Nicolas Schindelholz bei der Teampräsentation im Sommer. (Bild: Martin Meienberger/ freshfocus)
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Nicolas Schindelholz bei der Teampräsentation im Sommer. (Bild: Martin Meienberger/ freshfocus)

Das FCL-Lazarett lichtet sich: Verteidiger zurück im Training

7min Lesezeit

Nach dem Abgang von Reto Ziegler ist unklar, wie die Verteidigung des FC Luzern zum Rückrundenstart aussieht. Verletzungen und Sperren stellen den neuen Trainer Gerardo Seoane vor eine Denkaufgabe. Zudem ist es möglich, dass eine Verstärkung kommt. Obschon man auch einen Langzeitverletzten als eigentlichen Neuzugang bezeichnen kann.

Ricardo Costa, Tomislav Puljic, François Affolter und ganz zum Schluss auch Reto Ziegler. Im Jahr 2017 haben vier namhafte Innenverteidiger den FC Luzern verlassen. Alle hatten mit ihren Fähigkeiten und ihrer Erfahrung das Zeug zum Abwehrchef. Aus unterschiedlichsten Gründen funktionierte es jedoch nicht – oder nicht mehr.

Der FC Luzern reiste diesen Freitag ins Trainingslager. Sechs Innenverteidiger sind mit an Bord: Lucas Alves, Remo Arnold, Nicolas Schindelholz, Stefan Knezevic, Yannick Schmid und der zuletzt häufiger im Mittelfeld eingesetzte Marvin Schulz. Nur, die drei Erstgenannten waren am Ende der Rückrunde verletzt. 

Wer wird zum Rückrundenstart fit?

Nun lichtet sich das Lazarett langsam, wie die FCL-Medienstelle berichtet. Nicolas Schindelholz sei wieder voll ins Mannschaftstraining integriert und bereit für Einsätze in der Mannschaft. Er wechselte im Sommer vom FC Thun nach Luzern, war aber immer verletzt. Erst setzte ein Kreuzbandanriss den 29-Jährigen ausser Gefecht, anschliessend eine Muskelverletzung. Nun kann er also wieder mitmischen – eigentlich der erste Neuzugang des FCL zur Winterpause.

Ebenfalls auf gutem Weg zurück befinde sich Remo Arnold – der Aufbau sei jedoch nach seiner Verletzungspause noch nicht abgeschlossen. Das 20-jährige Eigengewächs hatte im Europa-League-Qualifikations-Hinspiel in Osijek einen Kreuzbandriss erlitten (zentralplus berichtete). Im Trainingslager wird er teilweise am Mannschaftstraining teilnehmen können, um dann gegen Ende des Monats bei einem Testspiel einen ersten Einsatz zu bestreiten, heisst es beim FCL. Wann er allerdings wieder am Meisterschaftsbetrieb teilnehmen kann, sei noch offen.

Lucas Alves im Spiel gegen den FC Lausanne.
Lucas Alves im Spiel gegen den FC Lausanne. (Bild: Martin Meienberger/ freshfocus)

Der Dritte im Bunde, der Brasilianer Lucas Alves, fiel zu Beginn der Hinrunde mit einem Oberschenkelmuskelriss aus. Ab Mitte Oktober kehrte er in die Mannschaft zurück und stand in sechs aufeinanderfolgenden Spielen in der Startformation. Im Dezember wurde Alves dann noch eine Schraube entfernt – das entstandene Loch macht ihm im Moment noch zu schaffen. Bei ihm muss nun die Ausdauer aufgebaut werden. Er soll langsam an die Mannschaft herangeführt werden. Es dürfte knapp werden, dass er zu Beginn der Rückrunde wieder einsatzfähig ist.

Zwei Eigengewächse stünden bereit

Gar nicht mit Verletzungen zu kämpfen haben der 22-jährige Yannick Schmid und der 21-jährige Stefan Knezevic. Ob sie wohl das neue FCL-Innenverteidigerduo bilden? Gerade einmal 90 Minuten standen die beiden in der Hinrunde Seite an Seite auf dem Platz. Bei der 1:4-Niederlage gegen YB, wo sich Ex-Coach Markus Babbel im Anschluss Fragen gefallen lassen musste, er habe das Spiel mit seiner jugendlichen Aufstellung bereits vor Anpfiff abgeschenkt. Dennoch gelten die zwei jungen Eigengewächse als grosse Zukunftshoffnungen.

Stefan Knezevic kam über den FC Hitzkirch und den SC Buochs 2006 zum FCL. Zu Beginn der Saison spielte er oft, dann war er plötzlich aussen vor. «Ich brauchte viel Geduld», so Knezevic kürzlich bei «FCL.TV». Die letzten drei Partien spielte Knezevic dann wieder über die volle Distanz durch, in der Nachspielzeit des letzten Spiels sah er jedoch die gelb-rote Karte – er wird zu Rückrundenauftakt zuschauen müssen. Im Herbst wurde sein Vertrag bis 2020 verlängert. Sportchef Remo Meyer sagte damals, Knezevic sei ein Beispiel, wie der FCL die Vision 2021 lebe (zentralplus berichtete). Knezevics nächstes Ziel ist, sich einen fixen Stammplatz in der Mannschaft zu sichern.

Stefan Knezevic erzielte ein Tor gegen den FC Zürich.
Stefan Knezevic erzielte ein Tor gegen den FC Zürich. (Bild: Martin Meienberger/ freshfocus)

Yannick Schmid absolvierte seine Juniorenzeit beim SC Kriens und dem FCL. In der vergangenen Saison wurde er an den FC Wohlen ausgeliehen. In der Challenge League sollte Schmid Spielpraxis sammeln. Das gelang nur zum Teil, Schmid stand etwa die Hälfte der Spiele auf dem Platz. Auf diese Saison wurde er zurückgeholt. Er spielte dreimal durch und kam zu zwei Teileinsätzen. Zudem war er zweimal als Torschütze erfolgreich. 

Was plant Seoane?

Der Letzte im Bunde für die Innenverteidigung ist der Deutsche Marvin Schulz. Zu Beginn der Saison noch in der Innenverteidigung eingesetzt, rückte er nach der Verletzung von Olivier Custodio häufiger ins Mittelfeld. Bei ihm wird ganz entscheidend sein, in welcher Rolle ihn der neue Trainer Gerardo Seoane sieht. Mit seinen 22 Jahren steht auch Schulz noch am Anfang seiner Karriere.

Das aktuelle FCL-Kader bietet durchaus Optionen für die Abwehr. Ob Trainer Seoane ein System mit zwei oder drei Innenverteidigern bevorzugt, ist derzeit noch offen. Je nachdem sind andere Fähigkeiten gefragt. Sportchef Remo Meyer hat zudem angekündigt, die Augen für allfällige Transfers offen zu halten. «Allerdings sind keine grossen Sprünge möglich», betonte er mehrfach. Ein neuer Innenverteidiger, welcher eine sofortige Verstärkung wäre und den jungen Spielern auch mit seiner Erfahrung weiterhelfen könnte, würde bestimmt nicht schaden. Möglicherweise kann auch Schindelholz – wenn er denn gesund bleibt – in diese Rolle schlüpfen.

Yannick Schmid erzielte gegen den FC St. Gallen einen Treffer.
Yannick Schmid erzielte gegen den FC St. Gallen einen Treffer. (Bild: Martin Meienberger/ freshfocus)

Auf den Aussenverteidigerpositionen ist der FCL mit Christian Schwegler, Simon Grether und allenfalls Christian Schneuwly auf der rechten Seite und Claudio Lustenberger, Pascal Schürpf und möglicherweise Dren Feka auf der linken Seite gut besetzt. Insgesamt ein Dutzend Spieler balgt sich also um die Plätze in der Startelf, der Konkurrenzkampf ist intakt. Der geschasste Trainer, Markus Babbel, rotierte in der Hinrunde immer wieder, der sportliche Erfolg war bekanntermassen überschaubar. Man darf gespannt sein, welche Taktik Gerardo Seoane verfolgt. Die Testspiele im Trainingslager werden erste Indizien liefern.

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