit gellenden Pfiffen quittiert werden. Oder wenn die Coaches, noch mehr als üblich, zu rhetorischen Kniffen greifen, indem sie nach überzeugenden Siegen den noch langen Weg bis zum Ende der Serie betonen oder sich nach farblosen Auftritten ihrer Equipe bemühen, die positiven Ansätze hervorzuheben.

So geschehen auch nach der ersten Begegnung des Playoff-Viertelfinals, als der Zürcher Coach Hans Kossmann erstaunlich gelassen auf die Fragen der Journalistenschar geantwortet hat. Gestört hat ihn an der Leistung seines Teams vorwiegend das teilweise «übermotivierte» Einsteigen. «Wir haben zweimal in doppelter Unterzahl spielen müssen. Das dürfen wir nicht wiederholen», so der Kanada-Schweizer, der die Zürcher seit der Jahreswende als Notnagel bis Ende der Saison betreut.

Standpauke in der Garderobe?

Die Disziplinlosigkeiten und fehlende Cleverness waren die einzigen Punkte, die Kossmann zu beanstanden hatte. Angesichts der Leistung seines Teams, das in den ersten beiden Dritteln zu langsam Schlittschuh gelaufen ist, eine Orgie an Fehlpässen aneinandergereiht hat, in der Offensive kaum zwingende Chancen kreieren konnte und in der Defensive regelmässig falsch gestanden ist, stellte er ihr somit ein gnädiges Zeugnis aus. Es würde freilich nicht überraschen, wenn der als fordernd und streng geltende langjährige Assistent Chris McSorleys in der Garderobe andere Töne angeschlagen hätte.

Die Zuger durften vor eigenem Anhang einen Sieg feiern.
Die Zuger durften vor eigenem Anhang einen Sieg feiern. (Bild: EVZ/Felix Klaus)

Die zurückhaltende öffentliche Beurteilung mag auch als Mittel dienen, um das eigene Gesicht zu wahren. Immerhin stellen die Zürcher trotz den gewichtigen Ausfällen von Robert Nilsson, Severin Blindenbacher oder Nati-Verteidiger Christian Marti weiterhin ein hochtalentiertes Ensemble, dem es in den ersten beiden Dritteln nicht ansatzweise gelungen ist, die Zuger über einen längeren Zeitraum unter Druck zu setzen.

«Wir müssen den Rhythmus aus dem dritten Drittel mitnehmen. Dann bekommen wir unsere Chancen.»

Hans Kossmann, ZSC-Coach

Topscorer Fredrik Pettersson, ansonsten der unermüdliche Antreiber seines Teams, fiel einzig mit zwei Strafen auf – unter anderem einer völlig unnötigen kurz vor Schluss im Powerplay, mit der er die letzte Chance auf ein Aufbäumen zunichtemachte. Roman Wick blieb ebenso blass wie Pius Suter oder die unterdurchschnittlichen ausländischen Akteure Kevin Klein, Drew Shore und Pascal Pelletier. Obwohl die frustrierenden Leistungen der Zürcher in dieser Saison nichts Neues darstellen, müssen sie den Verantwortlichen dennoch zu denken geben.

Mehr Zug auf das gegnerische Tor

Positiv für die Zürcher ist, dass erst eine Partie gespielt wurde und die Serie noch genügend lang ist, um die Zuger zu schlagen. Dennoch hat die Auftaktpartie gezeigt, dass sich den Zürchern eine grosse Hürde entgegenstellt. «Wir wussten, dass es hier in Zug sehr schwierig wird. Wir müssen fast alles sehr gut machen», meinte auch Kossmann in Bezug auf die komplette Zuger Leistung. Am Kampfgeist und der Aufopferungsbereitschaft seiner Mannschaft hatte er nichts auszusetzen, stattdessen forderte er mehr Zug auf das Tor von Tobias Stephan, um aggressiv mehr Abpraller zu provozieren.

Umkämpfte Playoffpartie in Zug.
Umkämpfte Playoffpartie in Zug. (Bild: ZSC Lions/ Waldemar Da Rin)

Entsprechend stimmte ihn die energischere Leistung im dritten Drittel, in dem sich die Zürcher der drohenden Niederlage entgegenstemmten und auch dank der Passivität des Heimteams besser ins Spiel fanden, hinsichtlich der zweiten Partie vom Dienstag zuversichtlich. «Wir müssen den Rhythmus aus dem dritten Drittel mitnehmen. Dann bekommen wir unsere Chancen», so der 55-Jährige.

Schwache offensive Ausbeute

Ob sie diese angesichts der offensiven Harmlosigkeit und der Formschwäche potenzieller offensiver Leistungsträger nutzen können, steht freilich auf einem anderen Blatt Papier. Auf die Frage eines Journalisten, ob Kossmann mit der Nomination des defensiv soliden, aber offensiv limitierten Swiss-League-Centers Pascal Pelletier für mehr defensive Stabilität sorgen wollte, meinte der Coach mit einem gequälten Ausdruck: «Unsere ausländischen Center haben zehn Tore in 80 Partien erzielt. Es sind also alles Defensivcenter.» Immerhin bleibt den Zürchern noch die Ausflucht zum Galgenhumor.

 

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